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Ausgabe Nr. 46/2017 vom 14.11.2017, Fotos: IDM Südtirol/Clemens Zahn, Petra Mayr
Rund um den Kalterer See wird Wein, darunter der Vernatsch angebaut.
Weinregion Kaltern am See
Informationen über die Region und den Wein gibt es bei der Weinwirtschaft Kaltern am See unter Tel.: 0039 0471 96 54 10 und www.wein.kaltern.com
Weingenuss am See
Kaltern gehört zu den schönsten Wein-
dörfern Südtirols. Es liegt idyllisch am Kalterer See, der Namenspate für eine besondere rote Traube ist. Die Rebsorte Vernatsch wird unter der Bezeichnung „Kalterersee“ in Flaschen abgefüllt. In der Region machten schon einige Habsburger Urlaub. Sie zog es auf die Mendel, den Hausberg von Kaltern.
Sie war schon im Mittelalter hier und ist es bis heute geblieben. Die Vernatsch-Traube gedeiht seit Jahrhunderten an den Hängen des Südtiroler Ortes Kaltern am See. Die Weinberge der Region waren früher fast ausschließlich mit den Reben dieser Rotweinsorte bedeckt. „Auf 80 Prozent der gesamten Anbaufläche wurde dieser Wein angebaut. Heute hält er knapp ein Fünftel der Weinbaufläche“, erzählt Sylvie Frei von der Weinwirtschaft Kaltern am See.

In ihrem Namen trägt die Traube einen Hinweis darauf, dass sie es war, die sich als Erste die Sonne auf das Laub scheinen ließ. Der Name Vernatsch stammt vom lateinischen Wort „vernaculus“ und bedeutet Einheimischer. Als Ortsansässige wird die Traube zudem mit einem anderen Namen bezeichnet. „Den Vernatsch-Wein nennen wir auch ,Kalterersee‘. Dadurch stellen wir eine Verbindung zum Kalterer See her, dem wärmsten Badesee der Alpen“, erklärt Frei.

In bester Lage über dem Gewässer genießen die Weintrauben eine klimatische Besonderheit. „Die Ora, der warme Wind, bläst nachmittags vom Gardasee her und trocknet die Trauben nach Schlechtwetter. Das schützt sie vor Pilzbefall. Vom Norden und vom Mendelgebirge ziehen kühlere Winde ins Land, verzögern die Traubenreife und konservieren dadurch die Aromen des Weines“, gibt die Südtirolerin einen Einblick in die Wetterlage.

Einen wichtigen Beitrag zum Geschmack liefert auch der Boden, auf dem die Rebe gedeiht. Kalk und Porphyr sind im Boden enthalten und geben dem Wein eine außergewöhnliche Note. Die Trauben reifen auf einer Höhe zwischen 200 und 600 Metern heran. Von diesem beachtlichen Höhenunterschied können sich Besucher bei einem Spaziergang durch die Weingärten selbst ein Bild machen.

In einer Achterschleife führt ein thematischer Weinweg durch die Weinberge rund um Kaltern. Dabei lohnt es sich, den Blick auch auf den Boden zu senken. Immer wieder überschreiten die Ausflügler kalksteinweiße Schwellen mit den „Riegelnamen“, den historischen Namen der Weinlagen. Sie sind teils rätischen, teils romanischen Ursprungs. Ihr Klang ist lautmalerische Poesie. Sie heißen „Prunar“, „Vial“, „Barleit“, „Puntara“ und „Plantaditsch“.

Diese Wortmalerei regt an, den Vernatsch auch zu verkosten. Denn nur vom Lesen haben die Spaziergänger überhaupt nichts. Wer die Region um den Kalterer See besucht, muss sich auch ein Glaserl des rubinroten Rebensaftes gönnen. Glücklicherweise führt der Weg an romantischen Weinhöfen vorbei, in denen dem Gast gerne eingeschenkt wird.

Bevor das Glas zum Mund geführt wird, gilt es, tief in den Wein hineinzuriechen. Er duftet nach Kirschen und Veilchen. Diese fruchtig, frischen Aromen setzen sich im Geschmack fort. „Der Vernatsch schmeckt mild und leicht nach Bittermandel. Er enthält wenig Säure und passt hervorragend zu Pizza, hellem Fleisch und Fisch. Der ,Kalterersee‘ wird leicht gekühlt getrunken, zwischen zwölf und 14 Grad mundet er am besten“, erzählt Frei.

Der Vernatsch hat einen geringen Alkoholgehalt, dafür aber eine hohe Qualität. Die Initiative „wein.kaltern“ setzt sich dafür ein. „In Kaltern sind alle Weinproduzenten, bis auf zwei Ausnahmen, Mitglied. Insgesamt setzen 26 Betriebe die Qualitätsstandards um.“ Neben dem Vernatsch werden auch Weißweine wie Weißburgunder, Gewürztraminer, Chardonnay, Sauvignon und Kerner sowie die Rotweine Lagrein, Merlot, Cabernet und Blauburgunder angebaut.

Wer mehr über die Arbeit in den Weingärten wissen möchte, begibt sich in das Südtiroler Weinmuseum. Es befindet sich in den historischen Mauern des ehemaligen Zehentkellers der Herrschaft Kaltern-Laimburg. Ein beachtenswertes Kreuzgratgewölbe, steingefasste Spitzbogentüren und ein tiefer Keller verleihen dem Haus eine außergewöhnliche Atmosphäre.

Das Gebäude strömt aus, wofür Kaltern bei Besuchern beliebt ist. Ruhe und Genuss. Die Habsburger zog es auch wegen eines dritten Grundes in diesen Ort. Und zwar der guten Luft wegen. Erzherzog Franz Ferdinand begab sich 1895 auf den Kalterer Hausberg, die Mendel, um sein Lungenleiden auszukurieren. Er fuhr damals noch mit der Kutsche auf der Mendelpassstraße vor, sein Onkel Kaiser Franz Joseph ließ sich Jahre später mit der Mendelbahn auf den Berg bringen. Die Standseilbahn wurde im Jahr 1903 in Betrieb genommen. Sie windet sich über bewaldetes und felsiges Gelände hinauf zum Mendelpass auf 1.364 Meter.

Von dort oben genießen Ausflügler den Blick auf den Ort Kaltern, den See und die Weinberge, die in der bevorstehenden kalten Jahreszeit wieder Kraft für das Frühjahr schöpfen. widlak
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