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Ausgabe Nr. 46/2017 vom 14.11.2017, Fotos: Roche Diabetes Care Austria GmbH, Your Photo Today
Neues Blutzuckermess-System macht
Typ-1-Diabetikern das Leben leichter.
Der weniger als zwei Zentimeter große Sensor wird in einem ambulanten Eingriff dem Patienten unter die Haut im Oberarm gesetzt. Eine lokale Betäubung verhindert Schmerzen, kleine Pflaster verschließen die Wunde.
Einfach messen statt stechen
Diabetes Typ 1 ist eine Erkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr herstellen kann. Sie kommt im Vergleich zum „Altersdiabetes“ weniger oft vor, die Zahl der Betroffenen steigt aber weltweit. Für diese Patienten gibt es ein neues Blutzuckermess-System, das sie vom „blutigen Messen“ für mehrere Monate befreit. Ein Sensor unter der Haut misst den Zucker und warnt bei Gefahr.
Für Menschen mit Diabetes Typ 1 ist das eigene Immunsystem ein Feind. Körpereigene Antikörper, die normalerweise Angreifer (Antigene) abwehren, zerstören das eigene Gewebe, genauer gesagt, die Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Folge, sie bildet zu wenig oder gar kein Insulin mehr und das Messen des Blutzuckerspiegels sowie das Spritzen von Insulin begleiten die Betroffenen ein Leben lang. Weil diese Form des Diabetes häufig zwischen dem zwölften und 20. Lebensjahr auftritt, wurde sie „Jugend-Diabetes“ genannt. Doch Diabetes Typ 1 kann in jedem Alter auftreten, und die Typ-1-Patienten selbst werden mehr. Warum, darüber rätseln die Forscher noch.

Wer Insulin spritzt, muss mehrmals am Tag seinen Blutzucker messen. Das ist unbequem und kann zu Fehlern führen. Studien zeigen, unreine Hände oder zu kleine Blutstropfen führen zu falschen Messwerten. Von dem Ungemach der schmerzenden Finger nach jahrelangem Messen gar nicht zu reden.

Sensor unter der Haut misst 90 Tage lang

Von der klassischen, blutigen Methode des Blutzuckermessens entfernen sich immer mehr medizinische Anbieter. Der Trend geht auch in diesem Lebensbereich zu bequemeren, automatischen Mess-Systemen, die dem Diabetiker größtmöglichen Komfort bieten möchten. Das jüngste und mit drei Monaten durchgehender Messleistung das derzeit effizienteste Verfahren stammt von dem Medizintechnikunternehmen Roche Diabetes Care und ist seit Kurzem in unserem Land für Diabetiker des Typ 1 erhältlich.

„Mit dem Gerät bieten wir die erste Blutzuckerüberwachung, die bis zu neunzig Tage hält. Es besteht aus drei Komponenten, einem Langzeit-Sensor, der unter der Haut getragen wird, einem Smart Transmitter, der sich leicht von der Hautoberfläche abnehmen und wieder anbringen lässt sowie einer Smartphone-App. Der Langzeit-Sensor misst anhand von Lichtsignalen den Glukosewert in der Gewebeflüssigkeit und sendet die Rohdaten mittels drahtloser Technologie an den Smart Transmitter, der über dem Sensor auf der Haut aufgeklebt wird. Er kann abgenommen und wiederaufgeladen werden und hält bis zu zwölf Monate. Der kleine schwarze Smart Transmitter, der auch wasserfest ist, berechnet die Glukosedaten und überträgt die Werte kontinuierlich über Bluetooth an die Eversense-Smartphone-App. Ein zusätzliches Empfangsgerät zur Anzeige der Werte ist nicht nötig“, erklärt László Csóka von Roche Diabetes Care Austria das Blutzuckermess-System.

Kleiner Schnitt, keine Nähte

Der 27jährige Student Lars Lüneberg, der vor sieben Jahren die Diagnose Diabetes Typ 1 erhielt, war einer der ersten, der das Mess-System Eversense testen durfte. „Das Einsetzen des Sensors in meinen Oberarm hat nur fünf Minuten gedauert. Das Einzige, was ich gespürt habe, war ein kleines Zwicken der Betäubungsspritze. Nach wenigen Minuten wurde ein kleiner Schnitt gemacht und eine kleine Tasche unter der Haut gelegt. In die wurde der Sensor eingesetzt. Zuletzt kamen zwei kleine Klammerpflaster auf die Wunde und es musste nichts genäht werden“, erinnert sich Lüneberg.

Einfaches Ablesen der Zuckerwerte

Dr. Julia Mader von der Diabetes-Ambulanz an der Med-Uni Graz hat einen Teil der ersten Diabetes-Typ 1 Patienten in unserem Land betreut, die das Eversense-Modell bekamen. „Nach drei Monaten wird der Sensor aus dem Oberarm entfernt und durch einen neuen ersetzt. Als störend hat den Sensor bisher niemand empfunden“, erzählt sie. Ein Sensor, der drei, sogar sechs oder zwölf Monate im Oberarm bleiben könnte, sei erstrebenswert, meint die Fachärztin für Endokrinologie.

Bei einer kleinen Schulung erhalten alle Eversense-Träger wichtige Informationen über die Bedienung ihres neuen Gerätes. Das einfache Ablesen der Glukosewerte vom Smartphone überzeugte auch den 27jährigen. „Das Ablesen ist unauffällig und unkompliziert, etwa in Vorlesungen oder im Bus. Ich ernte keine neugierigen Blicke, die Außenwelt bekommt das Messen und Ablesen per Smartphone überhaupt nicht mit.“

Vibrationsalarm warnt vor Über- oder Unterzucker

Die einfache Handhabung beim Kontrollieren des Blutzuckers ist eine Seite. Die Datenspeicherung eine zweite. Das System zeichnet wie ein Film den Verlauf der Glukosewerte des Patienten über die Zeit auf. Er kann leicht erkennen, wie Ernährung, Sport oder andere Gesundheitsfaktoren die Werte beeinflussen. Der dritte Vorteil ist für Diabetiker von besonderer Wichtigkeit. Das Gerät warnt bei einer drohenden Über- oder Unterzuckerung. „Diese Warnung übernimmt der Smart Transmitter, denn er hat einen diskreten Vibrationsalarm eingebaut. Droht die Gefahr, vibriert das Gerät, unabhängig davon, ob der Patient sein Smartphone bei sich hat oder nicht. Das Gerät wird Alarm schlagen und der Patient weiß Bescheid“, erklärt Dr. Mader.

Ausgegeben und implantiert wird das neue Mess-System bei den derzeit teilnehmenden Diabetesambulanzen und niedergelassenen Ärzten. Die Adressen sind im Internet unter www.accu-chek.at/eversense aufgelistet.

Zur Zeit verhandeln die heimischen Krankenkassen mit dem Hersteller über die Kostenübernahme.
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