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Ausgabe Nr. 43/2017 vom 23.10.2017, Fotos: Fotolia, zVg
Immer wieder Händewaschen hilft.
Dr. Monika Redlberger-Fritz
Vorbeugen ist der beste Schutz
Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Kaum wird es draußen feucht und kühl, beginnen die ersten Nasen zu rinnen. Im Herbst bis weit in den Winter hinein plagen uns jedes Jahr Erkältungs- und Grippeviren. Ob wir krank werden, hängt jedoch zu einem großen Teil von uns selbst ab.
Die Experten sind alarmiert. In Australien leiden die Menschen unter einer äußerst schweren Influenza-
Saison (= Grippe-Saison). 167.000 laborbestätigte Fälle wurden bisher gemeldet, das ist fast die doppelte Anzahl im Vergleich zum Vorjahr, und noch ist die Saison nicht zu Ende. Für Europa könnte das nichts Gutes verheißen, denn meist wiederholt sich bei uns, was sich zuvor auf der Südhalbkugel abgespielt hat. Jedes Jahr erkranken in unserem Land rund 550.000 Erwachsene an Grippe und Grippe-ähnlichen Erkrankungen. Weniger gefährlich, aber um nichts weniger lästig und ansteckend sind Viren, die Erkältungen auslösen. Die bekanntesten sind die Rhino-Viren (bringen Schnupfen), die Noro-Viren (Brech-Durchfall), Corona- und Adenoviren (beide Atemwegsinfekte).

„Im Gegensatz zur Grippe, die allein durch Influenzaviren ausgelöst wird, gibt es zahlreiche Virenarten, die Erkältungen auslösen und von jeder Art gibt es Dutzende bis Hunderte Unterarten. Daher ist eine Impfung gegen Erkältungen zur Zeit so gut wie unmöglich“, erklärt Dr. Monika Redlberger-Fritz, Fachärztin für Virologie an der Medizinischen Universität Wien.

Der beste Schutz vor Schnupfen, Halsweh und Hus-
ten oder einem üblen Brech-Durchfall ist, den Viren keine Chance zu geben. „Wer einmal in die Hand niest, bringt zirka eine Million Viren auf seine Handinnenfläche. Greift dieser Mensch danach etwas an, eine Türschnalle, eine Fernbedienung, einen Einkaufswagen, hinterlässt er dort ein Zehntel, also 100.000 Viren. Um uns anzustecken, müssen dagegen nur zehn bis fünfzig von ihnen den Weg in die Schleimhäute unserer Augen, der Nase oder des Mundes finden, eine geringe Menge“, klärt Dr. Redlberger-Fritz auf.

Damit es nicht so weit kommt, sollten wir es den Viren so schwer wie möglich machen …

Abstand halten
Im Idealfall bleibt ein erkälteter Mensch zu Hause, um sich zu schonen und seine Mitmenschen nicht anzustecken. Diesen ärztlichen Rat befolgen leider nur die wenigsten. „Der Patient ist in der ersten Phase der Erkrankung hochinfektiös. Meist beginnt das mit der Klage ‚Ich fühl‘ mich krank.‘ Bereits zu dieser Zeit scheidet der Betroffene hohe Mengen an Viren aus und verteilt sie über
die Luft oder durch Berührung in seiner Umgebung. Hier hilft, Abstand zu halten und die folgenden Hygiene-
Maßnahmen zu berücksichtigen“, rät die Expertin.

Immer wieder Händewaschen
Erkältungsviren bleiben außerhalb des Körpers für Stunden aktiv, das heißt, ansteckend. Je kälter die Umge-
bungstemperatur ist, desto länger überleben sie. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie auf einer Türklinke landen, dem Besteck, dem Haltegriff in einem öffentlichen Verkehrsmittel oder der Fernbedienung für den Fernseher. „Ich empfehle daher, beim Nachhausekommen zuerst die Hände zu waschen. Die Hände gründlich mit Seife, warmem oder kaltem Wasser waschen und dabei nicht den Raum zwischen den Fingern und den Daumenballen vergessen. Wer einen Kranken pflegt, sollte immer wieder die Hände waschen.“ Unterwegs sind Desinfektionsgels oder -sprays für die Hände nützliche Hilfen.

Bei Husten und Niesen lüften
Ob zu Hause oder im Büro, hustet oder niest ein verkühlter Mensch im Raum, sollte danach für fünf bis zehn Minuten gelüftet werden. „Beim Niesen und Husten werden die Viren mit einer Geschwindigkeit von 80 bis 160 Stundenkilometer in den Raum geschossen und fliegen bis zu drei Meter weit. Danach schweben Millionen Viren, ‚eingepackt‘ in kleinen Wassertröpfchen in der Luft. Wer diese Tröpfchen einatmet, wird wahrscheinlich infiziert und krank. Mit dem Lüften sinkt die Zahl der virenverseuchten Wassertröpfchen in der Luft.“ Das gilt auch bei Brech-Durchfall. Erbricht ein Patient mit Brech-Durchfall durch Noroviren in einem Raum, verteilt er die Erreger in der Luft. Der Raum sollte, wenn möglich, danach 40 Minuten nicht betreten werden. Dann sind die Viren am Boden und können nicht mehr eingeatmet werden. Eventuell umherstehendes Essen sollte unbedingt entsorgt werden.

Gegenstände desinfizieren
Jeder Gegenstand, den ein Erkälteter berührt, ist für ein paar Stunden infektiös. Ist ein Familienmitglied erkältet, zu Hause Türschnallen, Griffe und häufig benützte Gegenstände öfter mit Desinfektionsmittel reinigen.

Gegen Grippe impfen
Im Gegensatz zur Erkältung ist die Grippe eine schwere Erkrankung, die bei Kindern, Menschen ab 60 Jahren und Schwangeren schwere gesundheitliche Folgen haben und bis in die Intensivstation führen kann. Ärzte empfehlen daher für diese Gruppen die Grippe-Impfung.

Das stärkt Ihr Immunsystem für den Kampf gegen Viren
• Täglich bei jedem Wetter an die frische Luft gehen, ideal: mindestens 1 Stunde.
• Gemüse, Obst, in Maßen Fleisch und Fisch essen,
1 1/2 l Wasser, verdünnte Säfte oder Tee trinken, frische Lebensmittel kaufen, Vollkornbrot, Milch und Käse nicht vergessen. Alkohol, Tabak, Fertigessen, Süßspeisen meiden.
• Ausreichend schlafen, zwischen 7 und 9 Stunden.
• Bauen Sie Stress ab, nehmen Sie sich Zeit für
Erholungs- und Ruhephasen.
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