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Ausgabe Nr. 39/2017 vom 26.09.2017, Foto: Thomas & Thomas
Christiane Hörbiger: "Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich meinem Vater versprochen, niemals Selbstmord zu begehen."
„Ich bin eine glückliche Gläubige“
Das Glück lässt sich überall finden. Für Christiane Hörbiger, 78, zeigt es sich in der Früh beim Aufwachen. Wenn ein neuer Tag beginnt und ihre beiden Hunde sich an sie schmiegen. Allerdings ist ihr Leben nach wie vor arbeitsreich. Hörbiger steht immer wieder vor der Kamera. Am 2. Oktober ist sie im Drama „Die letzte Reise“ zu sehen (ARD, 20.15 Uhr). Darin spielt sie eine Frau, die Sterbehilfe will.
Frau Hörbiger, was halten Sie von Sterbehilfe?
Ich bin der Meinung, dass niemand Sterbehilfe in Anspruch nehmen sollte. Ich war zwar noch nie in der Situation, große Schmerzen erleiden zu müssen, soweit ich das jetzt aber überblicke, möchte ich das unter keinen Umständen machen.

Warum ist Sterbehilfe für Sie kein Thema?
Das hat mit meinem Vater Attila Hörbiger zu tun. Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich ihm versprochen, niemals Selbstmord zu begehen.

Wie kamen Sie auf dieses Thema?
Das ist eine gute Frage. Es waren zwei Punkte, die ich meinem Vater damals versprechen musste. Ich war in einer Klosterschule und war verliebt in die Klassen-Oberschwester, und ich sagte meinem Vater: Ich würde so gerne in ein Kloster gehen.

Was hat er geantwortet?
„Bitte, bitte, tu das nicht.“ Und dann kamen wir durch ein Gespräch über die Klosterschule auf das Thema Selbstmord – und da hat mein Vater zu mir gesagt: „Gib mir das Ehrenwort, dass du das niemals machen wirst.“ Darauf habe ich ihm mein Ehrenwort gegeben und daran halte ich mich.

Im Leben jedes Menschen gibt es Hochs und Tiefs. Wie motivieren Sie sich, was gibt Ihnen Zuversicht?
Mein Glaube. Ich bin katholisch erzogen und aufgewachsen und das hat mich für mein Leben geprägt. Es ist die Religion, die mir die Sterbehilfe verbietet, und es ist der liebe Gott, der mir Zuversicht gibt, mit ihm bin ich täglich im Zwiegespräch. Ich bin gläubig und ich bin eine glückliche Gläubige.

Sie unterstreichen immer wieder den Satz: „Altern ist nichts für Feiglinge.“ Ist das noch so?
Altern ist nichts für Feiglinge, klingt mir zu negativ. Ich werde gerne alt, weil es mich auch von vielen Ängsten und Sorgen befreit. Ich muss keine Angst mehr haben, zu verhungern. Ich weiß genau, ich habe so und so viel Geld weggelegt, ich habe mir etwas erspart. Mein Sohn verdient sein eigenes Geld, und zwar auf gute Art und Weise. Das freut mich. Sascha wird als Regisseur demnächst für das ZDF zwei Filme der Reihe „München Mord“ mit Alexander Held drehen. Ich muss mir darüber keinerlei Sorgen mehr machen – und das finde ich am Alter ganz wunderbar, vorausgesetzt, ich bleibe ​​gesund.

Was macht Sie sonst noch glücklich?
Mich macht es immer wieder glücklich, wenn die Sonne scheint. Der Sommer macht mich glücklich, wenn die Sonne mich wärmt und wenn es draußen hell ist, dann bin ich glücklich. Ich denke aber, dass es nichts Besonderes ist, denn es wird jedem Menschen so gehen. Es macht mich auch glücklich, in der Früh aufzuwachen, meine beiden Mops-Hunde haben sich schon an mich geschmiegt, und dann überlege ich mir, was ich an diesem Tag alles machen muss oder kann. Ich sage dann immer: Lieber Gott, danke, dass ich aufwachen darf.

Aber dann kommt doch sicher auch der Schmerz über den Verlust Ihres Mannes Gerhard Tötschinger, der im August des Vorjahres überraschend starb?
Das vergangene Jahr war furchtbar. Jeder Tag ohne ihn ist furchtbar. Ich vermisse meinen Mann ständig.

Werden Sie sich den aktuellen Film „Die letzte Reise“ vor dem Fernseher ansehen? Mit je einem Mops an jeder Seite?
(lacht). Vielleicht trinke ich ein Glas Rotwein dazu. Auf jeden Fall aber habe ich links und rechts einen Mops im Arm. Eventuell schaue ich mir den Film zusammen mit einer Mitarbeiterin an, die ich jetzt ständig an meiner Seite habe.

Können Sie sich entspannt zusehen?
Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch und ich glaube, dieser Film wird mir gefallen. Ich finde es auch gut, dass im Anschluss an diesen fiktionalen Film eine Dokumentation zum Thema Sterbehilfe ausgestrahlt wird. Diese Dokumentation werde ich mir sicher auch ansehen.

Werden Sie am 13. Oktober Ihren 79. Geburtstag feiern?
Natürlich feiere ich an diesem Tag meinen Geburtstag und es macht mir gar nichts aus, dass es in diesem Jahr ein Freitag, der 13. ist. Da ich noch nicht 80 bin, werde ich in diesem Jahr im kleinen Kreis feiern, aber für meinen Geburtstag im nächsten Jahr muss ich mir etwas überlegen.

Welches Geschenk würde Ihnen Freude bereiten?
Mir wurde bereits ein wunderbares Geschenk gemacht. Der Filmproduzent Markus Trebitsch schenkte mir eine Schiffsreise von New York (USA) nach Hamburg (D).

Sie meinten, das Altern würde Sie von Sorgen und Ängsten befreien. Sind Sie sorgenfrei?
Ach wo. Gut, ich sehe in der Gelassenheit das Schönste am Altern. Sorgen mache ich mir dennoch, weil mein Sohn immer wieder ohne Helm mit dem Fahrrad fährt. Das finde ich blöd und sage das auch.


ZUR PERSON
Christiane Hörbiger ist eine von drei Töchtern des berühmten Schauspielerpaares Attila Hörbiger und Paula Wessely. Sie kam am 13. Oktober 1938 in Wien zur Welt. Eigentlich sollte sie eine Konditorei führen, doch der Film zog sie stärker an. Und so gab Christiane Hörbiger im Jahr 1955 ihr Debüt im Film „Der Major und die Stiere“. In den vergangenen sechs Jahrzehnten war die Darstellerin in vielen Dutzenden von Film- und Theaterrollen zu sehen.
Aus ihrer Ehe mit dem Schweizer Journalisten Rolf Bigler stammt ihr Sohn Sascha, 49, der als Regisseur und Drehbuchautor arbeitet. Nach dem Tod von Bigler zog sie ihn alleine groß. Von 1984 bis 2016 war Hörbiger mit Gerhard Tötschinger liiert. Er starb an einer Lungenembolie.
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