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Ausgabe Nr. 36/2017 vom 05.09.2017, Fotos: zinkevych/Fotolia, Cefaly/zvg, Wilke/Mediendienst.com
Eine Stimulation mit Elektroimpulsen lindert Schmerzen.
Zuerst werden die Elektroden (Pflaster) an der Stirn angebracht, danach das Gerät.
Druckknopf (rot) fürs Ein- und Ausschalten
sowie zum Stoppen der Stromstärke.
Prof. Dr. Christian Wöber, Neurologe: „Mit der Elektrostimulation ist eine Besserung der Beschwerden möglich. Viel hängt aber auch vom Lebensstil ab.“
Migräne mit Strom behandeln
Es pocht, es wummert und der Schmerz nimmt kein Ende. Jeder Zehnte kennt die teuflischen Schmerzen, die Migräne verursachen kann. Wissenschaftler bieten nun eine Ergänzung oder Alternative zu Medikamenten. Geräte, die dank elektrischer Impulse den Schmerz zügeln.
Sie hat viele Auslöser wie Hormone, Schlafmangel oder Stress, Duftstoffe, grelles Licht, Alkohol und Lebensmittel und sie kann ihre Opfer für Tage außer Gefecht setzen.
Wer unter Migräne leidet, hat mehr als bloße Kopfschmerzen. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die einige Tage dauern kann und mit charakteristisch pulsierenden Schmerzen in einer Kopfhälfte einhergeht, insbesondere im Bereich von Stirn, Schläfe und Auge, manchmal begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Frauen sind etwa drei Mal so häufig betroffen wie Männer.

Ärzte und Wissenschaftler sind bemüht, Betroffenen so gut wie möglich zu helfen, am besten noch bevor eine Migräne zu ihrer Höchstform aufläuft. Vor allem Patienten, die häufig unter Migräneattacken leiden, sollen wirksame Mittel in die Hand bekommen, um den Teufelskreis rechtzeitig zu unterbrechen.

Um die Hälfte weniger Schmerzen

In ihren jüngsten Forschungen prüfen Neurologen einen Ansatz, der nicht neu ist, aber nun alltagstauglich werden soll. Die Behandlung von Migräne mit Hilfe kleiner tragbarer Geräte, die elektrische Impulse aussenden und so dem Gehirn helfen, eine Attacke abzuwenden. Einen erfolgversprechenden Versuch in diese Richtung machte Dr. David Yarnitsky vom Rambam Medical Center in Israel. In seiner Studie ließ er ein elektromagnetisches, kabelloses Schmerzpflaster, das die Teilnehmer wie eine Binde am Oberarm trugen, von Betroffenen testen, die im Schnitt unter zwei bis acht Attacken im Monat litten. „Die Migränepatienten legten das Pflaster, kurz nachdem die Migräne begann, an. Für zwanzig Minuten gab es über kleine Elektroden spürbare, aber nicht schmerzhafte Stromstöße über die Haut ab. Die Stärke der Impulse konnten die Patienten über ihr Smartphone steuern. Diese Elektrostimulation soll dem Gehirn helfen, sein internes System zur Schmerzregulation so zu aktivieren, dass eine Migräne abgewendet werden kann.“

Die Ergebnisse überzeugten Dr. Yarnitsky. „Sechs von zehn Teilnehmern hatten um die Hälfte weniger Schmerzen, auch zwei Stunden nach der Anwendung. Jeder Dritte
war sogar schmerzfrei. Das entspricht einer Erfolgsquote wie mit Migränemedikamenten.“

Im Gegensatz zu Dr. Yarnitzkys Migräne-Pflaster hat ein ähnlich arbeitendes Gerät der belgischen Firma Cefaly-Technology die Marktreife erlangt (ca. E 300,–, eine zweimonatige Testphase um E 95,– ist möglich).
„Cefaly ist ein äußerlich anwendbares Stimulationsgerät mit einer Elektrode, das es in einer Ausführung mit Stirnband und als selbstklebende Kompaktversion gibt“, erklärt Geschäftsführer Pierre Rigaux. Der Hersteller verweist auf Studien zur Wirksamkeit, die durch elektrische Mikroimpulse an den sogenannten Nervus trigeminus (Drillingsnerv) erzielt werde, der bei einer Migräneattacke häufig betroffen ist. Durch die Mikroimpulse sollen die Schmerzen bei einem Anfall gelindert werden. Menschen, die regelmäßig Migräneanfälle erleiden, sollen damit sogar vorbeugen können. Zwanzig Minuten täglich könnten schon helfen, die Häufigkeit der Anfälle zu halbieren. „Diese Therapie hat den Vorteil, dass sie nebenwirkungsfrei und einfach zu bedienen ist. Mit einem Knopfdruck können Patienten die sich steigernde Impulsintensität auf der gewünschten Stärke halten.“ Nur Menschen mit Herzschrittmacher und metallischen Teilen im Kopf sind für die Therapie ungeeignet.

Die Wirksamkeit ist individuell zu prüfen

Für den Neurologen und Kopfschmerzspezialisten Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber vom Allgemeinen Krankenhaus Wien ist der Weg der elektrischen Nervenstimulation zur Behandlung und Vorbeugung von Migräne eine Ergänzung der Therapiemöglichkeiten. „Es sind zwar nicht alle Studien dazu wissenschaftlich aussagekräftig, aber es gibt Effekte, die bei Migräne-Patienten eine Linderung bringen können. Ob eine Wirksamkeit eintritt, muss jeder Migräne-Patient aber selbst herausfinden.“ Sich allein auf die Geräte zu verlassen, sei aber nicht zu empfehlen. „Migräne hat in einigen Fällen auch mit dem Lebensstil zu tun. Jeder Migräne-Patient sollte darauf achten, genug Wasser zu trinken, Ausdauersport zu treiben und Stress zu verringern.“
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