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Ausgabe Nr. 35/2017 vom 29.08.2017, Foto: pertramer.at
Thomas Stipsits: "Ich war beim Drehen nervös und bin jetzt gespannt, wie der Film ankommen wird. Die erste Hauptrolle wird immer etwas Besonderes bleiben."
„Für mich erfüllt sich ein Traum“
Mit dem Programm „Griechenland“ ging im Jahr 2006 sein Stern am Kabaretthimmel auf. Mittlerweile ist Thomas Stipsits nicht nur Kabarettbesuchern ein Begriff, sondern auch in Film und Fernsehen präsent. Mit seinem neuen Film „Baumschlager“ hat sich der 34jährige nun seinen Traum von der ersten Hauptrolle erfüllt.
Herr Stipsits, wir erreichen Sie im Urlaub. Wie verbringen Sie die Ferien?
Ich bin mit der Familie auf Karpathos in Griechenland. Ich komme seit 15 Jahren auf diese Insel. Sie ist mein Fluchtpunkt und Ruhepol. Wir haben uns einen Freundeskreis aufgebaut und dadurch fühlt sich die Reise hierher mittlerweile wie Heimkommen an. Meist verbringen wir fünf bis sechs Wochen im Jahr hier.

Warum gerade Karpathos?
Als ich mit 18 Jahren bei der Matura in Religion durchgefallen bin, ging ich kurzerhand ins Reisebüro, wo mir zwei griechische Inseln angeboten wurden und ich habe mich damals spontan für Karpathos entschieden. Wie sich gezeigt hat, war es die richtige Entscheidung, denn es war Liebe auf den ersten Blick.

Sprechen Sie Griechisch?
Ich nehme mir jedes Jahr vor, es zu lernen, aber es scheitert dann leider meist an der Motivation. Auch unsere griechischen Freunde versuchen mich immer wieder dazu zu bewegen, Griechisch zu lernen, aber dazu kommt, dass Griechisch keine leicht erlernbare Sprache ist. Ich habe alle Buchstaben gelernt, um lesen und schreiben zu können, aber wie bei jeder Fremdsprache ist es wichtig, sie regelmäßig zu sprechen.

Wie heiß ist es derzeit auf der Insel?
Das Klima ist angenehm. Karpathos hat den Vorteil, dass immer ein leichter Wind weht, was die Hitze erträglich macht. Die Landschaft bietet auch hervorragende Bedingungen fürs Wandern. Meine Frau und ich sind begeisterte Wanderer und so lernen wir mit unserem Sohn im Rucksack immer wieder neue Ecken der Insel kennen.

Bemerken Sie etwas von der Flüchtlingskrise auf Karpathos?
Davon ist hier nichts zu merken, es wird aber auch nicht darüber gesprochen. Es wurde vor etwa einem halben Jahr ein Leichnam aus dem Meer geborgen, aber das war der einzige Vorfall dieser Art. Die Menschen hier fühlen sich auf der Insel sicherer als in einem Ballungszentrum, da hier die Wahrscheinlichkeit eines terroristischen Anschlages doch um einiges geringer ist als am Festland.

In Ihrem neuen Kinofilm „Baumschlager“ (ab Freitag, 22. September im Kino) spielen Sie einen Offizier der Friedenstruppe der Vereinten Nationen (UNO). Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ein Bekannter von mir war auf den Golanhöhen stationiert und hat mir in vielen Gesprächen berichtet, wie das Leben als Blauhelm aussieht. Oft ist es so, dass der Alltag als Soldat dort recht eintönig verläuft. Aber um die Konzentration zu schulen, wird auch Schach gespielt. Denn die Gefahr besteht in der Unaufmerksamkeit, da jeden Moment ein Anschlag passieren könnte. Er hat mich auch in punkto militärischem Auftreten geschult. Die Soldaten dort sind zudem körperlich in guter Verfassung.

Haben Sie sich für die Rolle einem Fitnesstraining unterzogen?
Nein, ich habe keine Gewichte gestemmt oder ähnliches. Für die Figur des Baumschlagers haben wir uns an realen höheren Militärs orientiert. Und so hat auch unser Protagonist keinen gestählten Körper, was gut zu ihm passt.

In „Baumschlager“ sind Sie zum ersten Mal in einer Hauptrolle zu sehen. Wie groß ist der Druck, der auf Ihnen lastet?
Ich war beim Drehen nervös und bin jetzt gespannt, wie der Film ankommen wird. Die erste Hauptrolle wird immer etwas Besonderes bleiben. Mich freut es, dass ich mit Harald Sicheritz zusammenarbeiten konnte, weil er meine Jugend filmtechnisch geprägt hat. Und da ich mit dem Kabarett-Filmemacher unseres Landes schlechthin arbeiten darf, erfüllt sich ein großer Traum.

Haben Sie beim Dreh in Israel etwas von der dortigen politischen Situation bemerkt?
Ich war im Zuge der Dreharbeiten zum ersten Mal in Israel und natürlich ist es dort anders als zu Hause. Es besteht eine höhere Sicherheitsstufe, was häufige Kontrollen mit sich bringt. Allerdings habe ich mich nie unsicher gefühlt. Jaffa ist eine junge Stadt und Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen. Die Menschen dort sind entspannt und friedlich. Von Fundamentalismus war nichts zu bemerken. Vor allem die jungen Menschen, egal welcher Kultur, wünschen sich ein friedliches Miteinander.

Kann die UNO ihren Friedensauftrag erfüllen?
Ich bin kein Militärstratege und daher ist diese Frage schwer zu beantworten. Allerdings habe ich vor Ort bemerkt, dass die UNO von der israelischen Armee eher belächelt wird. Warum das so ist, konnte ich leider nicht herausfinden. Ich unterstelle der UNO aber keinesfalls, versagt zu haben.

Der ORF zeigt am 1. September Ihr Kabarettprogramm „Gott und Söhne“, das Sie gemeinsam mit Ihrem Kollegen Manuel Rubey spielen. Schauen Sie sich selbst im Fernsehen zu?
Nicht so gerne und wenn, dann Kabarettaufzeichnungen noch eher. Bei Film und Fernsehen fällt mir im Nachhinein meist auf, wie ich es anders hätte spielen können. Das ist ein Los, das ich mit vielen Kolleginnen und Kollegen teile.

Sie verkörpern oft Soldaten und Polizisten. Zum Beispiel im „Tatort“ den Polizisten Schimpf. Hat Ihnen das schon einmal geholfen?
Ich kam einmal in die Situation, in der es mir geholfen hat. Als ich nach einer Vorstellung zu schnell mit dem Auto
unterwegs war, wurde ich von der Polizei angehalten. Aber weil mich der Polizist erkannte, bekam ich netterweise kein Strafmandat, sondern durfte weiterfahren.


ZUR PERSON
Thomas Stipsits wurde am 2. August 1983 in Leoben (Stmk.) geboren. Erste Gehversuche im Kabarett machte er bereits während der Schulzeit. 1999 kam sein erstes Kabarett „nachgedacht“ heraus. Der Schauspieler wirkte regelmäßig in heimischen Filmen („Wie man leben soll“, „Zweisitzrakete“, „Gruber geht“) und Serien („Braunschlag“, „Tatort“, „Altes Geld“) mit. Seit dem Jahr 2011 steht er gemeinsam mit dem Kollegen und Freund Manuel Rubey auf der Kabarettbühne. Ihr aktuelles Kabarettprogramm „Gott und Söhne“ zeigt der ORF am Freitag, 1. September, im „Sommerkabarett“. Sein neuer Film „Baumschlager“ hat am 22. September Kinopremiere. Seit dem Jahr 2014 ist Stipsits mit der Schauspielerin Katharina Straßer verheiratet. Die beiden sind Eltern eines Sohnes.
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