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Ausgabe Nr. 34/2017 vom 22.08.2017, Fotos: picturedesk.com
Kira Grünberg tritt für Sebastian Kurz an.
Peter Pilz holte die Biochemikerin Renée Schroeder ins Team.
Ex-Richterin Irmgard Griss mit NEOS-Chef Matthias Strolz.
Das neue Gesicht der Politik
Bis September setzt der ÖVP-Chef auf prominente Quereinsteiger. Damit ist er nicht allein. Die bekannten Köpfe sollen vor allem Aufmerksamkeit erzeugen. Und wenn ein wenig von ihrem Glanz auch auf die Partei und deren Chef abfärbt, ist das kein Fehler.
Als Armin Wolf vor mehr als zehn Jahren seine Doktorarbeit über prominente Quereinsteiger in der Politik vorstellte, war das Urteil des ZIB2-Moderators eindeutig: „Die meisten überleben nicht sehr lange in der Politik.“
Das scheint ÖVP-Chef Sebastian Kurz wenig zu kümmern. Im Wochentakt präsentierte er zuletzt Quereinsteiger für seine Liste. Neben der Opernball-Organisatorin Maria Großbauer stehen darauf etwa der Mathematiker Rudolf Taschner sowie die ehemalige Stabhochspringerin Kira Grünberg, die nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt.
Sie alle eint eines: Sie sind bekannt und keine Politiker. In Zeiten der Politikverdrossenheit und der Abkehr von den alteingesessenen Parteien ist das ein Vorteil.

Neu ist die geballte Ansammlung von prominenten Politik-Debütanten, auf die Sebastian Kurz jetzt setzt. Gegeben hat es die Seiteneinsteiger freilich schon immer. Der ehemalige Journalist und spätere Wiener SPÖ-Bürgermeister Helmut Zilk war einer der erfolgreichsten, ebenso wie der frühere Wirtschaftsprofessor und jetzige Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Doch es gibt auch solche, die wenig Spuren hinterlassen haben. Der Abfahrts-Olympiasieger Patrick Ortlieb saß drei Jahre lang für die FPÖ im Nationalrat. Die Bawag-Richterin Claudia Bandion-Ortner war zwei eher glücklose Jahre Justizministerin. Und der frühere ORF-Moderator Eugen Freund kam 2014 bei seiner SPÖ-Kandidatur für das EU-Parlament schnell ins Kreuzfeuer der Kritik.

Auch Theresia Zierler war ein bekanntes ORF-Gesicht, als sie 1999 für die FPÖ in die Politik ging. Mit Konsequenzen. „Als Fernsehmoderatorin haben mich die Menschen gemocht“, erzählt sie.„Als Politikerin ist das ganz anders, weil sich dann die Parteipolitik bemerkbar macht. Das war für mich schon ungewohnt, dass mich nicht mehr alle Menschen lächelnd begrüßen, sondern dass manche nicht mehr mit mir reden.“

Trotzdem bereut sie die Zeit als Politikerin nicht, auch wenn es lange gedauert hat, „bis ich die FPÖ-Punzierung überwunden habe. Mir wurde nach dem Ausstieg der existenzielle Boden unter den Füßen weggezogen.“
Den Wahlkampf jetzt beobachtet sie, mitmischen würde sie aber nicht mehr wollen. „Quereinsteiger müssen realistisch sein. Sie müssen wissen, und das habe ich auch immer gewusst, warum sie genommen werden. Weil sie einen Namen haben, weil sie Stimmen bringen. Dann ist es in der Verantwortung jedes Einzelnen, etwas daraus zu machen oder aber auch zu erkennen, es war nicht das Richtige.“
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