Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 32/2017 vom 08.08.2017, Fotos: Astrid Knie, NEOS
Gabriele Heinisch-Hosek, Claudia Gamon
Brauchen wir die Frauen-Quote?
In Deutschland gibt es die Frauenquote seit dem Vorjahr, bei uns ist es ab dem kommenden Jahr so weit. 30 Prozent der Aufsichtsräte von börsennotierten Firmen und Unternehmen mit mehr als tausend Beschäftigten müssen künftig Frauen sein. Rund 200 Firmen sind von der „Zwangsquote“ betroffen. Im Parlament wird die Frauenquote knapp erfüllt. 57 von 183 Abgeordneten sind weiblich. Den höchsten Frauen-Anteil gibt es bei den Grünen, den niedrigsten bei der FPÖ.
JA: Gabriele Heinisch-Hosek,
Frauenvorsitzende der SPÖ

„Ja, wir brauchen Quoten. Vor Kurzem habe ich mit einer Gruppe junger Frauen gesprochen, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Die Erwartungen und Hoffnungen sind groß. Auch der Fleiß und die Ausdauer. Wer sich dahinterklemmt, wird irgendwann Erfolg haben. Ist das so? Nach ein paar Jahren im Berufsleben beginnen sich viele Frauen zu wundern. Warum sind es die Männer im Unternehmen, die Karriere machen? Frauen müssen oft viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen: im Beruf und in der
Familie. Oft glauben sie, in der Arbeit die doppelte Leistung
erbringen zu müssen, damit niemand fragt, warum sie nach Dienstschluss schon wieder loshetzen müssen, Kinder abholen, den Alltag organisieren. In der Zwischenzeit pflegen Männer ihre Netzwerke und nutzen sie für die Karriere. Das ist ungerecht. Endlich ist uns ein Durchbruch
gelungen. Ab Jänner 2018 wird es in den Aufsichtsräten großer Unternehmen eine 30-Prozent-Quote geben. In anderen Ländern gibt es äußerst gute Erfahrungen damit. Es hat sich gezeigt, dass mehr Gleichberechtigung für alle gut ist. Wir freuen uns über diesen Erfolg. Es geht voran.“


NEIN: Claudia Gamon,
NEOS-Frauensprecherin

„Wir halten die Quote für reine Symptombekämpfung. Zwangsmaßnahmen durch den Staat können nicht der richtige Weg sein, um Chancengerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu schaffen. Um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt zu erreichen, muss bedeutend früher angesetzt werden. Dazu müssen strukturelle und steuerliche Ungerechtigkeiten gesetzlich beseitigt werden. NEOS tritt für Frau­en­för­de­rung auf allen Ebe­nen ein. Der Staat muss endlich den qualitativen und quantitativen Aus­bau von Kin­der­be­treu­ungs­plät­zen vorantreiben, um Frauen echte Wahlfreiheit zu ermöglichen. Rollenbilder in unserer Gesellschaft müssen sich tiefgreifend verändern, indem es beispielsweise Männern und Frauen ermöglicht wird, sich familiäre Betreuungspflichten individuell aufzuteilen. Die Abschaffung von negativen Erwerbsanreizen, die Teilzeit begünstigen, und die Flexibilisierung von Arbeitszeiten sind wichtige Schritte hin zu echter Chancengerechtigkeit. Nur durch Schaffung solcher umfassenden Bedingungen gelingt es uns, den Frauen­an­teil in Füh­rungs­eta­gen zu er­hö­hen. All das gilt natürlich auch für die Politik.“ ​
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung