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Ausgabe Nr. 19/2017 vom 09.05.2017, Fotos: Judith Maria Trölß
Ein Unterricht, der Freude macht.
Jedes Kind wird nach dem Unterricht verabschiedet.
Julia und Lara pflanzen Himmelschlüsserl ins Hochbeet.
Glückliche Schüler am Barfußweg.
Volksschule Untertal - In dieser Schule wird Glück unterrichtet.
Diese Schüler haben Glück
In der Volksschule Untertal bei Schladming in der Obersteiermark wird seit vier Jahren „Glück“ unterrichtet – ein fächerübergreifendes Bildungsprojekt. Es stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder und fördert das Verhältnis von Lehrer zu Schüler. Das macht Groß und Klein glücklich.
Die Schule soll keine Belastung sein. Glücklich jene Kinder, die gerne zum Hort des Wissens eilen, um gemeinsam mit Freunden zu lernen und jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Wie die 64 Kinder der Volksschule Untertal, ein zu Schladming gehörender Ortsteil in der Obersteiermark. Hier herrscht Fröhlichkeit statt Strenge, Gemeinsamkeit statt Ausgrenzung. Und über allem hängt das Glück.

Der neunjährige Simon Stocker schwärmt davon. „Mich macht glücklich, dass wir einen guten Unterricht haben. Wir turnen und singen und dürfen draußen spielen. Wir dürfen uns sogar eine gesunde Jause selber machen. Vor unserer Schule fließen zwei Bäche zusammen. Das gibt ein Plätschern und ein Gefühl der Idylle. Die Schule ist umgeben von Bergen, Wäldern und Wiesen, auf denen viele Blumen und Kräuter wachsen. Es duftet gut, wenn ich in der Früh hierher komme, vor allem jetzt im Frühling und im Sommer. Das alles macht mich glücklich. Glücklich bin ich auch über die Fröhlichkeit in unserer Klasse und dass ich mit so netten Schulkollegen beisammen bin. Ich habe viele Freunde in meiner Klasse, daher gehe ich jeden Tag mit großer Freude und mit großem Glück in die Schule.“

Verantwortlich für das Hochgefühl des Buben ist die Entscheidung der Direktorin Christine Skopek, 61, gewesen, die vor vier Jahren das Bildungsprojekt „Glück macht Schule“ eingeführt hat. Eine Initiative des Steirischen Landesschulrates. Mit dem Ziel, zu mehr Selbstsicherheit, zu Selbstverantwortung und zu sozialer Verantwortung zu gelangen. „Dies sind jene Fähigkeiten, die Kinder zu verantwortungsbewussten, kritischen, teamfähigen und flexiblen Menschen machen. Sie lernen, mit Konflikten umzugehen und in vielen Lebensbereichen selbstständig zu handeln“, heißt es aus dem Landesschulrat. Genaue Zahlen liegen nicht vor, da es für den „Glücks-Unterricht“ keine Meldepflicht gibt, doch wird davon ausgegangen, dass an etwa 100 Schulen im grünen Herzen unseres Landes das Glück auf dem Stundenplan steht.

Wobei es sich hier um eine fächerübergreifende „Lehre“ handelt, die den Kopf und die Hände beansprucht. „Wir setzen jetzt im Frühling in unsere Hochbeete Kresse, Schnittlauch, Petersilie, dazu Kürbis, Zucchini und Karotten“, erklärt die „Glücks-Lehrerin“ Sandra Quitt, 34. „Ein Mal in der Woche machen wir uns aus den geernteten Kräutern und dem Gemüse eine gesunde Jause und im Herbst verwenden wir sie für unser Erntedankfest. Selbst das Grün der Karotten wird bei uns verwertet. Da viele Kinder Haustiere daheim haben, nehmen sie den Abfall für ihre Tiere zum Füttern mit.“

Auch das macht Kinder glücklich. Damit lasse sich am besten das Glück beschreiben, findet die Direktorin Skopek. „Denn es kommt aus dem Gefühl heraus, aus dem Inneren von uns Menschen. Wir wollen ja glückliche Kinder haben, glückliche Schülerinnen und glückliche Schüler, da bieten wir eben eine ganze Fülle an zusätzlichen Möglichkeiten an, eben mit Kräutern, mit Sport, dem Unterricht und mit Pausen, in denen die Kinder in unserem Klettergarten herumtollen können.“

Zum Glück der Kinder gehört für die 61jährige, die neben der Schulleitung noch Sachunterricht, Mathematik und Deutsch unterrichtet, die gute Kameradschaft. An Mobbing wird nicht ein Gedanke in der Schule in Untertal verschwendet, denn die Kinder werden regelmäßig umgesetzt. Jeder muss neben jedem sitzen. Selbst neugeborene Geschwister werden in die Klassengemeinschaft aufgenommen, erklärt die Direktorin. „Wenn es daheim Nachwuchs gibt, besucht uns die Mama mit dem Baby. Die Kinder dürfen dann zuschauen, wie das Kleine gewickelt wird.“

Wichtig sei ihr, so die 61jährige, der respektvolle Umgang. Der beginnt bereits beim Betreten der Klasse. „Wir begrüßen uns mit einem freundlichen ,Guten Morgen‘ und die Kinder strahlen mich an. Da macht das Unterrichten Freude.“

Entscheidend sei für den Glücks-Unterricht auch, zu loben und die Stärken des Kindes hervorzuheben, um das Selbstwertgefühl zu steigern. „Wenn ich ein Heft korrigiere, verwende ich keinen roten Stift mehr, weil Rot eine extrem schlechte Signalfarbe für Schüler ist. Und es gibt eben Schüler, die können etwas gut und die anderen halt etwas weniger, deswegen sind sie aber genauso glücklich und vom Menschsein her genauso zu schätzen und wertvoll.“

Der Schüler soll sich wohl fühlen, nur dann ist er glücklich. Deshalb werden im Unterricht auch Zeichnungen und Basteleien gefertigt, die dann die Klassenzimmer zieren. Der Jahreszeit oder den großen Festen wie Ostern und Weihnachten entsprechend.

Und Glück bedeutet ebenso, „Grusel“-Gegenstände wie Mathematik derart zu gestalten, dass die Kinder das Jonglieren mit den Zahlen nicht als Belastung empfinden. „Dies gelingt, wenn die Schüler die Möglichkeit haben, zu erklären, wie sie sich den Lösungsweg vorstellen“, sagt die Direktorin. „Die aktive Teilnahme wird gefördert und ist wichtig. Auf diese Weise sind die vier Stunden Mathematik pro Woche die reinste Freude.“ Und so gibt es Schülerinnen wie Larah Gerhardter, 8, die sagen: „Mich macht glücklich, dass wir viele Rechenaufgaben machen. Das Lernen ist lustig.“
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