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Ausgabe Nr. 18/2017 vom 02.05.2017, Fotos: epa, Cynthia Vice Acosta, picturedesk.com
Ivanka Trump, 35, ist nicht nur die beste Beraterin ihres Vaters, des US-Präsidenten.
Ivanka Trump mit ihrem Mann, den Kindern und Papa Donald.
Mit der Mutter Ivana.
Mit Merkel, Lagarde und Máxima.
Hochzeit im Jahr 2009.
Zeit mit den Kindern.
Amerikas Königin
Vor wenigen Tagen sorgte die älteste Tochter des amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Deutschland für Aufsehen. Bei einem Treffen weiblicher Führungskräfte aus der ganzen Welt überzeugte sie mit Charme und Redegewandtheit. Kein Wunder, dass der Papa auf sie hört. Dank ihrer Eleganz und geschickten politischen Vorgehensweise wird sie sogar als Königin von Amerika verehrt.
Seit Donald Trump seiner Lieblingstochter Ivanka ein Büro im Weißen Haus in Washington (USA)eingeräumt und sie zu seiner unbezahlten Sonderberaterin ernannt hat, steht sie im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die 35jährige ist stets schick gekleidet und selbstbewusst. Ihr Einfluss auf den Präsidenten ist beträchtlich. Ivanka Trump ist die „First Daughter“ (Deutsch: erste Tochter im Staat), doch sie hat das Zeug, um Amerikas „First Lady“ (Erste Frau im Staat) zu werden. Donald Trumps Frau Melania lebt vorerst weiter in New York und tritt in Washington nur bei wichtigen Ereignissen auf.

Dass die Trump-Tochter diplomatisches Geschick hat, bewies sie dieser Tage beim Berliner (D) Treffen wichtiger weiblicher Führungskräfte aus der ganzen Welt. Als inoffizielle Botschafterin Washingtons bemühte sie sich, zerbrochenes Porzellan zu kitten. Fotos zeigen Ivanka Trump herzlich lachend mit Kanzlerin Angela Merkel, der ihr Vater beim Besuch in Washington den Händedruck versagt hatte, und mit Christine Lagarde, der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Auf die Frage der Konferenz-Moderatorin Miriam Meckel, ob Donald Trump angesichts seiner schlüpfrigen Äußerungen als Unterstützer von Frauen gelten darf, tat die Tochter das, was sie für ihre Hauptaufgabe als Mitglied des Trump-Teams hält: Sie verteidigte den Präsidenten, der bei jüngsten Meinungsumfragen als schlechtester Amtsinhaber seit Dwight D. Eisenhower abschnitt, der von 1953 bis 1961 Präsident war.

„Ich bin stolz auf meinen Vater“, sagte sie. Dass Tausende Frauen für ihn arbeiten, sei Beweis für seine Überzeugung, dass Frauen die Fähigkeit hätten, eine Arbeit genauso gut zu machen wie Männer. „Auch ich konnte alles erreichen, was ich erreichen wollte.“

Buhrufe aus dem Publikum ignorierte „Papas Liebling“, der am 30. Oktober 1981 im New Yorker Stadtteil Manhattan als mittleres Kind von Donald Trump und dessen tschechischer Frau Ivana geboren wurde. Ihr älterer Bruder ist Donald jr., 39, ihr jüngerer heißt Eric und ist 33 Jahre alt. Ihre Mutter ließ sich 1992 scheiden, weil Trump sie mit dem Modell Marla Maples betrogen hatte. Schon als Zehnjährige wurde Ivanka Zeugin peinlicher Auseinandersetzungen ihrer Eltern, die einander in der Öffentlichkeit beschimpften.

Nach der Scheidung teilten sich die Eltern die Verantwortung für Ivankas Erziehung. Allerdings fehlte dem Mädchen die Wärme einer Familie. Zunächst besuchte sie das teure Internat „Choate Rosemary Hall“ im Staat Connecticut, das einst auch John F. Kennedy, er war von 1961 bis 1963 Präsident der USA, besuchte. In den kalten Hallen lernte sie Disziplin und Selbstbeherrschung. „Weil sie es gewohnt war, immer beobachtet zu werden, sagte sie nie etwas Falsches“, erinnert sich eine Mitschülerin.

Selbst Freundinnen gegenüber verhielt sie sich zugeknöpft. „Wir wollten herausfinden, ob sie schon einmal geküsst hat“, erzählt eine von ihnen. Ivanka, damals 14 Jahre alt, antwortete: „Ich rede über solche Dinge nicht in der Öffentlichkeit.“

Nahezu 1,80 Meter groß, versuchte sie sich später auf den Spuren ihrer Mutter als Fotomodell. Schließlich entschied sie sich für ein Wirtschaftsstudium, das sie mit Summa cum laude, also mit Auszeichnung, abschloss.

Schon während ihrer Studienjahre wurde Ivankas Beziehung zum Vater enger. Er förderte ihr Interesse an seinen Geschäften und übertrug ihr ab dem Jahr 2005 allmählich Verantwortung in seinem großen Immobilien-Reich. „Papa lehrte mich, zu verhandeln“, sagt sie heute. „Er nahm sich immer Zeit für mich.“ Als Vize-Präsidentin half sie in den vergangenen Jahren, gemeinsam mit ihren beiden Brüdern, das Trump-Imperium auszubauen.

Zwei Jahre nach ihrem Einstieg in Papas Imperium, gründete sie 2007 ihr eigenes Unternehmen „The Ivanka Trump Collection“. Dabei macht sie geschickt Geld aus der Marke „Trump“, erlaubt es Firmen, Juwelen, Kleidung, Modezubehör und Schuhe unter diesem Namen zu verkaufen. Der gemeinsame Reichtum von Ivanka und ihrem Mann Jared Kushner, 36, wird auf 740 Millionen Dollar geschätzt.

Kushner hat sie im Jahr 2005 durch Freunde in New York kennengelernt. Er war ein reicher, etwas schüchterner Immobilien-Mogul, dem mehr als 15.000 Wohnungen und viel Büroraum in Amerika gehören. Im Oktober 2009 heirateten sie. Ivanka Trump konvertierte zu seinem orthodoxen jüdischen Glauben. Die Eltern und deren Kinder Arabella Rose, 6, Joseph Frederick, 4, sowie Theodore James, 1, essen koscher, dem jüdischen Glauben entsprechende Lebensmittel, und respektieren den Sabbat.
Die Familie hat sich in der Hauptstadt Washington um 5,5 Millionen Dollar ein Haus im noblen Kalorama-Viertel gekauft. Dort ist Ivanka Trump manchmal frühmorgens, von einem Leibwächter beschützt, zu sehen, wenn sie durch die Alleen joggt.

Offen verriet sie in einem Interview, ihr Leben zwischen Kinderzimmer, Küche, Weißem Haus und Geschäft sei manchmal chaotisch. Mit ihrem Mann stehe sie um 5 Uhr auf, meinte sie. Um 6.30 Uhr werden die Kinder geweckt. „Wir frühstücken zusammen, dann geht es zu Kindergarten und Schule.“ Gegen 9 Uhr trifft die 35jährige im Weißen Haus ein, wo sie in ihrem Büro wichtige Besucher empfängt. Wie selbstverständlich sitzt Ivanka Trump mit am Runden Tisch, wenn der Präsident mit anderen Staatsmännern Weltprobleme diskutiert. Anders als ihr impulsiver Vater, wägt sie jedes Wort ab. „Immer wirkt sie unangreifbar nett“, berichtete ein ausländischer Besucher. „Ihr Trick ist bewaffnete Freundlichkeit“, beschrieb sie ein Besucher. „Sie scheint zum Ausgleichen geboren worden zu sein.“

Problemlos balanciert sie zwischen ihren Rollen als Beraterin und „Papas Mädchen“. Schweigend schluckte sie die bittere Pille, als das Verhalten des Vaters gegenüber Frauen ihrer eigenen Firma finanzielle Verluste einbrachte. Mehrere große amerikanische Kaufhausketten nahmen Ivankas Produkte aus ihrem Angebot.

Zur Überraschung vieler Amerikaner hat Ivanka Trump in den vergangenen Wochen ein paar Mal sogar eine ihrem Vater widersprechende Meinung geäußert. Beispielsweise sagte sie, die USA sollten mehr syrische Flüchtlinge aufnehmen, als der Präsident erlaube.

Und dann war da ihre beschwichtigende Rolle beim Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping und dessen Frau im „Winter White House“ in Florida.

Kurz zuvor hatte Donald Trump China als „Währungs-Manipulator“ beschimpft. Nun erfreute seine Tochter das ausländische Präsidentenpaar, indem sie ihre Kinder Arabella und Joseph ein chinesisches Gedicht vortragen und ein chinesisches Volkslied singen ließ. Die Gäste dankten mit höflichem Klatschen.

Im chinesischen Internet wurde Ivanka Trump daraufhin als „Amerikas Goddess“ (Göttin) gefeiert. Teenager sagten, sie hielten die 35jährige für die Königin Amerikas. Zufall oder nicht: An dem Tag, als Ivanka Trump mit Xi Jinping in Florida zusammensaß, bekam ihre Firma in China Markenrechte für den Verkauf von Schmuck, Taschen und Wellness-Produkten. Anwesend beim Besuch der Chinesen in „Mar-a-Lago“ war auch Ivankas Mann, den sein Schwiegervater zum Top-Berater erkoren hat, obgleich er keinerlei politische Erfahrung mitbrachte. Eine chinesische Firma hatte dem Trump-Schwiegersohn angeboten, mehrere hundert Millionen Dollar in seinen Wolkenkratzer an der „Fifth Avenue Nr. 666“ in Manhattan zu stecken. Der Handel fiel allerdings ins Wasser.

Nachdem in den USA scharfe Kritik an Ivankas und Jareds Verquickung von Politik und Geschäft laut geworden war, haben sie die Leitung ihrer Unternehmen offiziell abgegeben. Tatsächlich kassieren sie weiterhin die von ihren Firmen erwirtschafteten Millionen.

Oppositionspolitiker finden, dass das Ehepaar damit gegen das Strafgesetz verstoße und fordern eine Untersuchung.
Trotz allem hoffen die Amerikaner, dass Ivanka, „die gute Trump“, in ihr verantwortungsvolles Amt hineinwächst und besänftigend auf den Präsidenten einwirkt. Sie hat sein Ohr und sein Vertrauen und könnte mit ihrer sanften Macht die von ihrem Vater aufgepeitschten Wogen glätten. Millionen US-Bürger möchten glauben, dass Ivanka Trump ihr vor ein paar Monaten gegebenes Versprechen hält: „Ich will eine Kraft für das Gute sein und einen positiven Einfluss ausüben.“
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