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Ausgabe Nr. 16/2017 vom 18.04.2017, Fotos: psdesign1/Fotolia
Neue kleine Tabletten zum Schlucken machen die Rheuma-Behandlung einfacher.
So wirken die neuen „kleinen Moleküle“
Das Medikament (= kleine Moleküle, gelb) wird geschluckt. Der Wirkstoff dringt in die Entzündungszelle (rosa) ein und blockiert Enzyme, die Gelenksentzündungen fördern (lila). Das Weiterleiten von Entzündungssignalen (rot) wird in Folge gestoppt.
Rheuma wird jetzt „im Keim erstickt“
Für Menschen, die an der entzündlichen und schmerzhaften Gelenkskrankheit „rheumatoide Arthritis“ leiden, gibt es neue Medikamente, welche die Krankheit zum Stillstand bringen. Die sogenannten „kleinen Moleküle“ können als erstes Medikament die bösen Entzündungsprozesse bereits in den Zellen blockieren. Die Umsetzung ist einfach, eine Tablette am Tag genügt.
Mit Rheuma ist nicht zu spaßen. Ohne rasche Diagnose und richtige Therapie, die schmerzhafte Entzündungen in den Gelenken bremst oder, noch besser, zum Stillstand bringt, kann die rheumatoide Arthritis dramatische Spätfolgen haben – anhaltend starke Schmerzen, zerstörte Gelenke, deformierte Finger, künstliche Kniegelenke.

Meist durchlaufen Patienten mit rheumatoider Arthritis noch immer einen mehrmonatigen Ärzte-Marathon, bevor sie bei einem Rheumatologen landen, weiß Dr. Thomas Schwingenschlögl aus Wiener Neudorf (NÖ), der sich auf die Behandlung dieser Autoimmunkrankheit spezialisiert hat. „Leider denken noch immer viele Menschen, dass die rheumatoide Arthritis eine Krankheit ‚der Alten‘ ist. Jüngere Menschen, meist Frauen Mitte vierzig oder Anfang fünfzig, mit den typischen Symptomen wie schmerzhaft geschwollene Finger- und/oder Kniegelenke, bekommen selten auf Anhieb die richtige Diagnose. Sie werden mit Schmerzmitteln wieder nach Hause geschickt. Dabei gilt, je früher Rheuma behandelt wird, desto besser sind die Aussichten, die Krankheit zum Stillstand zu bringen.“

Die Entzündung wird in der Zelle gestoppt
Tatsächlich stehen Ärzten heute einige äußerst gut wirksame Medikamente zur Verfügung, um das bei Rheumatikern aus den Fugen geratene Immunsystem zu beruhigen und ruhig zu halten. Und die Forschung steht nicht still. „Die neueste Medikamentengeneration für Menschen mit rheumatoider Arthritis heißt ‚small molecules‘, das bedeutet ‚kleine Moleküle‘. Es handelt sich um Tabletten, die von den Patienten geschluckt werden. Das Besondere an dieser neuen Medikamentenform ist, dass ihre Wirkstoffe erstmals in die Entzündungszellen eindringen und Enzyme blockieren, die bei der Entstehung von Entzündungen eine große Rolle spielen. Dieser Wirkmechanismus ist neu. Er stoppt die entzündliche Kettenreaktion bereits in ihren Anfängen, lässt sie erst gar nicht aufkommen. Die ersten Einsätze zeigen, die neuen Medikamente wirken schnell“, klärt Dr. Schwingenschlögl auf.

Vor allem für jene Patienten mit rheumatoider Arthritis, die mit den bisherigen Rheuma-Medikamenten keinen ausreichenden Therapieerfolg haben, sind die „kleinen Moleküle“ eine neue, äußerst vielversprechende Option. „Mit ausreichendem Therapieerfolg meinen wir immer, dass die Erkrankung stillgelegt wird, dass keine Entzündungsprozesse mehr im Körper stattfinden und Patienten ein normales Leben führen können“, erklärt der Rheumatologe.

Im Gegensatz zur Medikamentengruppe der „Biologika“, die es ebenfalls erst seit wenigen Jahren gibt, werden die „kleinen Moleküle“ nicht als Spritze verabreicht, sondern einfach geschluckt. Einmal am Tag. „Die Auswahl wirksamer Rheuma-Medikamente hat sich durch diese neuen kleinen Tabletten ein großes Stück erweitert. Das gibt Ärzten und Patienten Hoffnung, bei Rheuma nun endgültig für jeden Fall die richtige therapeutische ‚Antwort‘ zu finden.“

Haben Sie diese Symptome, suchen Sie einen Rheumatologen auf

• Die Fingergelenke sind angeschwollen, druckschmerzhaft, hitzen, sind gerötet. In einigen Fällen ist die ganze Hand geschwollen.

• In der Früh sind die Gelenke steif und schmerzen.

• Kraftlosigkeit der Hände: Verschlüsse können nicht geöffnet werden, Gegenstände fallen aus der Hand.

• Ein Händedruck verursacht starke Schmerzen.

• Eine Faust machen, Finger strecken ist unmöglich.

• Krankheitsgefühl, Fieber, Schwitzen, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme sowie Muskel- und Sehnenschmerzen.

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