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Ausgabe Nr. 16/2017 vom 18.04.2017, Foto: Schneider-Press/Frank Rollitz
Barbara Wussow: Es passiert einem Schauspieler nicht oft, mit einem Partner zu harmonieren.
„Als Widder handle ich oft, bevor ich denke“
Barbara Wussow, 56, geht als Nachfolgerin von Heide Keller an Bord des „Traumschiffes“. Es ist nach längerer Zeit wieder eine Serien-Rolle für die Wienerin, die im Gespräch von ihrem derzeitigen Theater-Engagement berichtet und warum sie es bereut, ihren Vater nicht schon früher sterben lassen zu haben.
Frau Wussow, Gratulation zu Ihrem neuen Engagement als Hoteldirektorin auf dem ZDF-„Traumschiff“. Was können Sie uns über die Rolle schon erzählen?
Darüber kann und darf ich noch nichts sagen. Aber es macht mich glücklich, wieder ein so schönes Fernseh-Engagement zu haben. In den vergangenen vier Jahren habe ich fast ausschließlich Theater gespielt. Seit zwei Jahren – in mehr als 300 Vorstellungen – spiele ich mit Peter Bongartz das Stück „Glück – Le Bonheur“.

Es geht darum, dass sich der Mann gern als Don Juan aufplustert und das auch vollkommen in Ordnung
findet. Aber kaum macht die Frau das Gleiche,
wundert er sich …

Ein schönes Spiel mit Klischees. Aber die meisten Frauen finden sich darin wieder und fragen: „Wo ist die Pistole? Der Mann sollte erschossen werden.“ Aber das Leben ist nun einmal so. Es ist an sich das größte Klischee. Eric Assous, der Autor des Stückes, liebt die Frauen und stellt die Männer gern als Trottel hin. Peter Bongartz spielt den vertrottelten Macho grandios. Wir lieben uns, wir zwei. Wir waren mit dem Stück ja auch auf Tournee, und das war eine wunderschöne Lebenszeit. Wir saßen den ganzen Tag im Tourbus, standen abends auf der Bühne und gingen nach der Vorstellung noch miteinander aus.

Das klingt, als müsse sich Ihr Mann Sorgen machen?
Nein, weder Peters Frau noch mein Mann müssen sich Sorgen machen. Beide akzeptieren, dass es ein großes Glück ist, dass Peter und ich uns gefunden haben. Es passiert einem Schauspieler nicht oft, mit einem Partner zu harmonieren. Bei uns stimmt das Gefühl. Da ist nichts Aufgesetztes, wenn wir auf der Bühne ein Paar darstellen.

Haben Sie – wie in dem Stück – Seiten an sich, mit denen Sie Ihren Mann auch nach 34 gemeinsamen Jahren noch überraschen können?
Immer dann, wenn ich meine Temperamentsausbrüche habe. Ich bin dann halt ein Widder, schieße in der Gegend herum und handle, bevor ich denke – was ja nicht immer gut ist. Aber meistens habe ich aus dem Bauch heraus die richtigen Entscheidungen getroffen. Ich habe ein Bild, das passt wunderbar zu mir: Ein Widder, der wie wild gegen die Wand donnert. Obwohl zwei Zentimeter daneben die Tür offen ist.

Stimmt es, dass Sie seit mehr als 40 Jahren Tagebuch schreiben?
Ja, ich habe im Jahr 1972 damit angefangen. Damals war ich noch Schülerin. Das Schreiben ist für mich wie das Abschließen eines Tages. Festhalten von Dingen, die schön waren und für die ich dankbar bin. Manchmal klebe ich Ansichtskarten hinein. Oder die Rechnung eines Restaurants, in dem ich mich wohl gefühlt habe. Oder ich klebe eine Blume hinein. Es ist gar nicht so einfach, für jedes Jahr ein Buch mit schönem Einband zu finden.

Werden Sie Ihre Tagebücher eines Tages veröffentlichen?
Ich bin doch nicht lebensmüde (lacht).

Posthum vielleicht?
Nach meinem Tod werden die Tagebücher verbrannt. Kommt gar nicht in Frage, dass die Öffentlichkeit sie zu lesen bekommt. Vieles würde auch niemand außer mir verstehen. Als ich in meiner Schulzeit damit anfing, habe ich so geschrieben, dass meine Mutter – hätte sie meine Tagebücher gefunden – sie ruhig hätte lesen können; sie hätte sie nicht verstanden.

Ihre Mutter starb an Krebs. Sie sind erblich vorbelastet wie Mary Roos, die in einem Interview sagte, sie würde sich niemals die Brüste amputieren lassen, so wie Angelina Jolie es gemacht hat. Lieber die Krankheit als Schicksal annehmen, statt dagegen ankämpfen …
Das ist Blödsinn. So würde ich nicht reagieren. Ich habe zwei Kinder – da kann ich doch nicht so ein Risiko eingehen. Allein schon aus Rücksicht auf meine Kinder würde ich mir die Brüste amputieren lassen. Sollte ich jemals krank werden, würde ich natürlich dagegen ankämpfen. Aber ich mache auch davor schon alles, was geht und gehe regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung. Aber Krebs kommt von Kränken, sagt der Volksmund. Durch Ängste, Neid, Eifersucht, negatives Denken kann sich die Krankheit entwickeln. Das Immunsystem wird durch Leid, durch Kränkung geschwächt. Daran glaube ich fest, dass es da einen Zusammenhang gibt. Deshalb achte ich auch darauf, mir meine positive Haltung zum Leben zu bewahren.

Ihr Vater wurde quasi in Ihren Armen noch ein Mal wiederbelebt. Das war bestimmt schrecklich für Sie, nicht wahr?
Das stimmt, ja. Er war 80 Tage auf der Intensivstation in einem Spital bei Berlin (D). Mein Bruder und ich sind abwechselnd zu ihm geflogen. Als ich bei ihm war, hatte ich ihn in den Armen und er wurde immer grauer. Und auf einmal war er weg; die Geräte gaben Alarm. Die Ärzte kamen, es dauerte endlose acht Minuten, ehe sie ihn wieder im Diesseits hatten. Heute sage ich: Das war sinnlos. Es wäre gescheiter gewesen, wir hätten ihn gehen lassen. Ich bereue heute, dass ich nicht zu den Ärzten gesagt habe, „Lassen Sie ihn.“ Aber ich war halt doch Kind und hing am Vater und habe alles Mögliche zugelassen.

Ihr Vater war hoch verschuldet. Haben Sie im Elternhaus nicht gelernt, mit Geld umzugehen?
Doch, absolut. Meine Mutter war eine fleißige und äußerst sparsame Frau. Mein Vater achtete früher auch aufs Geld. Erst später, als er mit seiner jüngeren Frau verheiratet war, wurde das ein bisschen anders. Deshalb habe ich ja auch – Gott sei Dank! – das Erbe nicht angenommen. Ich hätte ja nur Schulden geerbt.

ZUR PERSON

Barbara Wussow wurde am 28. März 1961 in München (D) geboren. Ihre Eltern Ida Krottendorf und Klausjürgen Wussow waren Burgschauspieler in Wien. Barbara Wussow kam im Alter von sechs Jahren mit ihren Eltern in unsere Hauptstadt und besuchte eine katholische Schule, in die später auch ihre beiden Kinder Nikolaus, 18, und Johanna, 11, gingen. Wussow studierte nach der Matura an der Akademie der bildenden Künste Wien Bühnenbild sowie Kostümbild und schloss das Studium im Jahr 1983 ab. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits mit dem Schauspieler Albert Fortell, 64, liiert. Das Paar heiratete im Jahr 1990. Mit ihren Kindern leben die Schauspieler in Wien. Wussow ist meist in Liebesgeschichten zu sehen. Ab 2018 regelmäßig in „Das Traumschiff“.
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