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Ausgabe Nr. 17/2016 vom 26.04.2016, Fotos: Ullrich, zVg
Eva Gössl macht die Torten selbst.

SCHOKO-RÜBCHEN Torte:
Zutaten:
20 dag Zucker, 4 Eier, 25 dag Rote Rüben, gekocht & passiert, 20 dag Butter flüssig, 20 dag Mehl, 20 dag Schokolade grob gehackt, 3 EL Kakaopulver ungesüßt, 2 TL Weinsteinbackpulver, 1 Vanilleschote,
1 Prise Salz

Zubereitung: Tortenform mit Butter ausstreichen und mit Mehl stauben. Backofen auf 175 °C vorheizen. Eier mit Kristallzucker, Vanille und Salz mindestens zehn Minuten lang gut schaumig schlagen. Zuerst die Roten Rüben, anschließend die flüssige Butter langsam unter ständigem Rühren einlaufen lassen. Dann Mehl und Weinsteinbackpulver versieben und vorsichtig unterheben, die Schokolade und das Kakaopulver zugeben. Den Teig in die Tortenform füllen und auf mittlerer Schiene dreißig bis vierzig Minuten backen.

Hier gibt‘s gute, alte Kaffeehaus-Kultur
Eva Gössl lässt in ihrem Grazer Lokal die gute, alte österreichische Kaffeehaus-Tradition wieder aufleben. Dazu braucht die ausgebildete Volksschullehrerin weder Internetanschluss noch sonstigen technischen Schnickschnack. Dafür gibt‘s köstliche Torten von eigener Hand.
Ein Besuch im Grazer „Kaffeehäferl“ ist wie eine Reise in die Vergangenheit. In Eva Gössls kleinem Café an der Humboldtstraße vermischen sich die Klänge von Hermann Leopoldis „Schnucki, ach Schnucki, foa ma nach Kentucky“ und anderen Hits aus den 20er, 30er und 40er Jahren mit dem Duft köstlicher Mehlspeisen und frisch gerösteten Kaffeebohnen. Die Torten tragen Märchennamen und werden von der Chefin selbst gebacken. Auch die belegten Brötchen mit Eiaufstrich, Käse oder Salami (1,60 bis 2,60 Euro) bereitet Gössl selbst zu.

„Ich wollte immer ein Kaffeehaus führen, in das ich selbst gern gehen würde“, erzählt die Kaffeehausbesitzerin. Die nötigen Gastgeberqualitäten entwickelte die Grazerin schon als Kind. „Am liebsten habe ich Wirtin gespielt und meinen Freunden Kuchen und Kaffee serviert oder meiner Mutter beim Backen und Kochen geholfen.“ Ihre ersten eigenen Kekserl hat sie im Vorschulalter gebacken. Trotz dieser eindeutigen Talente entschloss sich Eva Gössl aber erst einmal nicht für das Gastgewerbe. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Volksschullehrerin und war danach jahrelang als Werbeberaterin tätig. Aber die Sehnsucht nach einem eigenen Kaffeehaus ließ die junge Frau nie los. Bis sie der Zufall schließlich zu ihrem Lokal in der Humboldtstraße führte. „Meine Eltern haben die Räume während des Umbaus ihrer Spar-Filiale gegenüber als Greißlerei genutzt“, erzählt Gössl. Danach stand das Lokal leer. „Meine Mutter meinte einmal im Scherz zu mir: ,Hier könntest du ja ein Kaffeehaus eröffnen.‘ Und weil das immer schon ein Herzenswunsch von mir war, hab‘ ich‘s dann auch wirklich gemacht.“

In knapp zweieinhalb Monaten wurde das 56 Quadratmeter große Lokal renoviert und mit alten Kaffeehaus-Sesseln und Biedermeier-Tischchen ausgestattet, die Gössl von Flohmärkten selbst zusammengetragen und liebevoll renoviert hat. Tatkräftig unterstützt wurde sie dabei von ihren Eltern. „Mir war es wichtig, das alte Kaffeehausflair wieder aufleben zu lassen und einen Ort zum Verweilen und Genießen zu schaffen“, sagt die Nostalgikerin, die mit dem „Kaffeehäferl“ auch ein deutliches Zeichen gegen die wild um sich greifende Coffee-Shop-Mode aus Amerika setzt. „Ein Kaffeehaus ist für mich ein Ort, an dem ich mich austauschen kann oder gern die Zeitung lese“, meint Gössl. Deshalb verzichtet sie auch bewusst auf Internetanschlüsse. „Meine Gäste wollen ohnedies lieber miteinander plaudern, als allein für sich auf dem Mobiltelefon oder Computer herumzutippseln“, schmunzelt die „Kaffeehäferl“-Chefin. Oder sie spielen Karten, wie die Damen der Tarockrunde, die sich einmal wöchentlich im „Kaffeehäferl“ treffen.

„Das Publikum war von Anfang an gemischt, von jung bis alt“, freut sich die 30jährige. Die Reaktionen auf die Lokaleröffnung vor eineinhalb Jahren waren durchwegs positiv. „Viele Besucher haben gemeint, dass so ein Lokal bei uns schon lange gefehlt habe.“ Inzwischen hat das „Kaffeehäferl“ zahlreiche Stammgäste. „Bei uns ist es wie auf dem Land. Wir kennen und grüßen uns.“ Manche Gäste kommen seit dem Tag der Eröffnung regelmäßig. Darunter Dorothea Liebe, die vor Kurzem ihren 86. Geburtstag im Lokal gefeiert hat. Es gab Brötchen und Torten und dazu natürlich die feinen Kaffeespezialitäten von Gössl. Dabei hat sie sich von den Klassikern inspirieren lassen. Neben Melange (2,70 Euro), Kleinem Braunen (2,20 Euro) oder Verlängertem (2,60 Euro) stehen im „Kaffeehäferl“ auch nostalgische Spezialitäten auf der Karte wie etwa Intermezzo (4,30 Euro), ein kleiner Mokka mit Schokoladelikör und Schlagobershäubchen, Kapuziner (3,70 Euro), ein großer Mokka mit Schlagobershaube und Mexikaner (4,20 Euro), ein Mokka mit Kahlúa, aber auch ein Kaffee nach Art des Hauses, der große Mokka mit Mamas Nussschnaps und Schlagobershäubchen (5,50 Euro). Auch den gefragten Café Latte gibt‘s bei
Gössl. Nur heißt er bei ihr Kaffee verkehrt (3,40 Euro).

Mittlerweile hat Gössl zwei Mitarbeiterinnen, die sie unterstützen. Aber die Kaffeebeigaben, die köstlichen Torten, macht die Chefin selbst. Ein „Goldlöckchen“ (pro Stück 3,90 Euro) zum Beispiel, eine Eierlikörtorte mit Walnussboden, „Schneewittchen“ (pro Stück 4,30 Euro), eine Himbeer-Mohntorte, oder „Schokorübchen“ (pro Stück 3,90 Euro). Die Gäste sind begeistert und Gössl schwärmt, „ich habe den schönsten Arbeitsplatz der Welt.“
Ute Fuith
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