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Ausgabe Nr. 11/2016 vom 15.03.2016, Fotos: Judith Maria Trölß
Das Brezenhakeln ist bei Kindern beliebt.
In der Fastenzeit werden 20.000 Brezen gefertigt.
Im Café kann auch gefrühstückt werden.
Die Fastenbrezen ist ein Symbol des Betens
In der Bäckerei Scheuer in Haibach ob der Donau wird den Kunden mit der Fastenbrezen eine Spezialität geboten. Sie werden von Hand gefertigt und symbolisieren zum Gebet verschränkte Arme. Kinder verwenden sie zum Brezenhakeln. Wem das größere Stück zuteil wird, dem soll das Glück hold sein.
Das ist Handarbeit im Akkord. Mit tief religiösen Wurzeln. Der Teig wird geknetet, ausgerollt und über Kreuz geschlagen. Insgesamt 20.000 Mal wiederholt der 29jährige Michael Scheuer diese Tätigkeit während der Fastenzeit. Der Konditor- und Bäckermeister aus Haibach ob der Donau, im Bezirk Eferding in Oberösterreich, fertigt Fastenbrezen.

„Die Bedeutung dahinter soll der Erzählung nach mehrere Jahrhunderte zurückreichen“, erzählt der Chef. „Ein deutscher Bäcker hat sein Leben verwirkt. Damit ihm seine Sünden vergeben werden konnten, sollte er ein Gebäck kreieren, durch das die Sonne drei Mal scheint. Zur symbolischen Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit Gott Vater, Gott Sohn und Heiliger Geist. In seiner Not ging der Bäcker in die Kirche, um zu beten. Dazu hat er, wie es damals üblich war, die Arme vor der Brust verschränkt und mit den Händen seine Schultern berührt. Als er dann ins Gebet vertieft war und auf seine gekreuzten Arme sah, reifte in ihm der Gedanke, ein Gebäck in derselben Form zu gestalten. Daraus wurde die Brezen.“

Die Michael Scheuer heute aus Weizenmehl, Wasser, Salz, Malzmehl, Butter und Hefe herstellt. „Dafür wird am Vorabend ein Dampfl, das ist ein Vorteig, der für die Geschmacksbildung wichtig ist, hergestellt. Er wird mit den restlichen Zutaten fertig gemischt und bei uns noch direkt auf dem Herd gebacken. Das heißt, die Brezen kommen nicht auf Backbleche, sondern auf den Boden des Backofens und werden eine schwache Viertelstunde gebacken. Das gibt eine schönere Farbe und bessere Konsistenz.“

Goldig braun mit ein paar Salzkörnderln drauf sind die 15 Zentimeter großen und 50 Gramm schweren Gebäckstücke schließlich bei großen und kleinen Naschkatzen beliebt. Eine Brezen kostet 70 Cent. Wenig Geld, das dem Brauchtum zufolge große Wirkung haben soll, wie der 29jährige Bäckermeister zu berichten weiß. Freilich mit einem Augenzwinkern. „Wer am Karfreitag eine Fastenbrezen isst, bleibt das Jahr über von Kreuzschmerzen verschont. Bei Kindern beliebt ist der Brauch des Brezenhakelns. An beiden Enden der Brezen haken sich die Kontrahenten mit einem Finger ein und ziehen an. Die Brezen zerbricht und wer das größere Stück in der Hand hält, hat gewonnen. Das Glück ist dem Sieger hold, deshalb wird ihm das Glück treu bleiben. So heißt es jedenfalls“, schmunzelt der sympathische Hausruckviertler, der vor vier Jahren den Betrieb von seinem Vater Franz, ebenfalls Bäckermeister und 62 Jahre alt, übernommen hat. „Das Haus, in dem sich heute unser Betrieb befindet, steht bereits seit dem Jahr 1670“, erklärt der Seniorchef. „Es gehörte zunächst zu einem Bauernhof und wurde erst um 1800 zu einer Bäckerei. Seit 1900 ist es im Besitz unserer Familie und wird von meinem Sohn in vierter Generation geführt.“ Heute gehört auch ein Kaffeehaus zum Unternehmen, in dem sich bis zu 70 Gäste die Feinheiten der Bäckerei frisch aus dem Ofen schmecken lassen können.

In diesem Jahr wird Sohn Michael die Basis für die fünfte Generation legen, denn er wird seine Verlobte Anita Niederfriniger, 26, eine gelernte Köchin und Kellnerin zum Traualtar führen. „Zunächst standesamtlich, die kirchliche Hochzeit holen wir im nächsten Jahr bei uns in Haibach nach“, sagt Scheuer, dem dabei hohe kirchliche Weihen zuteil werden.

„Die Trauung vollzieht mein Onkel Manfred Scheuer, der Bischof der Diözese Linz.“ Dr. Scheuer ist der Bruder des Seniorchefs, der einzige Geistliche in der Familie und seit 16. Jänner das Oberhaupt der Diözese in Linz. Davor war er 13 Jahre lang ein äußerst beliebtes kirchliches Oberhaupt in Innsbruck (T). Ein gottesfürchtiger Mann, der zu genießen weiß. „Vor allem unsere Topfenschnitten“, lacht der 62jährige Franz Scheuer. „Die hat mein Bruder bereits in der Kindheit geliebt.“

Ein Stück der himmlischen Topfenschnitte kostet im Café Scheuer 2,20 Euro. Wer lieber von der Schoko-, Nuss-, Haus-, Himbeer- oder Heidelbeertorte sowie der Kardinalschnitte probieren möchte, kann dies um 2,40 Euro tun. Sogar das Frühstück kann bei Familie Scheuer eingenommen werden. Ab acht Uhr in der Früh. „Weil dieses Angebot so gut ankommt, sollte unbedingt reserviert werden“, rät Michael Scheuer und verweist auf die Telefonnummer 07279/8234. Dafür gibt‘s dann unter anderem ein Schlemmer-Frühstück um 8,80 Euro mit wahlweise Kaffee, Tee oder heißer Schokolade, zwei Gebäck, Butter, Marmelade oder Honig, Schinken, Käse, Joghurt mit Müsli garniert mit frischen Früchten und einem Glas Orangensaft. Oder natürlich eine Fastenbrezen.

Bäckerei-Café Scheuer
4083 Haibach ob der Donau, Kirchenplatz 2

www.scheuer.or.at,
geöffnet:
Bäckerei:
Mo 5–12 Uhr Di–Fr 5–12 und 14–18.30 Uhr,
Sa 5–12 Uhr, So 8–11 Uhr,
Café: Di–Sa 8–21 Uhr, So 8–20 Uhr
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