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Ausgabe Nr. 06/2017 vom 07.02.2017, Foto: Judith Maria Trölß
Josef Hader: "Weiterwurschteln war oft die richtige Entscheidung."
„Ich habe eine verschärfte Kneipp-Kur gemacht“
Filme mit Josef Hader in der Hauptrolle sind beim Publikum beliebt. Vor allem die Darstellung des heruntergekommenen Privatdetektivs Brenner entwickelte sich zum Hit. Jetzt machte der 54jährige Kabarettist und Schauspieler den nächsten Schritt. Für seinen neuen Film „Wilde Maus“ (ab Freitag, 17. Februar, in unsere Kinos) schlüpfte er in die Hauptrolle und übernahm zum ersten Mal auch die Regie. Mit dem Film geht ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Ein Grund für ihn zu feiern. Das gilt nicht für seinen Geburtstag, den Hader am Valentinstag begeht, wie er der WOCHE im Gespräch erzählt hat.
Herr Hader, gehen Sie gerne in die Sauna?
Nicht unbedingt. Aber manchmal bin ich dann doch dort.

Und kühlen sich anschließend im Schnee ab?
Ich bin schon einmal nach der Sauna hinausgegangen …

… in den Schnee gesetzt haben Sie sich nicht?
Nein, so deppert bin ich nicht.

Hätte ja sein können, dass Sie sich abgehärtet haben, schließlich sitzen Sie in Ihrem neuen Film „Wilde Maus“ fast nackt, nur mit Unterhose bekleidet, im Schnee …
Das mache ich nur als Schauspieler. Privat kommt das nicht in Frage.

Sie haben das Drehbuch geschrieben, führten Regie und sind Hauptdarsteller. Hat sich da der Hauptdarsteller gegen den Regisseur gewehrt, diese Szene im Schnee zu drehen, in der sich der Hauptakteur umbringen will?
Also, es ist beim Schauspieler Hader so: Wenn ihn das Drehbuch überzeugt, dann macht er die ärgsten Sachen. Diese Schneeszene schaut unglaublich elementar aus, aber der Zuschauer muss sich im Klaren sein, dass hinter der Kamera dann ein warmes Auto auf mich gewartet hat. Das war eine Art verschärfte Kneipp-Kur. Vom Kalten ins Warme. Irgendwann hat aber die Standheizung nicht mehr ausgereicht, um mich zu wärmen, also haben wir einen Gasbrenner hineingestellt. Allerdings mussten wir die Fenster halb herunterlassen, sonst wäre ich erstickt. Es war Wellness, allerdings anstrengend. Wer zwei, drei Tage hintereinander 14 Stunden Wellness hat, ist erledigt und schläft gut. Gefroren haben die anderen weit mehr als ich.

In Ihrer Tragikomödie, die ab Freitag, 17. Februar, in unseren Kinos zu sehen ist, verkörpern Sie den bei einer Zeitung beschäftigten Musikkritiker Georg, der nach seiner Entlassung aus Wut „kleine Terrorakte gegenüber seinem Chefredakteur“ verübt, mit einem ehemaligen Schulfreund eine alte Achterbahn renoviert und in eine gnadenlose Abwärtsspirale gerät. Keine schönen Aussichten …
Rache ist ein gewisses Grundmotiv in dem Film. Und Georg ist einer, der auf recht unbeholfene Weise versucht, Rache zu üben. Aber schlussendlich wird auch er zum Racheopfer.

Stimmt es, dass der Film „Wilde Maus“ nach einer Achterbahn im Wiener Prater benannt ist?
Ja, das ist praktisch, dass es die gibt. Sonst hätten wir uns den Film wahrscheinlich nicht leisten können.

War das Projekt eine Herzensangelegenheit?
Ja, wobei meine Grundidee jene war, dass ich das, was mir an Ausbildung und Erfahrung als Regisseur fehlt, durch Zeit und Hingabe ersetze. Das heißt, ich habe mir lange Zeit gelassen mit dem Drehbuch, habe im Laufe von drei Jahren ungefähr zehn Fassungen geschrieben und dazwischen wieder andere Dinge gemacht.

Letztlich haben Sie einige befreundete Schauspieler um sich geschart …
Die Maria Hofstätter kenne ich schon lange. Ebenso die Nora von Waldstätten. Ich habe beide gefragt, ob sie nicht kleinere Rollen übernehmen würden. Die Pia Hierzegger kannte ich auch. (Mit der 44jährigen Grazerin ist Hader liiert, bestätigen will er es allerdings nicht, weil er über Privates, wie er sagt, nicht spricht. Anm. d. Red.)

Pia Hierzegger verkörpert im Film Ihre Frau, die sich vernachlässigt fühlt und sich anderen Männern an den Hals wirft …
Sie ist eine Frau, die dringend ein Kind will, aber in einer unglücklichen Beziehung steckt. Da kann es schon passieren, dass einer Frau schnell einmal eine Sympathie auskommt für einen jungen Mann.

Ihr Werk „Wilde Maus“ geht bei den Internationalen Filmfestspielen „Berlinale“ (9. bis 19. Februar) in der deutschen Hauptstadt ins Rennen um den „Goldenen Bären“. Sie haben schon einige Preise gewonnen – freuen Sie sich über diese Art der Anerkennung?
Ich bin Auszeichnungen gegenüber relativ gelassen.

Den heimischen Filmpreis „Romy“ sollen Sie mit den Worten „Ich möchte keine Beliebtheitspreise“ abgelehnt haben …
Nein. Ich habe wörtlich gesagt, dass die Beliebtheit nicht die Grundlage meiner Arbeit bildet und deswegen brauche ich den Preis nicht so. Ich habe ihn aber nicht abgelehnt, sondern einfach nicht abgeholt. Die „Romy“ steht jetzt beim Regisseur Wolfgang Murnberger auf dem Klo, glaube ich. Ich kann meine Zurückhaltung gegenüber der „Romy“ aber auch noch anders erklären.

Wie denn?
Ich bin ein glühender Verehrer von Romy Schneider. Sie ist einen harten Weg gegangen und hat große Unbeliebtheit in Kauf genommen für das, was sie künstlerisch wollte. Und ich finde es daher nicht richtig, einen Beliebtheitspreis nach dieser großartigen Frau zu benennen. Das ist unpassend. In gewisser Weise steht mir also meine Verehrung vor Romy Schneider im Weg, um zu einer „Romy“-Preisverleihung gehen zu können.

Haben Sie als Künstler Schritte unternommen, die Ihrer Beliebtheit geschadet haben?
Ich habe Projekte aus künstlerischen Gründen abgelehnt, die mich deutlich berühmter gemacht hätten.

Welche zum Beispiel?
Über abgelehnte Projekte spreche ich nicht. Ich habe in manchen wichtigen Punkten in politischer Hinsicht Stellung genommen, was natürlich nicht jedem gefällt.

Sie haben vorhin erwähnt, kein großer Freund von Auszeichnungen zu sein. Wie sieht es im privaten Bereich aus? Feiern Sie gern Geburtstag, Sie werden ja am Valentinstag, dem 14. Februar, 55 Jahre alt?
Ich feiere selten meinen Geburtstag mit einem großen Fest. Das ist mir zu anstrengend. Größere Feiern mache ich nur beruflich, wenn ich eine Kabarett- oder eine Film-Premiere habe.

Warum?
Weil ich mir schwer tue, wenn viele Menschen miteinander reden. Das nervt mich. Ich bin jetzt schon ein an Lebensjahren relativ erfahrener Mann, aber ich habe noch nicht gelernt, einem langweiligen Gespräch zu entfliehen. Ich gehe dann immer aufs Klo, aber ich kann nicht 20 Mal am Abend aufs Klo gehen.

Am Valentinstag werden gerne Blumen verschenkt. Wie ist das bei Ihnen?
Aufgrund meines Geburtstages hat die Blumenschenkerei nicht so um sich gegriffen. Und ich selbst bin ein schlechter Blumenschenker. Zumal ich keine Schnittblumen mag. Das sind für mich Sterbende, die langsam verwesen. Ich schenke lieber Topfpflanzen, aber nicht am Valentinstag, sondern zu anderen Gelegenheiten, wenn es mir gerade einfällt.

Wenn wir schon bei Sterbenden sind, in Ihrem Film wollen Sie als Hauptdarsteller Schluss machen, weil Sie entlassen wurden. Wie im wirklichen Leben, werden die Alten durch junge, unerfahrene Mitarbeiter ersetzt, nur weil sie billiger sind. Finden Sie das richtig?
Die Unternehmen verzichten auf einen großen Erfahrungsschatz. Unternehmen mit einer gesunden Firmenstruktur, in der alte und junge Menschen zusammenarbeiten, treffen meistens auch die besseren Entscheidungen und zwar auf lange Sicht. Ältere Arbeitnehmer werden ihrer Lebensqualität beraubt. Es sollte einmal untersucht werden, wie viele Menschen krank werden, nur weil sie in Pension gehen müssen und dann möchte ich diese Erkenntnis dem gegenüberstellen, wie viele Menschen durch Rauchen leiden und ich würde diese Faktoren gerne gleich beurteilt sehen.

Sind Sie Raucher?
Ich rauche hie und da eine Zigarette. Ich hätte jetzt fast gesagt, eine Feiertagszigarette, aber die richtige Wortwahl wäre eine Zigarette, wenn ich ein bisserl angeheitert bin. Also ich rauche ganz gern, wenn ich einmal ein bisserl was trinke, meistens Wein.

Mit gewisser Vorliebe?
Roten genauso wie weißen. Mein Techniker ist Burgenländer, mein Manager ist Burgenländer …

Haben Sie irgendwelche Hobbys?
Lesen, Musik hören, Filme schauen, ganz langweilig. Ich habe kein spezielles Hobby, dafür fehlt die Zeit.

Haben Sie schon die nächste Idee für einen Film oder gar ein neues Kabarett-Programm?
Es schwirrt nichts Konkretes im Kopf herum. Ich weiß nur, dass jetzt einmal eine Zeit kommt, in der es ruhiger wird und dann kann ich mir überlegen, was ich als Nächstes mache. Entweder ein Kabarett-Programm oder eine Filmidee oder ich schreibe beides, abwechselnd, das muss ich noch entscheiden. Irgendwie werde ich schon weiterwurschteln. Ich bin ein Freund des Weiterwurschtelns.

Was spricht dafür?
Dass dich die großen Entscheidungen letztlich auch wieder dahin bringen, in irgendeiner Weise weiterzuwurschteln. Wir gaukeln uns nur selber vor, dass sich Situationen großartig geändert haben. Weiterzuwurschteln war oft die richtige Entscheidung.

ZUR PERSON

Josef Hader wurde am 14. Februar 1962 Waldhausen (OÖ) geboren und besuchte das Stiftsgymnasium in Melk (NÖ). Nach dem Zivildienst beim Roten Kreuz begann er ein Lehramtsstudium in Germanistik und Geschichte machte aber bald als Kabarettist auf sich aufmerksam. Nach großen Erfolgen auf der Bühne wechselte er zunehmend zum Film und konnte auch dort die Zuschauer begeistern. Nicht zuletzt durch seine Rolle des heruntergekommenen Privatdetektiven „Brenner“. Hader ist mit seiner Kollegin Pia Hierzegger liiert und hat aus einer früheren Beziehung zwei Söhne. „Mit dem Älteren gehe ich gerne ins Kino, mit dem Jüngeren ins Fußball-Stadion“, meint der in privaten Angelegenheiten wortkarge Schauspieler und Kabarettist.
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