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Ausgabe Nr. 02/2017 vom 10.01.2017, Fotos: Judith Maria Trölß
Adolf Kniewallner hat es schwarz auf weiß. Er bekommt 4,61 Euro Notstandshilfe.
Tochter Therese schenkte ihrem Vater einen Engel.
Kniewallner zeigt, wo der Defibrillator sitzt.
„Ich bekomme 4,61 Euro am Tag“
Zwei Herzinfarkte innerhalb einer Woche hat Adolf Kniewallner knapp überlebt. Sein Herz schlägt nur noch mit 35 Prozent seiner Leistung. Würde sich sein Herz der Leistung des AMS angleichen, wäre er schon tot. Das gewährt ihm 4,61 Euro pro Tag.
Ich war in der Küche, als ich im Schlafzimmer ein lautes Geräusch gehört hab‘. So, als ob jemand hinfällt“, erinnert sich Melitta Kniewallner an den 27. August 2013, an dem sich alles verändert hat. Sie ließ alles liegen und stehen und rannte ins Schlafzimmer ihres Häuschens in Zöbing im Kamptal (NÖ). Begleitet von einer dunklen Vorahnung, denn ihr Mann Adolf hatte sich gerade erschöpft dorthin zurückgezogen. Der Außendienstmitarbeiter war an diesem Tag aus dem Spital entlassen worden, wo er eine Woche lang wegen eines Herzinfarktes behandelt wurde. „Als ich die Tür öffnete, lag Adolf bewusstlos am Boden“, erzählt die 55jährige. „Ich tastete nach seinem Puls, doch da war nichts mehr.“

Gemeinsam mit ihrer Schwägerin, die nur ein paar Häuser weiter wohnt, reanimierte sie ihren Mann bis zum Eintreffen der Rettung. In rasender Fahrt brachte ihn das Notarztteam auf die Herzintensivstation nach Krems. In jenes Spital, aus dem der heute 53jährige nur Stunden zuvor entlassen wurde. Zwölf Tage stand das Überleben des Niederösterreichers auf des Messers Schneide. „Ich lag in künstlichem Tiefschlaf, weil mein Herz geflimmert hat“, erzählt Kniewallner. „Ich erlitt einen massiven zweiten Herzinfarkt, weil ich eine Stent-Thrombose bekam. Ein Stent ist ein Metallgewebe zum Offenhalten von Gefäßen. Das wurde mir bei meinem ersten Aufenthalt eingesetzt. Aber weil ein Blutverdünnungs-Medikament nicht angeschlagen hat, hat der Stent zugemacht“, sagt Kniewallner.

In einer Notoperation wurde das Herzgefäß wieder geöffnet. Um das lebensbedrohliche Herzflimmern in den Griff zu bekommen, wurde der Patient nach drei Tagen ins Elisabethinen-Spital nach Linz überstellt, wo ihm der Herzspezialist Dr. Helmut Pürerfellner Nervenstränge durchtrennte, um das Herz wieder in einen normalen Rhythmus zurückzuführen. Dieser Eingriff rettete Kniewallner schließlich das Leben.

Als er nach zwölf Tagen endlich aus dem Koma erwachte, saßen Ehefrau und auch Tochter Therese an seinem Krankenbett. „Melitta hat meine Hand genommen und gesagt, wir schaffen das schon, es wird alles gut werden“, erinnert sich der 53jährige. „Und meine Tochter hat mir einen Engel aufs Nachtkasterl gestellt. Er hat sicher dazu beigetragen, dass ich am Leben bin, dass es den Weg ins Leben zurückgab“, ist der tiefgläubige Niederösterreicher überzeugt.

„Nach Beendigung des Tiefschlafes wurde mir zur Sicherheit noch ein Defibrillator eingebaut, falls dieses Herzflimmern wieder kommen sollte, sozusagen als Notarzt im Körper.“ Doch sein Leben war nicht mehr dasselbe wie vor dem folgenschweren Infarkt. Das Herz war irreparabel geschädigt. „Nach einem Eingriff im Wiener Allgemeinen Krankenhaus, bei dem mir im Jänner 2014 drei weitere Stents gesetzt wurden, bin ich jetzt auf 35 Prozent meiner ursprünglichen Herzleistung.“

Was weitreichende Konsequenzen für ihn hat. „Ich darf auf keine Leiter steigen, weil die Überkopfarbeit wegen meines eingeschränkten Blutdruckes Schwindel erzeugen kann. Ich darf mit keiner Bohrmaschine, keinem Winkelschleifer, keinen Schweißgeräten arbeiten, um den Defibrillator nicht zu irritieren. Ich darf zwar mit dem Auto fahren, aber nicht mehr als 100, 150 Kilometer. Und über den Tag verteilt muss ich elf Medikamente einnehmen.“

Daher wurde ihm geraten, um Pension anzusuchen. Die aber nach einer Untersuchung bei der Pensionsversicherungsanstalt abgelehnt wurde, weil eine Erwerbstätigkeit möglich wäre. „‚Genau vier Stunden am Tag arbeitsfähig‘, sagt die PVA. ‚Vier Stunden mit einer zehnprozentigen Spitzenbelastung in dieser Zeit‘“, liest Kniewallner aus dem Bescheid vor. Als Außendienstmitarbeiter kann er mit diesen Einschränkungen den Beruf nicht mehr ausüben. „Vom Arbeitsmarktservice (AMS) wurde mir mitgeteilt, dass ich so nicht vermittelbar sei, dass ich nicht einmal Kurse machen dürfe.“ Also setzte der 53jährige auf Eigeninitiative. „Ich habe bei allen möglichen Firmen angefragt, aber es gibt keinen Dienstgeber, der mich mit meiner schweren Erkrankung beschäftigt. Ich würde gern etwas tun, aber es nimmt mich niemand.“

Deshalb muss sich Kniewallner mit der Notstandshilfe begnügen, die ihm vom AMS gewährt wird. Sein Leistungsanspruch beträgt nach jahrzehntelanger Arbeit 4,61 Euro pro Tag. „Weil wir ein Haus haben, einen Hektar Grund für Weinanbau und weil meine Frau berufstätig ist.“ Dass ihm nur knapp 140 Euro im Monat zustehen,
empfindet er als „unfair, ungerecht und skandalös“. Mit Sicherheit nicht nur er.

Nun bemüht sich der Niederösterreicher, dass ihm eine Berufsinvalidität anerkannt wird. „Das würde bedeuten, dass ich zumindest die Mindestsicherung von etwas mehr als 800 Euro bekomme.“
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