Rudi Carrell – 20. Todestag am 7. Juli: Humor am laufenden Band
Sein Hit „Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer?“ wäre heuer ein Ladenhüter. Es sei denn, Rudi Carrell hätte daraus mit Ironie einen schrägen Lach-Schlager gemacht.
Seine ersten Auftritte absolvierte er in der Schule. Er führte durch Schulveranstaltungen und machte das so gut, dass ihm ein Lehrer riet, sich „später einen Stelle im Showgeschäft zu suchen“.

Später war für den damals 15jährigen zu spät. In den Ferien fuhr er nach Frankreich, wo er sich zunächst als Erntehelfer durchschlug, ehe er eine Lehre in einer Bank begann.

„Diese Arbeit war so langweilig und nervtötend, dass mir der Schulalltag dagegen wie eine Party vorkam“, erzählte er. Also kehrte der am 19. Dezember 1934 geborene Rudolf Wijbrand Kesselaar, wie er damals noch hieß, in seine Heimat, die Niederlande zurück.

Dort engagierte ihn sein Vater, der mäßig erfolgreiche Komiker Andre Carrell, als Sekretär und Assistent. Als der Papa eines Tages erkrankte, sprang der Sohn bei einer Firmenfeier für ihn ein und lieferte einen sensationellen Auftritt ab. Fortan nannte sich der Junior Rudi Carrell und machte sich innerhalb weniger Jahre vor allem im deutschen Sprachraum einen Namen als Showmaster.

Mit der „Rudi Carrell Show – Lass dich überraschen“, mit „Am laufenden Band“, „Herzblatt“ und „7 Tage – 7 Köpfe“ wurde er neben Hans-Joachim Kulenkampff und Thomas Gottschalk zu einer der beliebtesten Fernsehgrößen. Als Schauspieler, etwa in „Wenn die tollen Tanten kommen“, machte er passende Miene zum Klamauk-Spektakel, und als Sänger glückte ihm ein Hit mit „Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer?“.

Rudi Carrell war drei Mal verheiratet, aus der zweiten Ehe stammen die Töchter Annemieke, 68, und Caroline, 62, aus der dritten der Sohn Alexander, 49. „Wenn meine Kinder schlecht über mich reden, verstehe ich das vollkommen“, meinte er. „Natürlich liebe ich alle, aber ich war ja nie zu Hause. Und wenn ich dann einmal daheim war, empfanden mich alle ein bisschen wie einen Fremden. Je älter sie wurden, umso mehr Verständnis hatten sie für diese Situation. Und unser Verhältnis normalisierte sich.“

Kurz nach seinem 70. Geburtstag erfuhr der Kettenraucher Carrell, dass er an Lungenkrebs litt. Er reagierte gelassen und meinte zu seinen Kindern: „Mich ärgert, dass ich nicht mehr rauchen darf. Aber ich habe alles gehabt, ich habe in meinem Beruf alles erreicht, ich hatte ein wundervolles Leben – wenn ich morgen tot umfalle, dann ist das auch in Ordnung.“

Pointen, die er für seine letzte Sendung nicht verwenden konnte, wollte er sich aufheben. „Wenn ich in den Himmel komme, sorge ich damit dort für gute Laune.“