Nach Unfall große Liebe auf der Intensivstation gefunden
Als Jugendliche kämpften Zach Zarembinski und Isabelle Richard aus Minnesota (USA) nach schweren Unfällen auf der Intensivstation um ihr Leben. Als sie aus dem Koma erwachten, gab es eine kurze Kennenlernphase. Danach verloren sie sich aus den Augen. Erst vor Kurzem haben sie sich durch Zufall wieder getroffen – und jetzt wird sogar geheiratet.
Der Geruch von Desinfektionsmitteln lag in der Luft, Maschinen piepten gleichmäßig. Auf der Intensivstation des Regency-Spitals in St. Paul im amerikanischen Bundesstaat Minnesota saßen zwei Mütter an verschiedenen Krankenbetten und taten dasselbe: Sie beteten.
Vor Esther Wilzbacher, 55, lag ihre Tochter Isabelle
Richard, gerade einmal 16 Jahre alt. Ihr Gesicht war blass, in ihren Haaren klebten noch Glassplitter von der Windschutzscheibe. Das Mädchen hatte gerade erst ihren Führerschein bestanden. An diesem Morgen, im Herbst 2018, fuhr sie mit dem Wagen ihrer Mutter zu ihrer Arbeit als Kassiererin in einem Supermarkt. Plötzlich tauchte ein Fahrzeug auf ihrer Spur auf. Richard riss das
Lenkrad herum und krachte frontal gegen einen Baum.
Im Spital kämpften dann die Ärzte um das Leben der Verunglückten. Aufgrund der schweren Hirnverletzungen musste sogar ein Teil ihres Gehirns entfernt werden.
Ihrer Mutter wurde mitgeteilt, dass die Überlebenschancen der Tochter praktisch bei Null lägen. „Ich sehe sie noch heute vor mir“, sagt die 55jährige. „Sie lag dort völlig regungslos. Ich dachte, ich verliere mein Kind.“
Nur wenige Türen weiter kämpfte ein anderer junger Mensch um sein Leben. Der 18jährige Football-Spieler Zach Zarembinski. Er war bei einem Zusammenprall auf dem Spielfeld schwer gestürzt und hatte massive Gehirnblutungen erlitten. Auch er lag im Koma.
Seine Mutter, Tracy Zarembinski, 53, wich Tag und Nacht nicht von seiner Seite. Als sie eine Krankenschwester leise murmeln hörte: „Der arme Kerl wird es nicht schaffen“, brach für sie eine Welt zusammen. In diesen dunklen Tagen lernten sich die beiden Mütter kennen.
Sie begegneten sich immer wieder, tauschten freundliche, tröstliche Worte aus und klammerten sich gemeinsam an dieselbe Hoffnung. Zwischen Bangen, Tränen und Gebeten entstand eine Freundschaft.
Dann geschah etwas, womit die Ärzte nicht mehr gerechnet hatten. Zach Zarembinski wachte auf. Seine Mutter erzählte ihm von dem Mädchen, das ebenfalls auf der Intensivstation lag und ein ähnliches Schicksal erlitten hatte. Sechs Tage später machte er seine ersten, noch unsicheren Schritte auf dem Spitalsgang und besuchte Isabelle Richard.
Auch sie war, entgegen der medizinischen Diagnose, wenige Tage zuvor aus dem Koma erwacht. An seinen Besuch an ihrem Bett kann sie sich heute allerdings nicht mehr erinnern. Zarembinski sprach ihr Mut zu und wünschte ihr eine gute Besserung. Diesen Moment hielten die Mütter auf einem Foto fest.
Danach verloren sich die beiden Jugendlichen, die dem Tod nur knapp entronnen waren, aus den Augen. Während Zarembinski die Schule beendete und in die Baufirma seines Vaters einstieg, begann für Richard der
längste und schwierigste Weg ihres Lebens.
Fünfeinhalb Jahre dauerte ihre Genesung. Sie musste alles neu lernen: sprechen, essen, gehen. Alltägliche Herausforderungen wurden zur mentalen und körperlichen Zerreißprobe. Jeder winzige Fortschritt kostete sie Kraft und unendliche Geduld.
Als ihre Tochter wieder im Alltag Fuß gefasst hat, erinnerte sich ihre Mutter an den Football-Spieler aus dem Spital. „Was ist bloß aus ihm geworden?“, fragte sie ihre Tochter. „Willst du einmal mit ihm reden?“ Die junge Frau suchte in den sozialen Medien nach seinem Namen und wurde fündig. Als sie ihn sechs Jahre nach ihrer Begegnung im Spital anschrieb, antwortete Zarembinski sofort. Der frühere Leidensgenosse freute sich über die Nachricht. Schließlich gab es kaum jemanden, der verstehen konnte, was er durchgemacht hatte.
Sie verabredeten sich in einem Restaurant. Zu diesem Zeitpunkt dachten beide noch, es würde ein freundschaftliches Wiedersehen werden. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Vom ersten Augenblick an stimmte die Chemie. Sie lachten die meiste Zeit und stellten dabei überrascht fest, wie viel sie miteinander verbindet. Beide kannten die Angst vor dem Tod. Und beide wussten, was es heißt, sich ins Leben zurückzukämpfen.
Als der Abend endete, wollte keiner von beiden gehen. „Darf ich deine Telefonnummer haben?“, fragte Zarembinski, und schon am nächsten Tag telefonierten sie stundenlang. Aus einem Gespräch wurden viele. Aus Nachrichten wurden regelmäßige Treffen. Bei gemeinsamen Spaziergängen redeten sie über Enttäuschungen und Hoffnungen, Heilung und ihre Zukunftspläne.
Schließlich schien der Weg vorgezeichnet. „Plötzlich war mir klar, dass ich Isabelle liebe“, sagt der heute 26jährige. Er lud sie zu einem Treffen an den Ort ein, an dem alles begann – in das Regency-Spital.
Die mittlerweile 24jährige ahnte nichts von dem Plan, den ihr Freund seit Wochen heimlich geschmiedet hatte. Als sie gemeinsam den Eingang betraten, wurden sie von dutzenden Ärzten und Krankenpflegern empfangen, die damals um das Leben der beiden gekämpft hatten.
Zarembinski trat vor der versammelten Menge nach vorne und drehte sich zu seiner Angebetenen um. Seine Stimme zitterte, als er sie erwartungsvoll fragte: „Willst du mich heiraten?“ Im selben Augenblick öffnete sich hinter ihm ein weißer Vorhang. In einem wunderschönen Kranz aus roten Rosen stand dieselbe Frage geschrieben. Richard konnte kaum glauben, was gerade geschah, und flüsterte unter Tränen „Ja.“
Schon bald, im September, läuten die Hochzeitsglocken. Manche Menschen halten das Glück der beiden für einen unglaublichen Zufall. Sie selbst sind sich sicher, dass es Schicksal war. „Unsere Leben wurden gerettet“, sagt Richard leise, „damit wir uns finden konnten.“
Vor Esther Wilzbacher, 55, lag ihre Tochter Isabelle
Richard, gerade einmal 16 Jahre alt. Ihr Gesicht war blass, in ihren Haaren klebten noch Glassplitter von der Windschutzscheibe. Das Mädchen hatte gerade erst ihren Führerschein bestanden. An diesem Morgen, im Herbst 2018, fuhr sie mit dem Wagen ihrer Mutter zu ihrer Arbeit als Kassiererin in einem Supermarkt. Plötzlich tauchte ein Fahrzeug auf ihrer Spur auf. Richard riss das
Lenkrad herum und krachte frontal gegen einen Baum.
Im Spital kämpften dann die Ärzte um das Leben der Verunglückten. Aufgrund der schweren Hirnverletzungen musste sogar ein Teil ihres Gehirns entfernt werden.
Ihrer Mutter wurde mitgeteilt, dass die Überlebenschancen der Tochter praktisch bei Null lägen. „Ich sehe sie noch heute vor mir“, sagt die 55jährige. „Sie lag dort völlig regungslos. Ich dachte, ich verliere mein Kind.“
Nur wenige Türen weiter kämpfte ein anderer junger Mensch um sein Leben. Der 18jährige Football-Spieler Zach Zarembinski. Er war bei einem Zusammenprall auf dem Spielfeld schwer gestürzt und hatte massive Gehirnblutungen erlitten. Auch er lag im Koma.
Seine Mutter, Tracy Zarembinski, 53, wich Tag und Nacht nicht von seiner Seite. Als sie eine Krankenschwester leise murmeln hörte: „Der arme Kerl wird es nicht schaffen“, brach für sie eine Welt zusammen. In diesen dunklen Tagen lernten sich die beiden Mütter kennen.
Sie begegneten sich immer wieder, tauschten freundliche, tröstliche Worte aus und klammerten sich gemeinsam an dieselbe Hoffnung. Zwischen Bangen, Tränen und Gebeten entstand eine Freundschaft.
Dann geschah etwas, womit die Ärzte nicht mehr gerechnet hatten. Zach Zarembinski wachte auf. Seine Mutter erzählte ihm von dem Mädchen, das ebenfalls auf der Intensivstation lag und ein ähnliches Schicksal erlitten hatte. Sechs Tage später machte er seine ersten, noch unsicheren Schritte auf dem Spitalsgang und besuchte Isabelle Richard.
Auch sie war, entgegen der medizinischen Diagnose, wenige Tage zuvor aus dem Koma erwacht. An seinen Besuch an ihrem Bett kann sie sich heute allerdings nicht mehr erinnern. Zarembinski sprach ihr Mut zu und wünschte ihr eine gute Besserung. Diesen Moment hielten die Mütter auf einem Foto fest.
Danach verloren sich die beiden Jugendlichen, die dem Tod nur knapp entronnen waren, aus den Augen. Während Zarembinski die Schule beendete und in die Baufirma seines Vaters einstieg, begann für Richard der
längste und schwierigste Weg ihres Lebens.
Fünfeinhalb Jahre dauerte ihre Genesung. Sie musste alles neu lernen: sprechen, essen, gehen. Alltägliche Herausforderungen wurden zur mentalen und körperlichen Zerreißprobe. Jeder winzige Fortschritt kostete sie Kraft und unendliche Geduld.
Als ihre Tochter wieder im Alltag Fuß gefasst hat, erinnerte sich ihre Mutter an den Football-Spieler aus dem Spital. „Was ist bloß aus ihm geworden?“, fragte sie ihre Tochter. „Willst du einmal mit ihm reden?“ Die junge Frau suchte in den sozialen Medien nach seinem Namen und wurde fündig. Als sie ihn sechs Jahre nach ihrer Begegnung im Spital anschrieb, antwortete Zarembinski sofort. Der frühere Leidensgenosse freute sich über die Nachricht. Schließlich gab es kaum jemanden, der verstehen konnte, was er durchgemacht hatte.
Sie verabredeten sich in einem Restaurant. Zu diesem Zeitpunkt dachten beide noch, es würde ein freundschaftliches Wiedersehen werden. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Vom ersten Augenblick an stimmte die Chemie. Sie lachten die meiste Zeit und stellten dabei überrascht fest, wie viel sie miteinander verbindet. Beide kannten die Angst vor dem Tod. Und beide wussten, was es heißt, sich ins Leben zurückzukämpfen.
Als der Abend endete, wollte keiner von beiden gehen. „Darf ich deine Telefonnummer haben?“, fragte Zarembinski, und schon am nächsten Tag telefonierten sie stundenlang. Aus einem Gespräch wurden viele. Aus Nachrichten wurden regelmäßige Treffen. Bei gemeinsamen Spaziergängen redeten sie über Enttäuschungen und Hoffnungen, Heilung und ihre Zukunftspläne.
Schließlich schien der Weg vorgezeichnet. „Plötzlich war mir klar, dass ich Isabelle liebe“, sagt der heute 26jährige. Er lud sie zu einem Treffen an den Ort ein, an dem alles begann – in das Regency-Spital.
Die mittlerweile 24jährige ahnte nichts von dem Plan, den ihr Freund seit Wochen heimlich geschmiedet hatte. Als sie gemeinsam den Eingang betraten, wurden sie von dutzenden Ärzten und Krankenpflegern empfangen, die damals um das Leben der beiden gekämpft hatten.
Zarembinski trat vor der versammelten Menge nach vorne und drehte sich zu seiner Angebetenen um. Seine Stimme zitterte, als er sie erwartungsvoll fragte: „Willst du mich heiraten?“ Im selben Augenblick öffnete sich hinter ihm ein weißer Vorhang. In einem wunderschönen Kranz aus roten Rosen stand dieselbe Frage geschrieben. Richard konnte kaum glauben, was gerade geschah, und flüsterte unter Tränen „Ja.“
Schon bald, im September, läuten die Hochzeitsglocken. Manche Menschen halten das Glück der beiden für einen unglaublichen Zufall. Sie selbst sind sich sicher, dass es Schicksal war. „Unsere Leben wurden gerettet“, sagt Richard leise, „damit wir uns finden konnten.“








