Der „Besuch des alten Herrn“
Werkzeugmacher, Chef eines Weltkonzerns, Parteigründer und Rinderzüchter – Ende Mai war der 93jährige Milliardär Frank Stronach für vier Tage in seiner Heimatstadt Weiz unterwegs.
Vor Kurzem hat der österreichisch-kanadische Magna-Gründer Frank Stronach seine oststeirische Heimatstadt Weiz besucht. Der mittlerweile 93jährige „Sohn der Stadt“ galt dort lange Zeit als Mäzen – zum Bau des Weizer Kunsthauses etwa steuerte er eine Million Euro bei und förderte lokale Vereine.

Das Bekanntwerden mehrerer Missbrauchsvorwürfe hat Stronachs Ansehen in der Öffentlichkeit jedoch erheblich beschädigt. Der Steirer musste 2024 bei seiner Festnahme in Kanada sogar kurzzeitig seinen Reisepass abgeben.

Im Februar stand Stronach nun wegen mehrerer Vorwürfe sexueller Übergriffe, die teilweise fast 50 Jahre zurückliegen, in Kanada vor Gericht.

Denn dort gibt es keine Verjährungsfrist für die Strafverfolgung von sexuellen Übergriffen. Mitte Juni wurde Stronach in zwei Punkten schuldig gesprochen – wegen sexueller Belästigung und sexueller Nötigung.

Im Fall der sexuellen Belästigung sagte die Klägerin aus, Stronach habe sie „irgendwann im Jahr 1983 oder 1984“ in seiner Wohnung in Toronto (Kanada) begrapscht.

Sie hatte ihn zuvor zum Abendessen getroffen, um zu besprechen, warum sie als Kellnerin in seinem Restaurant entlassen worden war. Eine andere Frau sagte vor Gericht, dass Stronach sie im Herbst 1977 in eine Wohnung einlud und versucht habe, sie zu vergewaltigen. Der Vorwurf der versuchten Vergewaltigung wurde zwar zurückgezogen, die Nötigung blieb. Das Strafmaß – Stronach drohen bis zu zehn Jahre Haft – wird im September verkündet.

Dem ersten Prozess gegen den Steirer soll ein weiterer im Mai 2027 folgen. In Weiz wird sein Wirken aber weiterhin positiv bewertet. Etwa von Stronachs langjährigem Weggefährten Christian Faul, 76.

Der ehemalige Nationalratsabgeordnete, Weizer Ex-Vizebürgermeister (SPÖ) und seinerzeitige Landesleiter-Stellvertreter für das „Team Stronach Steiermark“, ist jedenfalls „nach wie vor von Frank Stronach begeistert. Es geht wie ein Lauffeuer durch die Stadt, wenn er da ist. Sein Alter merkt man ihm überhaupt nicht an, und seine Schaffenskraft lässt viel jüngere, mich eingeschlossen, alt aussehen“, beteuert Faul, der Stronach bei dessen Besuch in Weiz getroffen hat.

Der anstrengende Prozess hat dem 93jährigen dennoch zugesetzt. Zu den Vorwürfen, die er stets zurückwies, wollte sich Stronach auch ihm gegenüber nicht äußern.

„Über private Angelegenheiten hat er, seit ich ihn kenne, nie gesprochen und er hält sich auch in diesen
persönlichen Angelegenheiten bedeckt,“ sagt Faul.

Abseits der juristischen Auseinandersetzungen beschäftige den Steirer derzeit auch die Frage, was von ihm einst bleiben soll. Umso mehr freut sich Stronachs langjähriger Wegbegleiter, dass der 93jährige seine Heimatstadt und deren Ausbildungsplatz für junge angehende Techniker – die Höhere Technische Lehranstalt Weiz – durch eine großzügige Stiftung unterstützen will. Die genaue Summe will Faul dabei nicht nennen, aber sie sei „namhaft in Millionenhöhe.

Das hat er von sich aus angeboten. Diese persönliche Stiftung wird seinen Namen für kommende Generationen erhalten“, ist sich Faul sicher. Es ist nicht das einzige „Vermächtnis“, das sich der Mann, dessen Lebensgeschichte nach dem Motto „vom Tellerwäscher zum Millionär“ verlaufen ist, setzt.

„Ein Team aus Hollywood dreht gerade einen Film über sein Lebenswerk. Der ehemalige Bürgermeister Helmut Kienreich und auch ich sowie einige Menschen aus der Stadt und aus den Firmen wurden um Stellungnahmen gebeten.“

Geboren wurde Stronach am 6. September 1932 als Franz Strohsack in Kleinsemmering bei Weiz. „Das sind die Wurzeln, die vergisst du nie“, erinnert er sich an die Kindheit. Auch daran, dass es „drei Mal am Tag Sterz gab“.

Mit 21 Jahren – und laut eigenen Angaben nur 200 US-Dollar in der Tasche – wanderte der gelernte Werkzeugmacher 1954 nach Kanada aus. Dort änderte er seinen Namen zu Stronach und verdiente sich sein Geld zunächst als Tellerwäscher. In einer gemieteten Garage gründete der damals 25jährige eine kleine Firma für Werkzeugbau – der Grundstein für Erfolg und Vermögen.

Stronachs Firma, die er Ende der 1960er Jahre „Magna International“ taufte, wurde zu einem der größten Autozulieferer der Welt mit mehr als 100.000 Mitarbeitern in 25 Ländern. 1998 übernahm er auch die traditionsreiche Steyr-Daimler-Puch AG, heute Steyr Motors.

„Zigtausende Menschen verdanken ihm ihren Arbeitsplatz in unserer Region“, weiß Faul. 2012 zog sich Stronach dann aus dem Konzern zurück, stieg dafür ins Rindergeschäft ein. Weniger Erfolg hatte er mit der 2012 von ihm gegründeten Partei „Team Stronach“, die sich 2017 auflöste. „Ich habe nie etwas genommen, sondern immer nur gegeben“, sagt Stronach in seiner Autobiografie.

„Er ist geblieben, wie er immer war – sozial denkend. Die Mitarbeiter in seinen ehemaligen Firmen am Gewinn teilhaben zu lassen, das war sein Erfolg“, bestätigt Faul. rz