250 Jahre USA: Freiheit, aber nicht für alle
Vor 250 Jahren sagten sich die Vereinigten Staaten von den Briten los. „Alle Menschen sind gleich geschaffen“, wurde verkündet. Für Indianer und Sklaven galt das aber nicht.
Das Jahr 1776 begann gut in unseren Breiten. Kaiserin Maria Theresia schaffte im Jänner die Folter ab. Der 20jährige Wolfgang Amadeus Mozart komponierte in Salzburg mehr als 30 Werke. In England wiederum wurde im März die erste kommerzielle Dampfmaschine in Betrieb genommen, ein Meilenstein der industriellen Revolution.

Dass sich am 4. Juli auf der anderen Seite des Atlantiks 13 nordamerikanische Kolonien von Großbritannien losgesagt hatten, schaffte es erst Wochen später in die Zeitung. Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten ist das Gründungsdokument der USA. Dem „Wienerischen Diarium“ vom 28. August 1776 war es nur einen Nebensatz wert, „dass der Generalkongress die Kolonien am 4. Juli für freie und unabhängige Staaten erkläret, und England förmlich den Krieg angekündigt hatte.“ Der Inhalt der Erklärung war revolutionär. Nicht nur dass die Kolonien mit dem Mutterland und dessen König brachen, sondern vor allem ein Satz war bahnbrechend. „Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, dass dazu
Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören.“ 250 Jahre später ist das noch immer nicht auf der ganzen Welt selbstverständlich. Aber auch damals waren Indianer und Sklaven nicht mitgemeint.

Thomas Jefferson, der Hauptverfasser der Unabhängigkeitserklärung, kritisierte zwar immer wieder das System des Sklavenhandels, besaß aber mehr als hundert Sklaven. Erst der amerikanische Bürgerkrieg (1861-65) machte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten den Garaus. Sie wurde abgeschafft, die Südstaaten mussten Schwarzen aber nicht die gleichen Rechte wie Weißen zugestehen. In den 1960er Jahren wurden die Gesetze zur Rassentrennung endgültig aufgehoben.

Die Indianer, die amerikanischen Ureinwohner, hielt Jefferson zwar für „körperlich und geistig dem Weißen ebenbürtig“. Gleichzeitig war er der Ansicht, dass sie technologisch weit unterlegen seien. „Die Menschlichkeit gebietet es uns, ihnen Ackerbau und die Künste des Wirtschaftens beizubringen.“

In der Unabhängigkeitserklärung selbst ist sogar die Rede von „gnadenlosen indianischen Wilden, deren bekannte Kriegsführung darin besteht, wahllos Menschen jeden
Alters, jeden Geschlechts und jeder sozialen Stellung zu vernichten.“

Tatsache sei, „dass die Vereinigten Staaten nur existieren, weil das Land durch die Erniedrigung, Ausplünderung, Versklavung und den massiven kulturellen Völkermord an den indigenen Völkern kolonisiert wurde“, brachte es das Zentrum für indigene amerikanische Jugendliche vor einigen Jahren auf den Punkt.

Der Legende nach hat die Witwe Betsy Ross mit anderen die erste Flagge mit 13 Sternen für die damals 13 Staaten 1776 in ihrem Wohnzimmer genäht (gr. Bild). Ursprünglich waren sechszackige Sterne geplant, sie schlug fünfzackige vor. Heute zieren die Flagge 50 Sterne. Die sieben roten und sechs weißen Streifen stehen für die 13 Gründungsstaaten.

Die Unabhängigkeitserklärung von 1776 war die Folge jahrelanger Unzufriedenheit mit der britischen Politik. Die amerikanischen Siedler durften ihre Rohstoffe wie Zucker, Tabak, Baumwolle und Pelze nur nach Großbritannien verkaufen. Von dort mussten sie teure Fertigprodukte wie Eisen oder Kleidung einführen.

Als das Londoner Parlament auch noch neue Zölle und Steuern für die Kolonien beschloss, kippte die Stimmung endgültig. Die Siedler beschlossen, keine Waren mehr aus dem Mutterland zu kaufen, die Einfuhren gingen rasant zurück. Sie wollten vor allem bei der Gesetzgebung im Parlament mitreden. „No taxation without representation“ (auf Deutsch: „Keine Besteuerung ohne Vertretung“), lautete der Schlachtruf.

Das erreichten sie nicht, aber die Regierung hob die Steuern auf. Der Teezoll blieb allerdings bestehen. Die Antwort der Siedler war 1773 die „Boston Tea Party“ (im Deutschen auch „Bostoner Teesturm“ genannt). Als Indianer verkleidete Mitglieder der Geheimorganisation „Söhne der Freiheit“ warfen Teekisten von britischen Handelsschiffen ins Meer.

Die Lage eskalierte, es kam zu bewaffneten Zusammenstößen und schließlich erklärten die 13 Kolonien an der Ostküste Nordamerikas ihre Unabhängigkeit. Der Krieg gegen die Briten endete jedoch erst 1783, nachdem Frankreich und Spanien die Abtrünnigen unterstützt hatten.

Die USA feiern am 4. Juli ihren 250. „Geburtstag“. Die Planung der Feierlichkeiten ist jedoch holprig. Eine Konzertreihe zum Jubiläum wurde gestrichen, nachdem einige Künstler abgesagt hatten.

Stattdessen verkündete Präsident Donald Trump auf seiner Plattform „Truth Social“ (Wahrheit sozial): „Am 4. Juli werden wir am Lincoln Memorial und am Washington Monument im wunderschönen und sicheren Washington, D.C., die spektakulärste Trump-Kundgebung aller Zeiten veranstalten, eine ,Hommage an Amerika‘.“ Die Feier werde „die Menschen, den Geist, die Stärke, die Entschlossenheit und die Triumphe unseres Landes würdigen“.

Militärkapellen und Orchester würden „patriotische Melodien und amerikanische Klassiker sowie meine ,Playlist‘ zum Besten geben (wir werden keine dieser Leute dabei haben, die euch in den Schlaf wiegen und ständig meckern!)“, erklärte Trump. Dazu komme noch eine Grundsatzrede, „die Sie nicht verpassen sollten“ und das „größte Feuerwerk der Geschichte“.

Trump selbst schenkte sich zu seinem 80. Geburtstag am 14. Juni ein Käfigkampf-Spektakel vor dem Weißen Haus. Abertausende verfolgten die Veranstaltung der Sportart „Mixed Martial Arts“ (gemischte Kampfkünste).

Schon im März billigte eine Kommission die Gestaltung einer Münze mit dem Abbild Trumps. Die Sammlermünze zeigt auf der einen Seite einen ernst blickenden stehenden Trump, auf der anderen Seite einen Weißkopfseeadler, das Wappentier der Vereinigten Staaten.


Kuriose Gesetze

Im Bundesstaat Missouri ist es verboten, mit Bären zu ringen. Eine Geldstrafe von bis zu 2.000 Dollar oder sogar ein Jahr Gefängnis
drohen. Das Gesetz hat einen ernsten Hintergrund. Früher waren Kämpfe mit Bären ein beliebtes Spektakel. Schausteller entfernten den Tieren Zähne und Krallen.

Die 38.000-Einwohner-Stadt Kennesaw in Georgia führte in den 80ern eine Waffen- und Munitions-Besitzpflicht für jeden „Haushaltsvorstand“ ein, „um die Sicherheit und das allgemeine Wohlergehen der Stadt und ihrer Einwohner zu gewährleisten und zu schützen.“ Kontrollen gibt es nicht.

So mancher Amerikaner darf
keine Wäsche im eigenen Garten
aufhängen. Das verbieten teilweise Hauseigentümer-Vereinigungen. In einigen Bundesstaaten gibt es zwar das „Recht auf Trocknen“. Wäscheleinen in den Vorgärten sind davon aber in der Regel ausgenommen.

In den 60er Jahren gab es im Bezirk Skamania (Washington) viele Sichtungen des „Bigfoot“ (wörtlich großer Fuß) – einer legendären riesigen Kreatur, halb Mensch,
halb Affe. Es waren danach so
viele Jäger unterwegs, dass eine
Verordnung zum Schutz des Wesens beschlossen wurde. Bei Verletzung eines „Bigfoot“ drohen ein Jahr Haft oder 1.000 Dollar Strafe. Das sollte verhindern, dass die Jäger Menschen gefährden.

So manches „verrückte“ Gesetz
in den USA entpuppt sich als Märchen. So wird etwa immer wieder berichtet, dass es im Bundesstaat Minnesota verboten ist, die Grenze mit einer Ente auf dem Kopf zu überschreiten. Ein solches Gesetz gab es nie, bestätigte ein dortiger Parlamentsvertreter.