Isabelle Huppert, 73:
„Meine Arbeit ist ein Abenteuer“
Um Schauspielerin zu werden, hielt sich Isabelle Huppert für zu untalentiert. Sie irrte. Mittlerweile hat sie weit mehr als 100 Filme gedreht, und ein Ende ist nicht abzusehen.
Warum jemand die Schauspielerei als Berufsweg wählt, liegt für Isabelle Huppert klarauf der Hand. „Ich denke, man wird Schauspieler, weil man vieles nicht kann. Das führt zu der Überlegung, einen Text aufzusagen – das kann jede und jeder. Dass es bei den meisten dann ganz anders kommt, wissen wir.“

Bei der am 16. März 1953 in der französischen Metropole Paris geborenen Tochter eines Ingenieurs und einer Englischlehrerin kam es jedoch nicht anders. Zwar hielt sie sich für untalentiert und für zu wenig hübsch, trotzdem nahm sie bereits mit 14 Jahren Schauspielunterricht. „Meine Eltern haben es mir angeboten, und ich habe es instinktiv akzeptiert“, meint sie. „Und mit der Zeit habe ich es interessant gefunden. Vielleicht war es meine Bestimmung. Außerdem, etwas zu spielen, und dafür Beifall vom Publikum zu bekommen, erzeugt eine Art Sucht.“

Sie war 19 Jahre alt, als sie an der Seite von Romy Schneider und Yves Montand in „César und Rosalie“ in einer interessanten Nebenrolle erstmals Regisseure und Produzenten auf sich aufmerksam machte. Danach ging‘s schnell. In Hollywood bekam sie eine Hauptrolle in dem Epos „Heaven‘s Gate“, in Europa begeisterte sie in der Krimikomödie „Der Saustall“. Im Jahr 2001 engagierte sie der heimische „Oscar“-Preisträger Michael Haneke für die Titelrolle in dem nach einem Roman von Elfriede Jelinek gedrehten Drama „Die Klavierspielerin“.

Bislang hat Huppert mehr als 100 Filme gedreht, darunter auch die als „Wohlfühlkino“ gelobte Geschichte „Mrs. Harris und ein Kleid von Dior“, die jetzt ins Fernsehen kommt.

Die zahlreichen Auszeichnungen, die sie für ihr Schaffen erhielt, freuen sie, haben für sie aber „wenig Bedeutung“. „Meine Karriere war mir nie so wichtig wie meine Kinder“, erklärt Huppert. „Aber ich wollte neben meinen Aufgaben als Mutter immer arbeiten. Das funktioniert auch, wenn sich die Betreffende Mühe gibt. Die Ansicht, Frauen sollten keine Kinder kriegen, wenn sie sich dann nicht ausschließlich Zeit für sie nehmen, halte ich für einen Unsinn.“

Die Pariserin ist seit 44 Jahren mit dem libanesischen Regisseur und Produzenten Ronald Chammah, 75, verheiratet. Das Paar hat die Tochter Lolita, 42, sowie die Söhne Lorenzo, 40, und Angelo 28. Tipps für eine so lange und glückliche Ehe gibt sie nicht, nur soviel: „Wir haben eben drei Kinder und beruflich die gleiche Leidenschaft.“

Die Schauspielerei bereitet ihr nach wie vor Freude. „Meine Arbeit ist ein Abenteuer“, betont sie. „Bei jedem Film lerne ich neue Menschen kennen, und jede Geschichte, die wir erzählen, bedeutet für mich zumindest teilweise Neuland. Wäre es anders, würde ich nicht mitspielen, denn dann wäre es ja nur Routine oder ein Klischee.“

Dass sie für ihre Arbeit nicht annähernd so hohe Gagen erhält wie ihre Hollywood-Kolleginnen, stört Huppert nicht. „Ich bin reich genug“, meint sie. „Reichtum besteht ja nicht nur aus Geld oder Immobilien. Nichts kann einen Menschen reicher machen als eine glückliche Familie und gesunde Kinder.“