Nostalgie auf acht Rollen
Seit einigen Jahren erfreut sich das Rollschuhfahren, vor allem das Tanzen auf Rollschuhen, immer größerer Beliebtheit.
„Aint Nobody“ der amerikanischen Sängerin Chaka Khan schallt aus den Lautsprechern im Turnsaal des Hernalser Gymnasiums im 17. Wiener Gemeindebezirk. Eine Gruppe von Frauen unterschiedlichen Alters hat sich an diesem Mittwochabend versammelt. Sie haben Rollschuhe an den Füßen, Hand- und Knieschoner, es kann losgehen.
Eva Baumgartner, Fitnesstrainerin, steht vor ihnen und klatscht den Takt vor. „Fünf, sechs, sieben, acht.“ Langsam versuchen sich die Teilnehmerinnen – auf acht
Rollen dahingleitend – an der Tanzchoreografie.
„Die Kunst ist, es leicht aussehen zu lassen. Lernen,
ohne zu stürzen, ist unmöglich. Das gehört einfach dazu“, sagt Baumgartner und beobachtet das Geschehen mit einem Lächeln im Gesicht. Die 38jährige ist Mitgründerin und stellvertretende Obfrau des Wiener Vereines „Powerjam Roller Skate“. Sie hat den Verein gemeinsam mit ihrer Freundin Riannon Clarke ins Leben gerufen.
Die beiden kennen einander vom Rollerderby, einem Vollkontaktsport auf klassischen Rollschuhen. Sie trainierten gemeinsam, fuhren Wettbewerbe und waren
fasziniert von der Dynamik des Spieles.
Dann kam das Jahr 2020 und die Corona-Pandemie. Der Kontaktsport war plötzlich unmöglich. Hallen wurden geschlossen, Trainingseinheiten abgesagt. Für viele Sportler bedeutete das Stillstand, nicht für die beiden Rollschuhfahrerinnen.
„Wir wollten trotzdem weiterfahren“, erzählt die gebürtige Kärntnerin. Aus den Trainings an der frischen Luft mit Sicherheitsabstand wurde eine Gruppe. Aus dieser Gruppe wurde 2022 schließlich ein Verein, der mittlerweile zu einer bunten Gemeinschaft von mehr als
120 Rollschuh-Begeisterten wurde.
„Der Rollschuhtanz weckt nostalgische Gefühle.
Viele denken sofort an die 70er und 80er Jahre, an glitzernde Schlaghosen, Discokugeln und ausgefallene neonfarbene Kleidung mit Pailletten.“ Dabei kamen die Rollschuhe bereits im 19. Jahrhundert nach Europa, im Jahr 1876 gab es hierzulande die ersten Rollschuhbahnen.
Die Wurzeln des Sports liegen allerdings in Amerika, dem Heimatland der Mitbegründerin Riannon Clarke.
Clarke, ebenfalls Fitnesstrainerin, hat die meiste Zeit ihrer Kindheit auf Rollschuhen verbracht. Auch Baumgartner hat ihre Leidenschaft früh entdeckt. Mit sechs Jahren hat sie das erste Paar Rollschuhe geschenkt bekommen. Wobei es gar nicht so einfach ist, gute Rollschuhe zu finden. „Hersteller von hochwertigen Modellen gibt es nur wenige. Wir beziehen unsere Rollschuhe üblicherweise von einem Wiener Unternehmen, in dem auch Eislaufschuhe gefertigt werden.“ Preislich liegen die Schuhe je nach Farbe und Modell zwischen 100 und 600 Euro.
Was in Videos verspielt aussieht, verlangt erstaunlich viel Körperarbeit. „Es braucht Körperspannung und Lockerheit gleichermaßen“, erklärt Baumgartner. Rollschuhfahren trainiert das Gleichgewicht, die Koordination und die gesamte Körpermitte. Neue Schritt-
folgen („Riffs“) und Drehungen („Spins“) fordern das
Gehirn ebenso wie die Muskulatur. Tipps vom Profi: „Nicht die Knie nach innen fallen lassen und nicht auf den Boden schauen.“
Bei den typischen Trainingsabenden treffen
Menschen aufeinander, die „sich außerhalb des Vereines vermutlich nie begegnen würden.“ Für Stella Karagiorgou, 30, ist Rollschuhfahren „die perfekte Kombination aus Sport und Kreativität.“
Maren Riebe, 40, pflichtet ihr bei. „Skaten ist für mich der ideale Ausgleich zum Beruf.“ Außerdem stellt es eine Auszeit dar, in der die Mobiltelefone zwei Stunden in der Tasche bleiben.
Verena Klöckl kommt jede Woche genau aus diesem Grund. „Beim Training gelingt es mir, ein paar Stunden lang den Alltagsstress zu vergessen“, sagt die 39jährige. Die jüngste Skaterin im Verein ist 21 Jahre alt, die älteste 65. Der Anteil der Frauen überwiegt, „aber wir sind offen für alle Geschlechter“, betont Baumgartner.
Die meisten kommen allein zur ersten Schnuppereinheit und bleiben wegen der Atmosphäre. Denn „Powerjam Roller Skate“ versteht sich nicht als Leistungsverein, stattdessen steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Den Gemeinschaftsgedanken erleben Baumgartner und Clarke nicht nur in Wien. Über das Hobby entstanden im Laufe der Jahre Kontakte quer durch Europa. Heute tritt der Verein regelmäßig bei Veranstaltungen auf.
Der bislang größte Auftritt führte die Gruppe zur
Rollerderby-Weltmeisterschaft nach Innsbruck (Tirol).
So erfolgreich die Entwicklung auch ist – ein Problem
begleitet den Verein bis heute.
„Rollschuhe sind nicht überall gern gesehen. Die Hallenbetreiber sorgen sich um Böden, geeignete Flächen sind rar.“ Derzeit wird in angemieteten Turnhallen trainiert. Langfristig träumen die Vereinsmitglieder von einer eigenen Halle, „vielleicht sogar von einer echten Rollschuhbahn im Wiener Prater“.
Für einen monatlichen Beitrag von 40 Euro stehen den Rollschuhfahrern drei Trainingseinheiten pro Woche zur Verfügung, den Anfängern werden eigene Kurse angeboten.
Wer mitmachen möchte, muss volljährig sein, da es keine Kinder- und Jugendkurse gibt. Rollschuhe und Schutzausrüstung können auf Anfrage ausgeliehen werden. Die wichtigste Regel aber lautet:
„Spaß haben und ausprobieren. Hinfallen, aufstehen, weitermachen.“ Schuh
Eva Baumgartner, Fitnesstrainerin, steht vor ihnen und klatscht den Takt vor. „Fünf, sechs, sieben, acht.“ Langsam versuchen sich die Teilnehmerinnen – auf acht
Rollen dahingleitend – an der Tanzchoreografie.
„Die Kunst ist, es leicht aussehen zu lassen. Lernen,
ohne zu stürzen, ist unmöglich. Das gehört einfach dazu“, sagt Baumgartner und beobachtet das Geschehen mit einem Lächeln im Gesicht. Die 38jährige ist Mitgründerin und stellvertretende Obfrau des Wiener Vereines „Powerjam Roller Skate“. Sie hat den Verein gemeinsam mit ihrer Freundin Riannon Clarke ins Leben gerufen.
Die beiden kennen einander vom Rollerderby, einem Vollkontaktsport auf klassischen Rollschuhen. Sie trainierten gemeinsam, fuhren Wettbewerbe und waren
fasziniert von der Dynamik des Spieles.
Dann kam das Jahr 2020 und die Corona-Pandemie. Der Kontaktsport war plötzlich unmöglich. Hallen wurden geschlossen, Trainingseinheiten abgesagt. Für viele Sportler bedeutete das Stillstand, nicht für die beiden Rollschuhfahrerinnen.
„Wir wollten trotzdem weiterfahren“, erzählt die gebürtige Kärntnerin. Aus den Trainings an der frischen Luft mit Sicherheitsabstand wurde eine Gruppe. Aus dieser Gruppe wurde 2022 schließlich ein Verein, der mittlerweile zu einer bunten Gemeinschaft von mehr als
120 Rollschuh-Begeisterten wurde.
„Der Rollschuhtanz weckt nostalgische Gefühle.
Viele denken sofort an die 70er und 80er Jahre, an glitzernde Schlaghosen, Discokugeln und ausgefallene neonfarbene Kleidung mit Pailletten.“ Dabei kamen die Rollschuhe bereits im 19. Jahrhundert nach Europa, im Jahr 1876 gab es hierzulande die ersten Rollschuhbahnen.
Die Wurzeln des Sports liegen allerdings in Amerika, dem Heimatland der Mitbegründerin Riannon Clarke.
Clarke, ebenfalls Fitnesstrainerin, hat die meiste Zeit ihrer Kindheit auf Rollschuhen verbracht. Auch Baumgartner hat ihre Leidenschaft früh entdeckt. Mit sechs Jahren hat sie das erste Paar Rollschuhe geschenkt bekommen. Wobei es gar nicht so einfach ist, gute Rollschuhe zu finden. „Hersteller von hochwertigen Modellen gibt es nur wenige. Wir beziehen unsere Rollschuhe üblicherweise von einem Wiener Unternehmen, in dem auch Eislaufschuhe gefertigt werden.“ Preislich liegen die Schuhe je nach Farbe und Modell zwischen 100 und 600 Euro.
Was in Videos verspielt aussieht, verlangt erstaunlich viel Körperarbeit. „Es braucht Körperspannung und Lockerheit gleichermaßen“, erklärt Baumgartner. Rollschuhfahren trainiert das Gleichgewicht, die Koordination und die gesamte Körpermitte. Neue Schritt-
folgen („Riffs“) und Drehungen („Spins“) fordern das
Gehirn ebenso wie die Muskulatur. Tipps vom Profi: „Nicht die Knie nach innen fallen lassen und nicht auf den Boden schauen.“
Bei den typischen Trainingsabenden treffen
Menschen aufeinander, die „sich außerhalb des Vereines vermutlich nie begegnen würden.“ Für Stella Karagiorgou, 30, ist Rollschuhfahren „die perfekte Kombination aus Sport und Kreativität.“
Maren Riebe, 40, pflichtet ihr bei. „Skaten ist für mich der ideale Ausgleich zum Beruf.“ Außerdem stellt es eine Auszeit dar, in der die Mobiltelefone zwei Stunden in der Tasche bleiben.
Verena Klöckl kommt jede Woche genau aus diesem Grund. „Beim Training gelingt es mir, ein paar Stunden lang den Alltagsstress zu vergessen“, sagt die 39jährige. Die jüngste Skaterin im Verein ist 21 Jahre alt, die älteste 65. Der Anteil der Frauen überwiegt, „aber wir sind offen für alle Geschlechter“, betont Baumgartner.
Die meisten kommen allein zur ersten Schnuppereinheit und bleiben wegen der Atmosphäre. Denn „Powerjam Roller Skate“ versteht sich nicht als Leistungsverein, stattdessen steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Den Gemeinschaftsgedanken erleben Baumgartner und Clarke nicht nur in Wien. Über das Hobby entstanden im Laufe der Jahre Kontakte quer durch Europa. Heute tritt der Verein regelmäßig bei Veranstaltungen auf.
Der bislang größte Auftritt führte die Gruppe zur
Rollerderby-Weltmeisterschaft nach Innsbruck (Tirol).
So erfolgreich die Entwicklung auch ist – ein Problem
begleitet den Verein bis heute.
„Rollschuhe sind nicht überall gern gesehen. Die Hallenbetreiber sorgen sich um Böden, geeignete Flächen sind rar.“ Derzeit wird in angemieteten Turnhallen trainiert. Langfristig träumen die Vereinsmitglieder von einer eigenen Halle, „vielleicht sogar von einer echten Rollschuhbahn im Wiener Prater“.
Für einen monatlichen Beitrag von 40 Euro stehen den Rollschuhfahrern drei Trainingseinheiten pro Woche zur Verfügung, den Anfängern werden eigene Kurse angeboten.
Wer mitmachen möchte, muss volljährig sein, da es keine Kinder- und Jugendkurse gibt. Rollschuhe und Schutzausrüstung können auf Anfrage ausgeliehen werden. Die wichtigste Regel aber lautet:
„Spaß haben und ausprobieren. Hinfallen, aufstehen, weitermachen.“ Schuh








