Prozess gegen Villacher Messer-Attentäter –
Auch in Haft will er Hälse aufschlitzen
Auch in Haft will er Hälse aufschlitzen
Mitte nächster Woche steht der Villach-Attentäter in Klagenfurt vor Gericht. In Haft gilt der Angeklagte als Ausnahmefall. Der Syrer ist gefährlich, unberechenbar und ohne Reue.
Sie war nicht am Tatort. Sie wurde nicht verletzt. Und doch hat der Anschlag etwas in ihr verändert. „Jeden Tag in der Früh, wenn ich zur Schule gehe, muss ich über diese Brücke. Früher habe ich dabei Musik gehört oder auf mein Mobiltelefon geschaut. Heute sind meine Hände in den Taschen zur Faust geballt. Mein Herz fängt an zu rasen, sobald ich die Innenstadt erreiche. Jedes Mal, wenn jemand hinter mir etwas schneller geht oder eine Kapuze tief im Gesicht trägt, zieht sich mein Magen zusammen. Ich merke, wie ich die Luft anhalte, bis ich endlich im Schulgebäude bin“, erzählt eine 16jährige Schülerin. Für sie ist die Draubrücke heute ein Ort, an dem die Angst zurückkommt. Die Angst vor dem, was am 15. Februar 2025 in Villach (Kärnten) passiert ist.
Es war ein Samstagnachmittag, kurz vor 16 Uhr, als in der Innenstadt ein Mann plötzlich mit einem Messer auf Passanten losging. Der Angriff dauerte nur wenige Minuten, doch er riss eine ganze Stadt aus ihrem Sicherheitsgefühl. Ein 14jähriger Schüler wurde
getötet, fünf weitere Menschen verletzt, einige von ihnen schwer, teils lebensgefährlich. Drei Opfer mussten nach der Tat auf der Intensivstation behandelt werden. Unter den Verletzten waren zwei 15jährige, Freunde des Getöteten, sowie Männer im Alter von 28, 32 und 36 Jahren. Die beiden Jugendlichen erlitten schwerste Herz- und Bauchstiche, konnten jedoch durch Notoperationen gerettet werden. Der mutmaßliche Täter, ein damals 23jähriger Syrer, soll laut Zeugenaussagen wahllos auf Menschen eingestochen haben.
Als Folge dieses Attentates wurde nicht nur der Faschingsumzug in Villach abgesagt, sondern auch die Faschingssitzungen der Gilde sowie deren Fernsehübertragung im ORF. Am 27. und 28. Mai muss sich der Angeklagte nun am Landesgericht Klagenfurt verantworten. Ihm werden Mord, mehrfacher Mordversuch und terroristische Straftaten vorgeworfen.
Die Nachwirkungen des Terroraktes sind in Villach deutlich zu spüren. Unter anderem bei Manfred Berger, der nicht einfach zur Tagesordnung übergehen konnte. Der 64jährige Sicherheitsunternehmer aus Velden (K), der seit mehr als 20 Jahren mit rund 40 Mitarbeitern für den reibungslosen Ablauf des Hahnenkamm-Rennens auf der Kitzbüheler Streif (T) sorgt, wollte in Villach sogar eine Bürgerwehr gründen.
„Meine Kinder gehen jeden Tag über genau dieselbe Brücke, auf der das Attentat begangen wurde“, sagt Berger. Seine Söhne sind 18 und 22 Jahre alt. Für Berger war nach der Messerattacke klar: „Die Anschläge kommen immer näher zu uns. Es braucht eine Bürgerwehr.“ Seine Idee bestand darin, dass in enger Zusammenarbeit mit der Polizei ehrenamtliche Gruppen in Warnwesten durch die Innenstadt patrouillieren sollten – vor Geschäften, bei Schulen, an Orten, an denen sich viele Menschen bewegen. „Es wäre darum gegangen, den Unternehmern und Kunden ein stärkeres Sicherheitsgefühl zu geben“, erklärt der Kärntner. Auch Pfefferspray und Elektroschocker seien als Eigenschutz vorgesehen gewesen. „Es ging mir nicht um Selbstjustiz“, betont er, „sondern um Prävention, Sichtbarkeit und Abschreckung.“
Das Interesse sei groß gewesen. Rund 1.000 Menschen hätten sich damals bei ihm gemeldet, vom Jugendlichen bis zum Senior. Doch aus der Bürgerwehr wurde nichts. Berger sagt, er habe keine Unterstützung bekommen – weder von der Stadt Villach noch vom damaligen Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser. Auch die Polizei habe das Vorhaben kritisch gesehen. „Mir wurden nur Prügel in den Weg gelegt.“ Nach rund zwei Monaten blies er das Projekt wieder ab.
Jetzt sieht er dem Prozess in der kommenden Woche mit Spannung entgegen. Wie viele andere aus dem In- und Ausland auch. Das Interesse ist bereits im Vorfeld groß. Die Sicherheitsmaßnahmen im Gerichtssaal sind es ebenso. Für Medien gilt ein striktes Foto- und Filmverbot, Richter und Geschworene sollen namentlich nicht genannt werden. Der Angeklagte soll im Gerichtssaal zudem hinter einer Glas-Trennwand sitzen.
In der Justizanstalt Klagenfurt gilt der Syrer als Ausnahmefall. Oberst Josef Gramm, Leiter der Anstalt, bezeichnet ihn als den gefährlichsten Häftling, den er in seiner Laufbahn in Kärnten erlebt habe. Seit rund 14 Monaten sitzt er in Klagenfurt in Untersuchungshaft. Der Aufwand, ihn sicher unterzubringen, ist enorm.
„Er versucht, aus allem, was wir ihm geben, etwas Stichähnliches zu machen, womit er Menschen verletzen könnte“, sagt Gramm. Selbst scheinbar harmlose Gegenstände würden zum Risiko, darunter Löffel, Plastikgehäuse und Fernbedienungen.
Immer wieder versuche der Angeklagte, Dinge zuzuspitzen oder so zu verändern, dass sie als Waffe verwendet werden könnten.
Der Syrer bekommt weiches Einwegbesteck und isst von Papptellern. Sein Haftraum ist gesichert und video-
überwacht, das Bett festgeschraubt. Bevor er die Zelle verlässt, wird er jedes Mal auf gefährliche Gegenstände durchsucht. Außerhalb des Haftraumes begleiten ihn stets zwei besonders geschulte Justizwachebeamte. Auch im direkten Umgang mit dem Angeklagten zeige sich laut Gramm seine Gefährlichkeit. „Gegenüber Mitarbeitern hat er mit Handbewegungen und Gesten angedeutet, ihnen den Hals durchschneiden zu wollen. Er zeigt keine Reue.“ Dabei sei mehrfach versucht worden, auf den Syrer einzuwirken. Neben dem Sozialen und Psychologischen Dienst wurde auch ein vom Justizministerium beigezogener Imam eingebunden. „Er versuchte, mit ihm die Geschehnisse aufzuarbeiten und Hintergründe zu erfragen, aber ohne Erfolg“, erläutert Gramm.
Aufgrund der Gefährlichkeit des Gefangenen mussten eben auch mehr Sicherheitsvorkehrungen im Gerichtssaal getroffen werden. Hinweise auf Störungen der Verhandlung gebe es laut Oberst Gramm derzeit nicht. Dennoch ist der Aufwand enorm. Jeder Gegenstand, jede Bewegung und jeder Kontakt müssen kontrolliert werden. „Das ist äußerst aufwendig“, erklärt Gramm, der in seiner Justizanstalt Klagenfurt rund 170 Mitarbeiter hat, die 380 Inhaftierte bewachen müssen. Wobei der Anstaltsleiter betont, noch nie einen derartigen Fall in Kärnten erlebt zu haben. In seiner jahrzehntelangen Laufbahn, davon 17 Jahre in Klagenfurt, sei ihm kein Häftling mit einer derart hohen Brisanz untergekommen.
Wobei der Strafvollzug in unserem Land über diesen extremen Fall hinaus einen großen Kostenfaktor darstellt. Laut Justizministerium waren mit Stand 1. Mai insgesamt 10.073 Personen im Strafvollzug erfasst. Etwa 4.840 davon waren österreichische Staatsbürger, 5.110 hatten keine österreichische Staatsbürgerschaft. Weitere 120 Insassen wurden mit unbekannter Staatsbürgerschaft geführt.
Bei durchschnittlich rund 182 Euro netto pro Hafttag kostet ein Insasse die Steuerzahler mehr als 66.000 Euro im Jahr. Auf 20 Jahre gerechnet wären das mehr als 1,3 Millionen Euro. Im Fall des terroristischen Syrers, dem bei einer Verurteilung lebenslange Haft droht, könnten besondere Sicherheitsvorkehrungen den Aufwand zusätzlich erhöhen. morri
Es war ein Samstagnachmittag, kurz vor 16 Uhr, als in der Innenstadt ein Mann plötzlich mit einem Messer auf Passanten losging. Der Angriff dauerte nur wenige Minuten, doch er riss eine ganze Stadt aus ihrem Sicherheitsgefühl. Ein 14jähriger Schüler wurde
getötet, fünf weitere Menschen verletzt, einige von ihnen schwer, teils lebensgefährlich. Drei Opfer mussten nach der Tat auf der Intensivstation behandelt werden. Unter den Verletzten waren zwei 15jährige, Freunde des Getöteten, sowie Männer im Alter von 28, 32 und 36 Jahren. Die beiden Jugendlichen erlitten schwerste Herz- und Bauchstiche, konnten jedoch durch Notoperationen gerettet werden. Der mutmaßliche Täter, ein damals 23jähriger Syrer, soll laut Zeugenaussagen wahllos auf Menschen eingestochen haben.
Als Folge dieses Attentates wurde nicht nur der Faschingsumzug in Villach abgesagt, sondern auch die Faschingssitzungen der Gilde sowie deren Fernsehübertragung im ORF. Am 27. und 28. Mai muss sich der Angeklagte nun am Landesgericht Klagenfurt verantworten. Ihm werden Mord, mehrfacher Mordversuch und terroristische Straftaten vorgeworfen.
Die Nachwirkungen des Terroraktes sind in Villach deutlich zu spüren. Unter anderem bei Manfred Berger, der nicht einfach zur Tagesordnung übergehen konnte. Der 64jährige Sicherheitsunternehmer aus Velden (K), der seit mehr als 20 Jahren mit rund 40 Mitarbeitern für den reibungslosen Ablauf des Hahnenkamm-Rennens auf der Kitzbüheler Streif (T) sorgt, wollte in Villach sogar eine Bürgerwehr gründen.
„Meine Kinder gehen jeden Tag über genau dieselbe Brücke, auf der das Attentat begangen wurde“, sagt Berger. Seine Söhne sind 18 und 22 Jahre alt. Für Berger war nach der Messerattacke klar: „Die Anschläge kommen immer näher zu uns. Es braucht eine Bürgerwehr.“ Seine Idee bestand darin, dass in enger Zusammenarbeit mit der Polizei ehrenamtliche Gruppen in Warnwesten durch die Innenstadt patrouillieren sollten – vor Geschäften, bei Schulen, an Orten, an denen sich viele Menschen bewegen. „Es wäre darum gegangen, den Unternehmern und Kunden ein stärkeres Sicherheitsgefühl zu geben“, erklärt der Kärntner. Auch Pfefferspray und Elektroschocker seien als Eigenschutz vorgesehen gewesen. „Es ging mir nicht um Selbstjustiz“, betont er, „sondern um Prävention, Sichtbarkeit und Abschreckung.“
Das Interesse sei groß gewesen. Rund 1.000 Menschen hätten sich damals bei ihm gemeldet, vom Jugendlichen bis zum Senior. Doch aus der Bürgerwehr wurde nichts. Berger sagt, er habe keine Unterstützung bekommen – weder von der Stadt Villach noch vom damaligen Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser. Auch die Polizei habe das Vorhaben kritisch gesehen. „Mir wurden nur Prügel in den Weg gelegt.“ Nach rund zwei Monaten blies er das Projekt wieder ab.
Jetzt sieht er dem Prozess in der kommenden Woche mit Spannung entgegen. Wie viele andere aus dem In- und Ausland auch. Das Interesse ist bereits im Vorfeld groß. Die Sicherheitsmaßnahmen im Gerichtssaal sind es ebenso. Für Medien gilt ein striktes Foto- und Filmverbot, Richter und Geschworene sollen namentlich nicht genannt werden. Der Angeklagte soll im Gerichtssaal zudem hinter einer Glas-Trennwand sitzen.
In der Justizanstalt Klagenfurt gilt der Syrer als Ausnahmefall. Oberst Josef Gramm, Leiter der Anstalt, bezeichnet ihn als den gefährlichsten Häftling, den er in seiner Laufbahn in Kärnten erlebt habe. Seit rund 14 Monaten sitzt er in Klagenfurt in Untersuchungshaft. Der Aufwand, ihn sicher unterzubringen, ist enorm.
„Er versucht, aus allem, was wir ihm geben, etwas Stichähnliches zu machen, womit er Menschen verletzen könnte“, sagt Gramm. Selbst scheinbar harmlose Gegenstände würden zum Risiko, darunter Löffel, Plastikgehäuse und Fernbedienungen.
Immer wieder versuche der Angeklagte, Dinge zuzuspitzen oder so zu verändern, dass sie als Waffe verwendet werden könnten.
Der Syrer bekommt weiches Einwegbesteck und isst von Papptellern. Sein Haftraum ist gesichert und video-
überwacht, das Bett festgeschraubt. Bevor er die Zelle verlässt, wird er jedes Mal auf gefährliche Gegenstände durchsucht. Außerhalb des Haftraumes begleiten ihn stets zwei besonders geschulte Justizwachebeamte. Auch im direkten Umgang mit dem Angeklagten zeige sich laut Gramm seine Gefährlichkeit. „Gegenüber Mitarbeitern hat er mit Handbewegungen und Gesten angedeutet, ihnen den Hals durchschneiden zu wollen. Er zeigt keine Reue.“ Dabei sei mehrfach versucht worden, auf den Syrer einzuwirken. Neben dem Sozialen und Psychologischen Dienst wurde auch ein vom Justizministerium beigezogener Imam eingebunden. „Er versuchte, mit ihm die Geschehnisse aufzuarbeiten und Hintergründe zu erfragen, aber ohne Erfolg“, erläutert Gramm.
Aufgrund der Gefährlichkeit des Gefangenen mussten eben auch mehr Sicherheitsvorkehrungen im Gerichtssaal getroffen werden. Hinweise auf Störungen der Verhandlung gebe es laut Oberst Gramm derzeit nicht. Dennoch ist der Aufwand enorm. Jeder Gegenstand, jede Bewegung und jeder Kontakt müssen kontrolliert werden. „Das ist äußerst aufwendig“, erklärt Gramm, der in seiner Justizanstalt Klagenfurt rund 170 Mitarbeiter hat, die 380 Inhaftierte bewachen müssen. Wobei der Anstaltsleiter betont, noch nie einen derartigen Fall in Kärnten erlebt zu haben. In seiner jahrzehntelangen Laufbahn, davon 17 Jahre in Klagenfurt, sei ihm kein Häftling mit einer derart hohen Brisanz untergekommen.
Wobei der Strafvollzug in unserem Land über diesen extremen Fall hinaus einen großen Kostenfaktor darstellt. Laut Justizministerium waren mit Stand 1. Mai insgesamt 10.073 Personen im Strafvollzug erfasst. Etwa 4.840 davon waren österreichische Staatsbürger, 5.110 hatten keine österreichische Staatsbürgerschaft. Weitere 120 Insassen wurden mit unbekannter Staatsbürgerschaft geführt.
Bei durchschnittlich rund 182 Euro netto pro Hafttag kostet ein Insasse die Steuerzahler mehr als 66.000 Euro im Jahr. Auf 20 Jahre gerechnet wären das mehr als 1,3 Millionen Euro. Im Fall des terroristischen Syrers, dem bei einer Verurteilung lebenslange Haft droht, könnten besondere Sicherheitsvorkehrungen den Aufwand zusätzlich erhöhen. morri








