Holen Sie Ihre Füße aus dem Winterschlaf
Die Füße stecken im Winter in festen, oft zu engen Schuhen.
Das bleibt nicht ohne Folgen. Hühneraugen, eingewachsene Nägel und Schwielen sollten jedoch nie selbst behandelt werden.
Fußpflegerin Mirela Matijevic weiß, welche Hilfe notwendig ist.
Nach dem Winter brauchen unsere Füße intensive Pflege, um Trockenheit, Hornhaut und Kältefolgen zu beseitigen.

Leider sind in manchen Fällen die Schäden an der Haut und an den Fußnägeln so groß, dass ein warmes Fußbad, die Pflege mit dem Bimsstein sowie eine reichhaltige Creme und Zehengymnastik nicht genügen, um die Füße fit für den Frühling zu machen. Vor allem Menschen mit Diabetes müssen auf ihre Füße besonders acht geben. Das Diabetische Fußsyndrom betrifft Menschen mit Diabetes Mellitus Typ 1 und Typ 2.

Ein Hauptproblem ist die periphere Diabetische Polyneuropathie, eine Schädigung der Nerven in den Extremitäten. Sie bewirkt Körperwahrnehmungsstörungen und dadurch eine Vernachlässigung eventueller Symptome, warnt Dr. Gerd Köhler von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der MedUni Graz. „Für den Patienten fühlt sich der Fuß normal an, weil er in diesem Bereich nicht mehr richtig fühlen kann. Trotz Druckstellen und offener Stellen wird das Problem vom Patienten ignoriert, weil nichts wehtut. Die medizinischen Fachkräfte sehen diese Stellen oft erst spät, weil Füße leider zu wenig kontrolliert werden.“

Diabetische Füße sind freilich nicht die einzige Form von gesundheitlichen Fußproblemen, wie die ausgebildete Fußpflegerin Mst. Mirela Matijevic bestätigt. Sie führt ihren Salon seit 18 Jahren in Wien-Meidling und ist unter anderem auf Diabetische Fußpflege, Fußdeformationen und Reflexzonenmassage für Fuß und Hand spezialisiert. „Eingewachsene Zehennägel gehören zu den häufigen Beschwerden an den Füßen. Oft sind sie hausgemacht. Häufig entsteht das Problem durch zu kurzes oder zu tiefes Schneiden der Nägel. In Kombination mit zu engen Schuhen oder Socken kann dies zu schmerzhaften Entzündungen an den Nagelecken führen. Wird zu lange gewartet, können sich sogar sogenanntes
,wildes Fleisch‘ oder eitrige Infektionen bilden.“

Hilfe gibt es in solchen Fällen nur von professionellen Fußpflegern und Podologen, die mit gezielten Behandlungen den Nagel wieder in die richtige Wuchsrichtung lenken, meist nahezu schmerzfrei. „Je nach Situation kommen verschiedene Methoden zum Einsatz, etwa das Einlegen von Nagelfalztamponaden (= Ausfüllen mit spezieller Gaze) zur Dehnung oder zum Schutz des Nagelfalzes, spezielle Nagelspangen oder eine Nagelprothetik, also ein künstlicher Nagel.“

„Ist der Nagel beschädigt, wird eine Nagelprothetik eingesetzt“, erklärt Matijevic. „Das ist besonders hilfreich, wenn ein Nagel durch Verletzungen teilweise fehlt oder beschädigt ist. So kann der Nagel nicht nur funktionell, sondern auch ästhetisch verbessert werden.“

Zu den häufigsten Leiden an den Füßen gehören Druckstellen und Hühneraugen. „Ständiger Druck durch unpassende Schuhe auf unsere Zehen kann zu schmerzhaften Druckstellen bis hin zu Hühneraugen führen. Nur durch ein fachgerechtes Entfernen und eine gezielte Druckentlastung lässt sich schnell Besserung erreichen. Neben den klassischen Methoden kommen individuell angepasste Hilfsmittel wie Orthesen zum Einsatz. Solche Druckentlastungen können zudem helfen, Fehlstellungen von Fuß und Zehen vorzubeugen oder deren Entwicklung zu verlangsamen. Zu den bekanntesten Fehlstellungen gehören der Ballenzeh sowie Hammer- und Krallenzehen“, weiß die Fußpflegerin.

Größte Vorsicht und ausschließlich Profi-Hände sind bei Menschen mit Diabetes geboten. „Diabetiker bemerken Verletzungen an den Füßen, vor allem an Fußsohlen und Fersen, oft erst spät. Der Grund sind Nervenschädigungen und Durchblutungsstörungen, die durch dauerhaft erhöhten Blutzucker entstehen können. Schon Ursachen wie Blasen, Bagatellverletzungen oder kleinste eingetretene Fremdkörper können zu Wunden führen. Werden diese zu lange nicht erkannt oder behandelt, kann es in schweren Fällen sogar zu Amputationen kommen. Deshalb ist für Diabetiker neben der täglichen Kontrolle der Füße eine regelmäßige, fachgerechte Fußpflege besonders wichtig“, betont Matijevic.

Gesunde und gepflegte Füße, von der Haut bis zu den Nägeln, wünschen sich alle Menschen. Vor allem, wenn die warme Jahreszeit beginnt, rücken die Füße wieder stärker in den Fokus. „Rissige Fersen, die im Winter verborgen waren, werden wieder sichtbar. Zwar gibt es keinen Zauberstab, der mit nur einer Behandlung perfekt Sandalen-taugliche Füße zaubert, doch der erste Schritt ist schnell gemacht. Mit den richtigen Produkten, regelmäßigen Behandlungen, professionellen Tipps und etwas Mitarbeit können Sie Ihre Füße das ganze Jahr gesund und gepflegt halten. Wer erlebt hat, wie wohltuend eine professionelle Pflege sein kann, wird seine Füße nie wieder in den Winterschlaf schicken.“


Diese Gesundheitsgefahren drohen bei …

… rissiger Haut an den Füßen:


Juckreiz, Schmerzen beim Gehen und Stehen,
Infektionen durch Bakterien und Pilze

… Hühneraugen:

stechende Schmerzen, Rötung, Schwellung,
Entzündung bis zur Knochenhaut,
Fehlbelastungen, Einblutungen.

… eingewachsenen Fußnägeln:

starke, stechende Schmerzen, Rötung,
Schwellung und Entzündung am Nagelrand.
Ohne Behandlung drohen eitrige Infektionen,
Bildung von „wildem Fleisch“ , chronische
Schmerzen, in schweren Fällen
Knocheninfektionen oder eine Blutvergiftung.

… Hammerzehen:

Schmerzen im betroffenen Gelenk,
Druckstellen, Hühneraugen,
Entzündung/Versteifung im Gelenk,
eingeschränkte Mobilität im Alltag.