Mit transplantierter Lunge auf den höchsten Berg der Anden
Im Alter von drei Monaten wurde bei Stefanie Eigner zystische Fibrose diagnostiziert. Eine Erkrankung, die die Lunge angreift und jeden Atemzug zur Qual werden lässt. Mit 33 Jahren erhielt sie eine Lungentransplantation und „ein neues Leben“. Heuer bestieg die 41jährige den höchsten Berg Amerikas und möchte damit Vorbild und Mutmacherin zugleich sein.
Der Wind am Aconcagua (Argentinien) strich über das Basislager auf 4.300 Metern und zerrte an den Jacken. Stefanie Eigner, 41, blickte zu dem schneebedeckten Gipfel hinauf und atmete tief ein.
Ein Atemzug, der für die gebürtige Wienerin alles andere als selbstverständlich ist. Über Jahrzehnte war ihr Leben von einer Krankheit bestimmt, die ihr schleichend genau das nahm, was sie am meisten brauchte – Luft.
In ihrem dritten Lebensmonat wurde zystische Fibrose diagnostiziert, eine genetische Erkrankung, die den Wasserhaushalt der Zellen stört und vor allem die Lunge angreift. „Niemand in meiner Familie ist krank, auch meine Zwillingsschwester ist gesund.“
Was als Kind mit einem Husten begann, steigerte sich im Laufe der Jahre zu Müdigkeit, Erschöpfung und Atemnot. „Oft konnte ich nach zwei Sätzen schon nicht mehr sprechen“, sagt sie.
Mit Anfang 30 verschlechterte sich ihr Zustand drastisch. „Ich hatte in jedem Zimmer einen Sessel stehen, weil ich nur mehr ein paar Schritte gehen konnte.“ Eine Transplantation war unausweichlich. „Die Chance, die Operation zu überleben, lag bei 50 Prozent.“
Im Jänner 2017 kam Eigner auf die Warteliste für Organtransplantationen, im Juli desselben Jahres folgte dann eine achtstündige Operation.
Als Eigner danach aufwachte, war da zunächst nur ein Gefühl der Erleichterung. „Ich konnte atmen, einfach so und in den folgenden Tagen bekam meine Haut plötzlich eine rosige Farbe“. Auch die Energie kehrte zurück und mit ihr eine neue Sichtweise auf das Leben. Eigner begann, sich „endlich so richtig zu bewegen, erst langsam, dann ambitionierter“.
Beim Laufen, Radfahren, Bouldern und schließlich sogar beim Triathlon und Halbmarathon entdeckte sie eine körperliche Stärke, die ihr früher unvorstellbar erschien. „Ich war noch nie so fit wie jetzt“, sagt sie stolz.
Die beinahe trotzige Haltung „Geht nicht, gibt’s nicht“ zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. „Ich wurde oft unterschätzt.“ Als die Anfrage kam, an einer Expedition auf den Aconcagua teilzunehmen, war ihre erste Reaktion dennoch ablehnend.
Zu hoch, zu weit, zu riskant. Erinnerungen an Reisen, bei denen es ihr nicht gut ging, weckten Zweifel bei ihr. Und doch ließ sie der Gedanke nicht los.
Die Expedition wurde von einem Ärzteteam der „MedUni Wien“ geleitet. Ehemalige Patienten mit Lungentransplantationen setzten sich gemeinsam mit Fachärzten der Extremsituation aus. Schließlich sagte die 41jährige doch zu und nahm die Herausforderung mit ihrem Mann Xaver Haydu, 42, als Begleitung an.
Die Vorbereitungen begannen bereits Wochen vor der Abreise. In einem speziellen Zelt simulierte das Ehepaar jede Nacht den Sauerstoffmangel, zu dem es in großer Höhe kommt. Es gab Kopfschmerzen, Übelkeit, einen unruhigen Schlaf – der Körper lernte, mit den Bedingungen umzugehen, die er später am Berg wiederfinden würde.
Parallel dazu trainierten sie in den Alpen, sammelten Höhenmeter und stärkten ihre Ausdauer. Anfang Jänner 2026 brachen sie schließlich nach Argentinien auf. Schnell wuchs die Gruppe aus Ärzten und weiteren Patienten aus aller Herren Länder. „Wir haben einander unterstützt und motiviert.“ Täglich wurden die Sauerstoffwerte im Blut gemessen und auch für Studienzwecke aufgezeichnet.
In 5.000 Meter Höhe spürte Eigner die Belastung deutlich – körperlich wie emotional. „Das weckte Erinnerungen in mir“, sagt sie leise, „Erinnerungen an dieses Gefühl von Schwäche. Ich musste nicht nur gegen den Berg ankämpfen, sondern vor allem auch gegen meine Vergangenheit.“
Als es schließlich um den weiteren Aufstieg zum Gipfel ging, traf Eigner eine Entscheidung, die Mut verlangte. Sie blieb zurück und verzichtete auf den finalen Anstieg. „Manchmal bedeutet Stärke, aufzuhören. Der Preis war zu hoch.“
Was bleibt, ist allerdings kein Gefühl des Scheiterns, sondern Stolz und Freude. Der Gipfel lag für sie nicht auf 6.961 Metern, sondern auf dem Weg dorthin, in jedem Schritt, der früher ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre. Heute lebt Eigner ein Leben, das sie als „ganz normal“ beschreibt. Sie arbeitet Vollzeit, reist, plant, sportelt. Obwohl die Transplantation Spuren hinterlassen hat, sichtbare und unsichtbare – eine Narbe über dem Brustkorb, tägliche Medikamente und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen. Und dennoch überwiegt die Dankbarkeit und eine Einstellung, die sie mit anderen teilen möchte, und zwar „das Leben bewusst zu leben und den Moment zu genießen“. schuh
Ein Atemzug, der für die gebürtige Wienerin alles andere als selbstverständlich ist. Über Jahrzehnte war ihr Leben von einer Krankheit bestimmt, die ihr schleichend genau das nahm, was sie am meisten brauchte – Luft.
In ihrem dritten Lebensmonat wurde zystische Fibrose diagnostiziert, eine genetische Erkrankung, die den Wasserhaushalt der Zellen stört und vor allem die Lunge angreift. „Niemand in meiner Familie ist krank, auch meine Zwillingsschwester ist gesund.“
Was als Kind mit einem Husten begann, steigerte sich im Laufe der Jahre zu Müdigkeit, Erschöpfung und Atemnot. „Oft konnte ich nach zwei Sätzen schon nicht mehr sprechen“, sagt sie.
Mit Anfang 30 verschlechterte sich ihr Zustand drastisch. „Ich hatte in jedem Zimmer einen Sessel stehen, weil ich nur mehr ein paar Schritte gehen konnte.“ Eine Transplantation war unausweichlich. „Die Chance, die Operation zu überleben, lag bei 50 Prozent.“
Im Jänner 2017 kam Eigner auf die Warteliste für Organtransplantationen, im Juli desselben Jahres folgte dann eine achtstündige Operation.
Als Eigner danach aufwachte, war da zunächst nur ein Gefühl der Erleichterung. „Ich konnte atmen, einfach so und in den folgenden Tagen bekam meine Haut plötzlich eine rosige Farbe“. Auch die Energie kehrte zurück und mit ihr eine neue Sichtweise auf das Leben. Eigner begann, sich „endlich so richtig zu bewegen, erst langsam, dann ambitionierter“.
Beim Laufen, Radfahren, Bouldern und schließlich sogar beim Triathlon und Halbmarathon entdeckte sie eine körperliche Stärke, die ihr früher unvorstellbar erschien. „Ich war noch nie so fit wie jetzt“, sagt sie stolz.
Die beinahe trotzige Haltung „Geht nicht, gibt’s nicht“ zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. „Ich wurde oft unterschätzt.“ Als die Anfrage kam, an einer Expedition auf den Aconcagua teilzunehmen, war ihre erste Reaktion dennoch ablehnend.
Zu hoch, zu weit, zu riskant. Erinnerungen an Reisen, bei denen es ihr nicht gut ging, weckten Zweifel bei ihr. Und doch ließ sie der Gedanke nicht los.
Die Expedition wurde von einem Ärzteteam der „MedUni Wien“ geleitet. Ehemalige Patienten mit Lungentransplantationen setzten sich gemeinsam mit Fachärzten der Extremsituation aus. Schließlich sagte die 41jährige doch zu und nahm die Herausforderung mit ihrem Mann Xaver Haydu, 42, als Begleitung an.
Die Vorbereitungen begannen bereits Wochen vor der Abreise. In einem speziellen Zelt simulierte das Ehepaar jede Nacht den Sauerstoffmangel, zu dem es in großer Höhe kommt. Es gab Kopfschmerzen, Übelkeit, einen unruhigen Schlaf – der Körper lernte, mit den Bedingungen umzugehen, die er später am Berg wiederfinden würde.
Parallel dazu trainierten sie in den Alpen, sammelten Höhenmeter und stärkten ihre Ausdauer. Anfang Jänner 2026 brachen sie schließlich nach Argentinien auf. Schnell wuchs die Gruppe aus Ärzten und weiteren Patienten aus aller Herren Länder. „Wir haben einander unterstützt und motiviert.“ Täglich wurden die Sauerstoffwerte im Blut gemessen und auch für Studienzwecke aufgezeichnet.
In 5.000 Meter Höhe spürte Eigner die Belastung deutlich – körperlich wie emotional. „Das weckte Erinnerungen in mir“, sagt sie leise, „Erinnerungen an dieses Gefühl von Schwäche. Ich musste nicht nur gegen den Berg ankämpfen, sondern vor allem auch gegen meine Vergangenheit.“
Als es schließlich um den weiteren Aufstieg zum Gipfel ging, traf Eigner eine Entscheidung, die Mut verlangte. Sie blieb zurück und verzichtete auf den finalen Anstieg. „Manchmal bedeutet Stärke, aufzuhören. Der Preis war zu hoch.“
Was bleibt, ist allerdings kein Gefühl des Scheiterns, sondern Stolz und Freude. Der Gipfel lag für sie nicht auf 6.961 Metern, sondern auf dem Weg dorthin, in jedem Schritt, der früher ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre. Heute lebt Eigner ein Leben, das sie als „ganz normal“ beschreibt. Sie arbeitet Vollzeit, reist, plant, sportelt. Obwohl die Transplantation Spuren hinterlassen hat, sichtbare und unsichtbare – eine Narbe über dem Brustkorb, tägliche Medikamente und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen. Und dennoch überwiegt die Dankbarkeit und eine Einstellung, die sie mit anderen teilen möchte, und zwar „das Leben bewusst zu leben und den Moment zu genießen“. schuh








