Stephanie Stumph, 41:
„Ich beginne, guten Schlaf zu schätzen“
In „Der Alte“ (Fr., 20.15 Uhr, ORF 2) jagt Stephanie Stumph, 41, Verbrecher. Seit nunmehr zehn Jahren ermittelt sie in der erfolgreichen ZDF-Krimi-Serie, die eine Konstante in ihrem Leben wurde. Dafür ist die zweifache Mama dankbar. Chaotisch bleibt es in ihrem Leben dennoch.
Frau Stumph, die Krimi-Reihe „Der Alte“ ist gerade in der 50. Staffel zu sehen. Sie selbst sind seit etwas mehr als zehn Jahren mit dabei. Wie fühlt es sich an, Teil dieser ikonischen Fernsehserie zu sein?

Soweit mir bekannt ist, gibt es keine ältere Krimiserie als „Der Alte“. Immerhin reden wir von einem halben Jahrhundert – das ist ein unglaubliches Durchhaltevermögen. Die Autoren haben diesbezüglich einiges geleistet, da die Menschen die Geschichten immer noch sehen wollen. Was meine Rolle betrifft, kann ich nur sagen, dass die zehn Jahre wie im Flug vergangen sind. Es freut mich, schon so lange dabei zu sein, und ich habe nicht vor, daran etwas zu ändern.

Wie hat sich Ihre Figur, Annabell Lorenz, im Lauf der Jahre im Vergleich zu Ihnen verändert?
Und haben Sie bei Ihrer Rolle ein Mitspracherecht?


Die Figur machte eine geringfügigere Entwicklung durch als ich persönlich. Wäre ja schlimm, wenn es andersrum wäre (lacht). Natürlich darf ich bezüglich meiner Figur Wünsche äußern und Vorschläge einbringen. Ob sie angenommen werden, hängt vom Mut der Redaktion ab und auch von der Regie. Es ist in meinem Sinn, nicht nur Dienst nach Vorschrift zu erledigen, sondern etwas aus der Figur herauszuholen, damit sie für die Zuschauer und für mich selbst spannend bleibt.

Wäre es für Sie reizvoll, als „Die Alte“ einmal das Zepter zu übernehmen?

In diesem Format die Titelrolle anzustreben, ist unrealistisch. Das würde auch keinen Sinn ergeben. Der Krimi heißt „Der Alte“ und das seit fünfzig Jahren, was auch gut so ist. Für die Titelrolle einer Frau würde ich dann eher ein neues Format ins Auge fassen.

Sie bezeichnen Ihre „Annabell Lorenz“ als „Party-Maus“. Sind Sie selbst eine Nachtschwärmerin?

Jetzt ja, notgedrungen durch das Baby (lacht). Ansonsten nicht mehr. Ich beginne, guten Schlaf zu schätzen, um den Tag ganz frisch zu beginnen.

Ihr zweiter Sohn kam im vergangenen September zur Welt. Sein großer Bruder wird im Juli vier Jahre alt. Was hat sich durch die Mutterrolle verändert und wie sieht Ihr Leben derzeit aus?

Ein wenig chaotisch (lacht), aber mein Partner und ich wollten dieses Leben, also stört es mich nicht, wenn ich bei Telefonaten, wie eben jetzt, kurz unterbrechen muss, weil mein Großer mich fragt, ob er staubsaugen darf. Und natürlich hat er als bald Vierjähriger ganz andere Bedürfnisse als sein kleiner Bruder, das ist manchmal schon herausfordernd.

Und es gibt ja auch einen Papa …

Ja, der macht das super, aber er arbeitet auch viel. Die meiste Arbeit bleibt bei den Frauen hängen. Wobei ich gestehen muss, dass ich am liebsten alles selbst regle, bevor ich es erkläre. Da darf ich mich dann eben auch nicht beschweren, wenn die Arbeit bei mir sitzen bleibt.

Das klingt nach Perfektionistin …

Früher fand ich diesen Begriff immer positiv. Mittlerweile nicht mehr – und ja, ich bin leider eine Perfektionistin (lacht).

Sie haben keine Babypausen eingelegt und sogar mit Babybauch gedreht – warum?

Ich bin freischaffend und muss darauf achten, am Ball zu bleiben. Hinter mir ist die Schlange derer, die meine Rolle spielen möchten, lang. Deshalb ist es wichtig, genau zu überlegen, ob jemand in eine Pause geht oder nicht. Zudem übe ich meinen Beruf gerne aus und habe mich deswegen für diesen Weg entschieden.

Zeichnen sich bei Ihrem Erstgeborenen bereits Talente in gewisse Richtungen ab?

Die Kreativität meiner Kinder zu fördern, ist mir wichtig. Interessen können sich schon früh zeigen. Meiner ist eher vom Sport beeindruckt, das Parcours-Laufen liebt er. Von der heutigen Musikstunde war er dagegen weniger begeistert. Vermutlich hätte ich mich an seiner Stelle auch gelangweilt. Wir werden etwas Kreatives finden, das mehr Energie und Pep hat.

Bei Ihnen war die Gabe fürs Schauspiel schon früh zu erkennen …

Ich war neun Jahre alt, als ich gemeinsam mit meinem Vater Wolfgang Stumph die Krimi-Serie „Stubbe – Von Fall zu Fall“ gedreht habe. Meine Eltern begannen schon früh damit, meine Interessen zu formen. Mit drei Jahren habe ich getanzt, dann Gitarre und Klavier gelernt. Auf der Bühne zu stehen, hat mir schon immer Spaß gemacht. Dann kam das Vorsprechen für „Stubbe“ dazu und ab diesem Zeitpunkt war der Film ein Teil meines Lebens.

Ihr Partner ist Chirurg. Sie haben ihn an seinem Arbeitsplatz kennenlernt, nicht wahr?

Ja, genau (lacht) es war schmerzhaft und romantisch zugleich. Vor sechs Jahren, kurz vor Weihnachten, habe ich mir am letzten Drehtag den Finger ausgekugelt. Er war auch mehrmals gebrochen. Ich musste ins Spital – und dort nahm das Schicksal seinen Lauf …

Ein paar Jahre, bevor Sie den Vater Ihrer Kinder kennenlernten, entschieden Sie sich für „Social Freezing“, das vorsorgliche Einfrieren von unbefruchteten Eizellen …

Ich halte „Social Freezing“ bei jüngeren Frauen für durchaus sinnvoll. Dadurch fällt viel Druck weg, vor allem, wenn sich Frauen Kinder wünschen und keinen festen Partner haben. „Social Freezing“ sollte jedoch kein Freischein dafür sein, dass nun alle Frauen erst mit Ende vierzig Kinder bekommen. Das sehe ich nicht als Ziel, vielmehr geht es dabei um eine verantwortungsvolle Zukunftsplanung. Ich selbst hätte mir gewünscht, dass ich diesbezüglich schon früher aufgeklärt worden wäre. Dann hätte ich meine Eizellen schon mit Mitte zwanzig und nicht erst mit 35 Jahren einfrieren lassen. Bei mir war es höchste Eisenbahn. Allerdings musste ich für meine Schwangerschaften nicht auf die Eizellen zurückgreifen. Die haben wir jetzt auftauen lassen und damit sind sie „tschüss“.

Zur Person

Stephanie Stumph wurde am 7. Juli 1984 in Dresden (D) geboren. Bekannt wurde sie durch die ZDF-Krimi-Serie „Stubbe – Von Fall zu Fall“ (1995–2014). Darin verkörperte sie an der Seite ihres Vaters, des Schauspielers und Kabarettisten Wolfgang Stumph, 80, dessen Tochter „Christiane Stubbe“.

Sie studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik
und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig (D).

Seit 2015 ist Stephanie Stumph als Ermittlerin
„Annabell Lorenz“ in „Der Alte“ zu sehen. Sie sagt,
gerne etwas Humorvolles drehen zu wollen.

Die Mutter von zwei Söhnen lebt mit ihrem Partner,
dem Chirurgen Florian Santner, in München (D).