Ein Präsident außer Kontrolle
Donald Trumps Verhalten ist unberechenbar. Ein amerikanischer Psychologe sieht bei dem bald 80jährigen Präsidenten Anzeichen einer Demenz. Gegner fordern Trumps Entmachtung.
Zuerst drohte Donald Trump mit dem Untergang der Zivilisation im Iran, dann veröffentlichte der 79jährige ein Bild, das ihn als Jesus zeigte – die Zweifel am Geisteszustand des amerikanischen Präsidenten werden immer lauter.

„Dieser Mann ist eindeutig geisteskrank“, brachte zuletzt der frühere CIA-Chef John Brennan die Befürchtungen von Trumps Gegnern auf den Punkt. Der Direktor des Geheimdienstes unter Trumps Vorgänger Barack Obama warnte davor, „jemandem wie ihm zu erlauben, weiterhin Oberbefehlshaber zu sein und die enormen Kapazitäten des US-Militärs, einschließlich unserer Nuklearwaffen, zu kontrollieren“. Er glaube, „der 25. Verfassungszusatz wurde mit Blick auf Donald Trump verfasst“, sagte Brennan.

Der 25. Zusatz zur amerikanischen Verfassung gilt erst seit dem Jahr 1967. Vier Jahre nach der Ermordung von John F. Kennedy wurde darin genau festgelegt, was passiert, wenn das Staatsoberhaupt stirbt, krank wird oder zurücktritt. In Absatz 4 ist aber auch die Möglichkeit der Entmachtung vorgesehen. Dazu müssten der Vizepräsident und die Mehrheit der Minister – oder ersatzweise ein vom Parlament bestimmter Ausschuss – feststellen, dass der Präsident „unfähig ist, die Befugnisse und Pflichten seines Amtes auszuüben“. In diesem Fall würde der Vizepräsident das Amt übernehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Trumps Regierung gegen ihn stellt, ist derzeit gleich null. Der entsprechende Paragraph wurde zudem noch nie angewendet. Dutzende Demokraten liebäugeln trotzdem damit.

Der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, wonach eine 17-köpfige Kommission den Gesundheitszustand des Präsidenten untersuchen soll.

Gleichzeitig will er Auskunft von Trumps Leibarzt Sean Barbabella. „Im Oktober 2025 gaben Sie eine Erklärung ab, in der Sie feststellten, dass der Präsident ,nach wie vor einen ausgezeichneten allgemeinen Gesundheitszustand aufweist‘. Angesichts des extremen Verhaltens des Präsidenten in der vergangenen Woche – ganz zu schweigen von seinem Verhalten im Amt im weiteren Sinne – muss die Öffentlichkeit wissen, ob Sie nach wie vor zu dieser Einschätzung stehen“, verlangte der Demokrat in einem Brief. Das Weiße Haus wies die Forderung zurück. Trump sei so scharfsinnig wie eh und je.

Aber auch ehemalige Weggefährten wie die frühere republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene hinterfragen mittlerweile Trumps Verhalten. Greene hat sich mit ihm schon wegen seiner zögerlichen Freigabe der Epstein-Akten zerstritten. Die Drohung des Präsidenten Anfang April auf seiner Plattform „Truth Social“ (Wahrheit sozial) in Richtung Iran: „Heute Nacht wird eine ganze Zivilisation untergehen und nie wieder auferstehen“, brachte das Fass zum Überlaufen.

„25. Verfassungszusatz!!!“ forderte Greene danach. Die Aussage sei „böse und wahnsinnig“.

Der Psychologe John Gartner stellt schon seit Längerem Ferndiagnosen zu Trumps Geisteszustand. Der amerikanische Präsident wird im Juni 80 Jahre alt. „Was wir sehen, sind die klassischen Anzeichen einer Demenz“, erklärte Gartner schon im Sommer, „also eine drastische Verschlechterung gegenüber dem ursprünglichen Zustand und den ursprünglichen Fähigkeiten einer Person.“

Filmaufnahmen aus den 80er Jahren zeigten einen redegewandten Trump, „er konnte sich in ausgefeilten Sätzen ausdrücken, und jetzt hat er wirklich Schwierigkeiten, einen Gedanken zu Ende zu bringen.“

Schon in Trumps erster Amtszeit war Gartner der Gründer einer Gruppe von Psychologen, die beim republikanischen Präsidenten „bösartigen Narzissmus“ feststellten. Eine Persönlichkeitsstörung, die durch Selbstverherrlichung gekennzeichnet ist. Solche Menschen halten sich zudem an keine Regeln, kennen keine Reue, sind aber misstrauisch und sadistisch.

Trumps Tiraden auf „Truth Social“ zeigen zumindest ein weitgehend unberechenbares Verhalten. Zuletzt legte er sich mit Papst Leo XIV. an. Der gebürtige Amerikaner, dessen Bruder Louis ein großer Trump-Anhänger ist, sei „schwach im Umgang mit Kriminalität und eine Katastrophe in der Außenpolitik“. Er wolle „keinen Papst, der den Präsidenten der Vereinigten Staaten kritisiert, weil ich genau das tue, wozu ich mit einem Erdrutschsieg gewählt wurde: Rekordtiefstände bei der Kriminalität zu erreichen und den großartigsten Aktienmarkt der Geschichte zu schaffen.“ Das von ihm auf der Plattform veröffentlichte Bild, das ihn als Jesus-ähnliche Figur zeigte, löschte Trump aber schnell wieder nach Kritik aus den eigenen Reihen.

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat der Welt die „größte Energiekrise, die wir je erlebt haben“, beschert, wie es Fatih Birol formulierte, der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA). Vergangene Woche warteten mehr als 120 mit Öl oder Flüssiggas beladene Tanker, dass sie die Straße von Hormus passieren können. „Mehr als 80 wichtige Anlagen in der Region wurden beschädigt“, erklärt der IEA-Chef. „Es wird bis zu zwei Jahre dauern, bis wir wieder da sind, wo wir vor dem Krieg waren.“

Für Donald Trump ist die Blockade der Meerenge von Hormus offenbar auch ein Anlass zur Geschäftemacherei. „Eine riesige Zahl völlig leerer Öltanker, darunter einige der größten der Welt, ist gerade auf dem Weg in die Vereinigten Staaten, um das beste und ,süßeste‘ Öl (und Gas!) der Welt zu laden“, schrieb er auf „Truth Social“. „Wir verfügen über mehr Öl als die beiden nächstgrößten Volkswirtschaften zusammen – und das in höherer Qualität. Wir warten auf euch. Schnelle Abwicklung!“

Dabei „verfügte der Iran nicht über Atomwaffen, er war nicht einmal annähernd so weit, tatsächlich eine Atomwaffe zu entwickeln“, stellte der frühere CIA-Direktor John Brennan in einem Interview fest. Der Iran habe über hochangereichertes Uran verfügt, „was Anlass zur Sorge gab“, aber er habe keine unmittelbare Gefahr für die USA dargestellt.

Der Krieg gegen den Iran ist auch in den Vereinigten Staaten unpopulär, auch dort sind die Benzinpreise gestiegen. Neben Tausenden Toten im Iran und Libanon starben auch mehr als ein Dutzend amerikanische Soldaten.

Aber ob das Donald Trump bei den Halbzeit-Wahlen, den „Midterms“ im November, schadet, ist fraglich. Bei dem Urnengang werden die 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses neu gewählt, dazu noch ein Drittel des Senats. Derzeit haben die Republikaner in beiden Häusern eine Mehrheit.

Auch wenn die Demokraten auf eine „Umfärbung“ hoffen: Die Anhänger Trumps sind treu. Bei einer Nachwahl für das Repräsentantenhaus gewann Anfang April der republikanische Kandidat.