Der tote Fluss
Ein Betriebsunfall hat aus der idyllischen Lavant in Kärnten eine ökologische Wüste gemacht. Innerhalb weniger Stunden wurde ein Fluss auf weiten Strecken zum toten Gewässer. Die Folgen werden noch Jahre spürbar sein.
Tausende Fische trieben reglos im Wasser der Lavant. Andere zuckten noch, rangen nach Sauerstoff, bevor auch sie verendeten. Was sich Anfang März im schönen Kärntner Lavanttal abgespielt hat, war kein gewöhnliches Fischsterben – es war die größte ökologische Katastrophe, die dieser Fluss je erlebt hat.
Mehr als 10.000 Fische starben, auf einer Strecke von rund 16 Kilometern wurde das Leben im und am Fluss nahezu vollständig ausgelöscht. Fachleute sprechen von einem „ökologisch toten“ Gewässer. Bis zu 99 Prozent des Fischbestandes sind verschwunden, nicht nur einzelne Arten, sondern das gesamte biologische Gleichgewicht ist kollabiert.
Ausgelöst wurde die Katastrophe durch einen massiven Störfall in der Mondi-Papierfabrik in Frantschach. Über die Kanalverbindung gelangten große Mengen starker Chemikalien in die Kläranlage St. Andrä. Die war der plötzlichen Überlastung nicht gewachsen, sodass die Chemikalien in die Lavant gelangten.
Das Unternehmen selbst beschreibt den Vorfall als technische Störung. Laut Mondi kam es am Abend des 7. März zu einem Überlauf von Mischlauge, die in das interne Abwassersystem und weiter in die Kläranlage gelangte. Der Vorfall sei innerhalb einer Stunde behoben worden, habe jedoch die Anlage überlastet und die Reinigungsleistung vorübergehend beeinträchtigt. Man habe umgehend Gegenmaßnahmen eingeleitet, Behörden informiert und arbeite nun gemeinsam mit Fachstellen an der Aufklärung sowie an Maßnahmen zur Wiederherstellung des Flusses, heißt es in einer Aussendung.
Für den Verein Raubaum kommt dieser Vorfall einem Systemversagen gleich. Der Verein arbeitet gemeinsam mit dem fischereiberechtigten Stift St. Paul seit Jahren daran, den Fluss ökologisch zu verbessern, Strukturen zu schaffen und den Fischbestand wieder aufzubauen. „Wir haben in den vergangenen Monaten mit Hochdruck daran gearbeitet, der Lavant ihre Dynamik und Fischbiomasse zurückzugeben“, erklärt der Obmann Emanuel Schwabe. „Ein massives Systemversagen hat diese Bemühungen in wenigen Stunden zunichtegemacht.“ Die Bilder vom Fluss waren für ihn schwer zu ertragen. Große Leitfische wie Äschen und Bachforellen lagen im Wasser, viele noch im Todeskampf. Ihr Verlust wiegt besonders schwer, weil sie für die Fortpflanzung entscheidend sind.
„Wenn selbst eine widerstandsfähige Barbe verendet, lässt das auf eine extrem hohe Belastung schließen“, sagt Schwabe. Auch seltene und streng geschützte Arten sind betroffen.
In der Lavant lebten Fischarten, die in unserem Land kaum noch vorkommen – darunter Frauennerfling, Streber, Koppe und der seltene Semling. Auch der Steingreßling, der in Kärnten nur hier nachgewiesen wurde, könnte verschwunden sein.
Doch nicht nur Fische sind betroffen. Auch Insektenlarven, Kleinkrebse und andere wirbellose Lebewesen am Flussgrund – die Grundlage der gesamten Nahrungskette – wurden durch die Giftbelastung massiv geschädigt oder vernichtet. „Selbst Tiere außerhalb des Wassers sind betroffen. Biber und Fischotter verlieren ihre Nahrungsgrundlage und müssen ausweichen“, sagt Schwabe.
Gewässerökologen des Landes und des Kärntner Institutes für Seenforschung untersuchten bereits mehrere Abschnitte der Lavant. Ihre Ergebnisse sollen als Grundlage für mögliche straf- und zivilrechtliche Verfahren dienen.
Details werden derzeit nicht veröffentlicht, doch laut der zuständigen Abteilung ist von einem erheblichen ökologischen Schaden die Rede. „Bei den eingeleiteten Stoffen handelt es sich um schwer abbaubare Holzanteile“, sagt der Gewässerökologe Michael Herrmann vom Land Kärnten.
Der Schaden ist umso schlimmer, weil sich unter den verendeten Fischarten auch solche befinden, deren Wiederansiedelung schwierig ist. „Alles, was wir züchten können, können wir einsetzen, aber die seltenen Fische müssten sich selbst wieder ansiedeln“, erklärt Günther Weichlinger, Leiter der Umweltabteilung.
Auch abseits der Lavant häufen sich Umweltschäden. In mehreren Nebenbächen wurden bereits Veränderungen festgestellt.
Während sich eine milchige Verfärbung im Arlingbach als harmloser Sedimenteintrag im Zuge von Bauarbeiten herausstellte, zeigt sich im nahegelegenen Weißenbach ein anderes Bild. Dort wurden erneut tote Fische gefunden. „Sie wiesen starke Verätzungen an den Kiemen auf“, heißt es aus der Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg. Hinweise deuten auf die Einleitung einer chemischen Substanz hin, der Verursacher ist bislang ungeklärt.
Die Serie an Ereignissen verstärkt die Sorge in der Region. Klar ist schon jetzt: Die Folgen werden langfristig spürbar sein.
„Die Fischbestände in den betroffenen Abschnitten werden sich frühestens in Jahrzehnten erholen. Selbst unter gezielten Maßnahmen könnte es rund 20 Jahre dauern, bis eine Nutzung wieder möglich ist“, sagt der Fischexperte Emanuel Schwabe. morri
Mehr als 10.000 Fische starben, auf einer Strecke von rund 16 Kilometern wurde das Leben im und am Fluss nahezu vollständig ausgelöscht. Fachleute sprechen von einem „ökologisch toten“ Gewässer. Bis zu 99 Prozent des Fischbestandes sind verschwunden, nicht nur einzelne Arten, sondern das gesamte biologische Gleichgewicht ist kollabiert.
Ausgelöst wurde die Katastrophe durch einen massiven Störfall in der Mondi-Papierfabrik in Frantschach. Über die Kanalverbindung gelangten große Mengen starker Chemikalien in die Kläranlage St. Andrä. Die war der plötzlichen Überlastung nicht gewachsen, sodass die Chemikalien in die Lavant gelangten.
Das Unternehmen selbst beschreibt den Vorfall als technische Störung. Laut Mondi kam es am Abend des 7. März zu einem Überlauf von Mischlauge, die in das interne Abwassersystem und weiter in die Kläranlage gelangte. Der Vorfall sei innerhalb einer Stunde behoben worden, habe jedoch die Anlage überlastet und die Reinigungsleistung vorübergehend beeinträchtigt. Man habe umgehend Gegenmaßnahmen eingeleitet, Behörden informiert und arbeite nun gemeinsam mit Fachstellen an der Aufklärung sowie an Maßnahmen zur Wiederherstellung des Flusses, heißt es in einer Aussendung.
Für den Verein Raubaum kommt dieser Vorfall einem Systemversagen gleich. Der Verein arbeitet gemeinsam mit dem fischereiberechtigten Stift St. Paul seit Jahren daran, den Fluss ökologisch zu verbessern, Strukturen zu schaffen und den Fischbestand wieder aufzubauen. „Wir haben in den vergangenen Monaten mit Hochdruck daran gearbeitet, der Lavant ihre Dynamik und Fischbiomasse zurückzugeben“, erklärt der Obmann Emanuel Schwabe. „Ein massives Systemversagen hat diese Bemühungen in wenigen Stunden zunichtegemacht.“ Die Bilder vom Fluss waren für ihn schwer zu ertragen. Große Leitfische wie Äschen und Bachforellen lagen im Wasser, viele noch im Todeskampf. Ihr Verlust wiegt besonders schwer, weil sie für die Fortpflanzung entscheidend sind.
„Wenn selbst eine widerstandsfähige Barbe verendet, lässt das auf eine extrem hohe Belastung schließen“, sagt Schwabe. Auch seltene und streng geschützte Arten sind betroffen.
In der Lavant lebten Fischarten, die in unserem Land kaum noch vorkommen – darunter Frauennerfling, Streber, Koppe und der seltene Semling. Auch der Steingreßling, der in Kärnten nur hier nachgewiesen wurde, könnte verschwunden sein.
Doch nicht nur Fische sind betroffen. Auch Insektenlarven, Kleinkrebse und andere wirbellose Lebewesen am Flussgrund – die Grundlage der gesamten Nahrungskette – wurden durch die Giftbelastung massiv geschädigt oder vernichtet. „Selbst Tiere außerhalb des Wassers sind betroffen. Biber und Fischotter verlieren ihre Nahrungsgrundlage und müssen ausweichen“, sagt Schwabe.
Gewässerökologen des Landes und des Kärntner Institutes für Seenforschung untersuchten bereits mehrere Abschnitte der Lavant. Ihre Ergebnisse sollen als Grundlage für mögliche straf- und zivilrechtliche Verfahren dienen.
Details werden derzeit nicht veröffentlicht, doch laut der zuständigen Abteilung ist von einem erheblichen ökologischen Schaden die Rede. „Bei den eingeleiteten Stoffen handelt es sich um schwer abbaubare Holzanteile“, sagt der Gewässerökologe Michael Herrmann vom Land Kärnten.
Der Schaden ist umso schlimmer, weil sich unter den verendeten Fischarten auch solche befinden, deren Wiederansiedelung schwierig ist. „Alles, was wir züchten können, können wir einsetzen, aber die seltenen Fische müssten sich selbst wieder ansiedeln“, erklärt Günther Weichlinger, Leiter der Umweltabteilung.
Auch abseits der Lavant häufen sich Umweltschäden. In mehreren Nebenbächen wurden bereits Veränderungen festgestellt.
Während sich eine milchige Verfärbung im Arlingbach als harmloser Sedimenteintrag im Zuge von Bauarbeiten herausstellte, zeigt sich im nahegelegenen Weißenbach ein anderes Bild. Dort wurden erneut tote Fische gefunden. „Sie wiesen starke Verätzungen an den Kiemen auf“, heißt es aus der Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg. Hinweise deuten auf die Einleitung einer chemischen Substanz hin, der Verursacher ist bislang ungeklärt.
Die Serie an Ereignissen verstärkt die Sorge in der Region. Klar ist schon jetzt: Die Folgen werden langfristig spürbar sein.
„Die Fischbestände in den betroffenen Abschnitten werden sich frühestens in Jahrzehnten erholen. Selbst unter gezielten Maßnahmen könnte es rund 20 Jahre dauern, bis eine Nutzung wieder möglich ist“, sagt der Fischexperte Emanuel Schwabe. morri








