Alex Kristan:
„Wir sollten uns weniger ernst nehmen“
Nach mehr als 350 ausverkauften Vorstellungen gehen seine „50 Shades of Schmäh“ in die Zielgerade. Mit seinem neuen Programm steht der Kabarettist Alex Kristan, 53, ab Herbst auf der Bühne.

Im Gespräch mit der WOCHE-Reporterin Martina Wieser erklärt er, worum es geht, er erzählt vom „Kind im Manne“ und wie wir miteinander umgehen sollten.
Herr Kristan, der Abschied von Ihrem mehrfach preisgekrönten Programm „50 Shades of Schmäh“, für das Sie mit dem „Österreichischen Kabarettpreis 2023“ und dem „Salzburger Stier 2025“ ausgezeichnet wurden, rückt näher. Schwingt ein bisschen Wehmut mit?

In allererster Linie spüre ich eine große Dankbarkeit, dass ich dieses Programm so lange vor ausverkauften Häusern spielen durfte. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Auch die beiden Auszeichnungen haben mich wirklich gefreut. In Anbetracht dieser schönen und erfolgreichen Jahre schwingt natürlich auch ein bisschen Wehmut mit, das Programm jetzt langsam loszulassen.

Der Abschied bedeutet zugleich einen Neubeginn. Wie groß ist Ihre Freude auf „Born to Be Child“?

Die Freude wächst, je mehr von dem neuen Programm entsteht, aber die größte Freude wäre für mich, wenn es dem Publikum gefällt, was ich da ausgetüftelt habe.

Was sorgt für die meisten Lacher?

Ich glaube, dass Menschen dort am meisten lachen, wo sie sich in den vorgehaltenen Spiegel schauen und sich denken, „Das kenn ich von wo.“ Nachvollziehbare Situationen, die das Publikum aus seinem Alltag kennt und die ich auf der Bühne eben mit dem Instrument der Komik überhöhe. In „50 Shades of Schmäh“ sind das natürlich die Tücken, die das Älterwerden mit sich bringt, wie nächtliche Toilettenbesuche oder die Tatsache, dass man Buchstaben zwar nicht mehr aus der Nähe erkennen kann, dafür aber Idioten schon aus der Ferne.

Ihr neues Programm nennen Sie „Born to Be Child“ („Geboren, um Kind zu sein“).
Ist der Titel wieder Programm?


Der Titel des Programmes ist ein Malapropismus (= die falsche Ersetzung eines Wortes durch ein ähnlich klingendes) des Liedes „Born to be Wild“. Es geht dabei weniger um eine Anstiftung zur Infantilität oder Unreife, sondern viel mehr um das Schaffen eines Bewusstseins, dass wir uns weniger ernst nehmen sollten. Gerade in den Wirren dieser Zeit ist es wichtig, sich zu erlauben, spontan albern zu sein oder herumzublödeln. Das dient dem Stressabbau und ist gut für die mentale Gesundheit.

Ein Symptom des Nicht-Erwachsen-Werden-Wollens ist „das berühmte Kind im Manne“, das unter anderem einen ausgeprägten Spieltrieb beinhaltet. Trifft das auf Sie zu?

Es gibt diesen Spruch „Männer bleiben ihr Leben lang Kinder, nur das Spielzeug wird teurer“. Ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, sich einen gewissen Spieltrieb zu bewahren, neugierig zu bleiben und sich auch auf Neues einlassen zu können. Ich versuche, so oft es geht, mir über Dinge, auf die ich keinen Einfluss nehmen kann, nicht zu viele Gedanken zu machen. Das gelingt mir nicht immer, aber immer öfter. Das sorgt für eine seelische Hygiene und erleichtert die Freude an anderen Dingen. Was das „Kind sein können“ angeht, würde ich klar mit „Ja“ antworten. Ich habe eine Begeisterungsfähigkeit für diverseste Dinge und einen Spieltrieb beim Sport.

Ihre Tochter wird 19, Sie feiern demnächst den 54. Geburtstag. Lässt Sie das Älterwerden – nach dem Motto „50 ist das neue 30“ – kalt?

Das Älterwerden ist ein völlig natürlicher Prozess und hat für mich etwas mit „dürfen“ und nicht mit „müssen“ zu tun hat. Gesund älter zu werden, ist ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit. Ich denke, dass „50 ist das neue 30“ eher nur im Ortsgebiet gilt. Fünfzig ist fünfzig und dreißig ist dreißig. Alles hat Vor- und Nachteile. Das Einzige, was ich jetzt mit 54 Jahren tun kann, ist, auf meinen Körper so Acht zu geben, dass ich meine Tour bewältigen kann, wie ich mir das vorstelle und auch dann im höheren Alter noch fit bin. Was meine Tochter betrifft, kann ich nur sagen, dass diese 19 Jahre, seit sie auf der Welt ist, mitunter die schönsten meines Lebens waren. Wenn ich sehe, was für eine großartige junge Frau aus ihr geworden ist, empfinde ich keine Melancholie, sondern nur Freude, Glück und Stolz.

Wie schwierig ist es für Sie, den Richtlinien der „Political Correctness“ zu entsprechen?

Satire ist an sich schon nicht politisch korrekt. Ich glaube, dass diese teils schon grotesken Auswüchse, die dieser ganze „Political-Correctness-Hype“ mit sich bringt, dazu geführt hat, dass sich die Menschen müde toleriert haben. Ich bin der Meinung, dass durch diese ganze Wokeness und Genderdebatten Frauen weder sichtbarer werden, noch dass die Endung „-innen“ zu einem verbesserten Selbstwertgefühl der Frauen führt. Zwischen Mann und Frau sollte meinem Verständnis nach die Gleichstellung im Vordergrund stehen, nicht die Gleichsetzung. Die Töchtersöhne in der Bundeshymne kann man schon machen, aber wichtiger wäre, sicherzustellen, dass eine Frau bei gleicher Qualifikation das gleiche Gehalt bekommt wie ihr männliches Pendant.

Es hat sich eine Beleidigtheit-Kultur etabliert.
Wie stehen Sie zu diesem gesellschaflichen Phänomen, bei dem Personen oder Gruppen öffentlich auf wahrgenommene Respektlosigkeiten reagieren?


Ich sehe diese Beleidigtheit-Kultur eher kritisch, weil sie einerseits im Widerspruch zur vielgepriesenen Toleranz steht und darüberhinaus auch Gift für einen reflektierten Diskurs ist. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Humor oft als verpönt oder unangebracht gilt, weil in der Welt gerade so viele schlimme Dinge passieren. Dabei ist gerade in schwierigen Zeiten Humor enorm wichtig, weil er so ziemlich das Einzige ist, das diesen ganzen Wahnsinn, der uns täglich über die Medien serviert wird, auch nur ansatzweise erträglich erscheinen lässt.

Laut Selbstbeschreibung sind Sie harmonie-bedürftig, nicht streitsüchtig und umstritten möchten Sie schon gar nicht sein. Vielmehr plädieren Sie für Dialog und Toleranz. Hand aufs Herz, bringt Sie gar nichts auf die Palme?

Das ist richtig, ich trage dieses Bedürfnis, öffentlich anzuecken oder als streitbar wahrgenommen zu werden, nicht in mir. Hätte ich das, wäre ich eher Politiker und nicht Komiker geworden, aber ich glaube, man polarisiert sowieso immer, sobald man öffentlich seine Meinung kundtut. Ich finde, dass wir uns als Gesellschaft von einer doch recht toxisch gewordenen Diskussionskultur abwenden und wieder hin zu einem von Respekt geprägten Meinungsaustausch orientieren sollten. Was mich auf die Palme bringt, ist der leichtfertige Umgang mit unserem Steuergeld und sparen sollen dann die Bürger oder am besten noch mehr Steuern zahlen.

Zur Person

Alex Kristan wurde am 24. April 1972 in Mödling (NÖ) geboren und machte eine Ausbildung an der Werbeakademie in Wien. Seit dem Jahr 2003 ist er als Kabarettist und Parodist tätig.

Im Jahr 2012 trat er mit seinem ersten Solo-Programm „Jetlag für Anfänger“ auf. Drei Jahre später folgte
„Heimvorteil“ und 2017 „Lebhaft – Rotzpipn forever!“.

Mit seinem aktuellen Programm „50 Shades of Schmäh“ ist er im Globe in Wien zu sehen.

Termine: 8., 9., 23. und 29. April.

Ab Herbst geht Kristan dann mit seinem neuen
Programm „Born to Be Child“ auf Tour.

Karten und Termine unter www.oeticket.com