Miroslav Nemec, 71, und Udo Wachtveitl, 67:
„Wir haben 100 Mal viel gelacht“
Sie hätten nicht aufhören müssen, die Quoten passten. Doch Nemec und Wachtveitl wollten den Schlussstrich.
Herr Nemec, Herr Wachtveitl, nach 35 Jahren Zusammenarbeit und 100 „Tatort“-Folgen – werden Sie einander auch danach oft sehen?

Miroslav Nemec: Bestimmt, wir wohnen in München (D) nah beieinander.

Wie bewerten Sie rückblickend die lange Zusammenarbeit?

Udo Wachtveitl: Wir haben während der Dreharbeiten ein gemeinsames Wohnmobil gehabt. Hätten wir uns nicht verstanden und vertragen, wäre das unmöglich gewesen. So waren wir immer die Ersten, die erfahren haben, was beim anderen los ist, auch privat.

Das klingt nach echter Freundschaft …

Nemec: Ist es ja auch. Wir haben wirklich viel geredet und viel gelacht – bei allen 100 Folgen. Schach gespielt haben wir auch ab und zu. Und wir sind die Dialoge durchgegangen, haben Szenen geübt, umgeschrieben. Alles im Wohnmobil.

Herr Nemec, Ihr Kollege hat kürzlich gemeint, gemeinsam in einer Männer-WG zu wohnen, käme für ihn nicht in Frage. Hat Sie das gekränkt?

Nemec: (lacht) Überhaupt nicht. Ich kenn‘ ihn doch, ich habe früher in einigen Wohngemeinschaften gelebt, aber der Udo ist kein „Zusammenleber“.

Wachtveitl: Das Einzige, was ich mir gut vorstellen könnte, wäre eine gezielte Nachbarschaft. Und die haben wir ja im Grunde ohnehin.

Herr Nemec, Ihr Freund ist in München geboren und bezeichnet diese Stadt als seine Heimat. Sie sind in Zagreb in Kroatien auf die Welt gekommen, kamen als Zwölfjähriger nach Deutschland, wo sie als „Miroslav, Jugoslav“ gemobbt wurden. Was ist Ihre Heimat?

Nemec: Wie beim Udo – München. Ich habe im Jahr 1973 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen und in Österreich, am Mozarteum in Salzburg, studiert. Mit meiner Frau und unserer Tochter lebe ich in München, da bin ich zu Hause.

Was werden die beiden Herren nach dem „Tatort“-
Aus beruflich tun?
In ein Loch fallen?


Wachtveitl: Unsinn. Wir waren mit dem „Tatort“ in der Regel vier Monate im Jahr beschäftigt. Was wir daneben machten, werden wir auch in Zukunft tun. Eben mehr, wenn‘s geht.

Hätten Sie sich vor 35 Jahren vorstellen können, dass Ihre Karriere als „Tatort“-Kommissare so lange dauern wird?

Wachtveitl: Als wir angefangen haben, hat uns der Sender gebeten, dass wir uns für sechs Folgen verpflichten. Das haben wir damals abgelehnt, das war uns zu „unkünstlerisch“.

Nemec: Wir haben auch deshalb „Nein“ gesagt, weil wir Druck auf die Qualität der Bücher ausüben wollten. Mit den ersten zwei Filmen waren wir auch unzufrieden, der dritte hat gepasst.

Haben Sie einander auf Anhieb gut verstanden?

Nemec: Schwer zu sagen, wir kannten uns kaum, sind uns in München nur manchmal über den Weg gelaufen.

Wachtveitl: Wir sind recht unterschiedlich, damals noch mehr als heute. Aber ich könnte nicht so lange mit jemandem drehen, den ich nicht mag. Anfangs hat mir der etwas gockelhafte Spielstil von Miro gar nicht gefallen.

Nemec: Der kroatische Macho …

Wachtveitl: Genau. Das war eine Phase, in der wir uns erst einmal finden mussten.

Sind für Sie manchmal die Grenzen zwischen Ihnen und der darzustellenden Figur verschwommen?

Wachtveitl: Klar, ich geh‘ bis heute durch mein Viertel und schaue, ob nicht irgendwo eine Leiche herumliegt. Das passiert selten, ich komme also durchaus noch zum Einkaufen.

Nemec: Eine Rolle bleibt eine Rolle, auch wenn wir ab und zu eigene Befindlichkeiten in Spielszenen einbezogen haben.

Wie trösten Sie Menschen, die Ihr Ende betrauern?

Beide: Wir hören ja nicht auf. Wir werden nur künftig in anderen Rollen zu sehen sein und die Traurigen damit hoffentlich zum Lachen bringen.

Auf ORF2 ist dieser „Tatort“ erst ab 21.55 Uhr zu sehen. Teil zwei folgt am 6.4. ab 20.15 Uhr.