Peter Cornelius, 75:
„Ich kann gut in den Tag hineinleben“
„Ich kann gut in den Tag hineinleben“
Seine Lieder liefen im Radio in Dauerschleife und seine Texte trafen mitten ins Herz.
Peter Cornelius prägte mit Liedern wie „Du entschuldige, i kenn di“ eine ganze Generation. Heute, mit bald 75, blickt der Wiener Musiker auf ein bewegtes Leben, legendäre Erfolge, schwere Krisen – und eine Karriere, die bis heute ihresgleichen sucht.
Peter Cornelius prägte mit Liedern wie „Du entschuldige, i kenn di“ eine ganze Generation. Heute, mit bald 75, blickt der Wiener Musiker auf ein bewegtes Leben, legendäre Erfolge, schwere Krisen – und eine Karriere, die bis heute ihresgleichen sucht.
Die beste Möglichkeit, Peter Cornelius, 74, anzusprechen, wäre wohl: „Du entschuldige, i kenn di“ – wobei ihn seit diesem Hit aus dem Jahr 1980 ohnehin jeder kannte. Das Lied wurde im Radio auf- und abgespielt, bei Festen und in Wirtshäusern im Chor angestimmt und im Auto laut mitgesungen.
Es war nicht der einzige Hit. „Der Kaffee ist fertig“, „Streicheleinheiten“, „Segel im Wind“, „Sensibel“,
„Irgendwann im nächsten Leb‘n“, „Süchtig“ oder das legendäre „Reif für die Insel“ prägten eine ganze Generation. Denn der Sänger und Komponist, der partout nicht Liedermacher und schon gar nicht „Austropopper“ genannt werden will, hat das seltene Talent, ein Lebensgefühl in Musik zu gießen.
„Lieder macht man nicht, man schreibt oder
komponiert sie“, sagt er. „Hugh“, die Häuptlings-Figur, so seine Selbstdefinition, hat gesprochen.
Wobei die Musik erst später kam. Weil der am
29. Jänner 1951 im Sternzeichen des Wassermannes in Wien-Meidling geborene Peter auf Wunsch der Eltern zunächst eine Banklehre absolvierte. Doch sein Aszendent Löwe – und die damit verbundene Durchsetzungskraft – machte sich bald bemerkbar.
„Wassermann ist ein Luftzeichen und will sich aus allem heraushalten“, sagt Cornelius. „Muss er aber ins soziale Geflecht eintreten, gibt der Löwe den Ton an.“ Und der entschied: „Tausche Banknote gegen Notenblatt!“
Hineingeboren in die Zeit der „Beatles“, der „Kinks“ und der „Stones“ war Cornelius seit seinem Erstkontakt mit einer Gitarre als Kind quasi mit ihr zusammengeschweißt, spielte schon bald in eigenen Bands und nutzte 1973 die „Show-Chance“. Alte Fernseh-Aufnahmen der ORF-Talentsuche von damals zeigen, wie der Jung-Musiker mit den eigentlich wilden Locken glattgeföhnt und von einer Big Band statt eigener Gitarre begleitet auf der Bühne steht.
Trotz des von den Medien auferlegten Korsetts belegte Cornelius mit dem selbstgetexteten und -komponierten Lied „Die Wolk‘n“ aber auf Anhieb Platz eins. „Damals“, sagt Cornelius, „ging es um Menschen, die ihre Lieder selber schrieben. Heute sind Juroren die ,Stars‘ der Casting-Shows.“ Ausgerechnet zu dieser Zeit tauchte der Begriff „Austropop“ immer öfter als ständiger Begleiter heimischer Dialekt-Sänger auf. Cornelius, selbstbewusst durch seinen Sieg, wusste jedoch schon bald: „Das ist ein Etikett, mit dem ich nichts zu tun haben will.“ Er wollte den deutschen Markt erobern. „Es war für mich das Allerwichtigste, dort erfolgreich zu sein, sonst wäre mir alles sinnlos erschienen.“
Tatsächlich gelang es dem Wiener, sich Ende der 1970er Jahre mit seinen ersten Alben ins Zentrum der deutschen Musikindustrie zu spielen. Mittendrin der um sechs Jahre jüngere Produzent Michael Cretu, dem Cornelius bis heute verbunden ist. Mit ihm – der selbst rund 32 Millionen Tonträger verkaufte – gelangen 1980 Lieder wie „Du entschuldige i kenn di“ und „Reif für die Insel“.
München (D) wurde zum Lebensmittelpunkt, Cretu zum Nachbarn und Partner.
In den Folgejahren schaffte das Duo, was nur wenigen Musikern gelang, und zwar zwei Alben und zwei
Singles gleichzeitig in der deutschen Hitparade zu platzieren.
Der Erfolg bestimmte den Rhythmus für ein
ganzes Jahrzehnt. „Ich hatte hochdotierte Verträge,
von denen Künstler heute nur träumen können. Da musste ich liefern. Aber ich war nie jemand, der zwischendurch in der Kantine einer Fernseh-Anstalt Lieder schreiben oder eine Melodie in ein Diktiergerät summen konnte. War ich in andere Tätigkeiten verstrickt, legte das meine Kreativität komplett still.“
Doch der Druck, immer wieder ein neues Album abliefern zu müssen, blieb. „Ich konnte den Riesenerfolg nicht genießen, weil mir die Zeit dazu fehlte. Ein Slalomfahrer, der sich auf dem Kurs befindet, kann auch nicht das Tor bejubeln, das er gerade gut genommen hat.“
Anfang der 1990er-Jahre kam dann der Bruch. Cornelius litt unter Depressionen und Burn-out und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. „Geplant war ein Jahr, sieben sind es geworden.“ Heilung brachten ihm am Ende die Befreiung von jeglichen Verpflichtungen und den Entschluss, in den Tag hineinzuleben. „Das kann ich wirklich gut. Dahingehend bin ich ein Luxusgeschöpf.“
Trost fand Cornelius in dieser Zeit in der Musik. Als Michael Cretu den Ausnahme-Gitarristen bat, für das später international erfolgreiche Album „Enigma“ ein paar Soli einzuspielen, brachte ihm das eine „Grammy“-Nominierung ein. Der Weg zurück zu eigenen Liedern gelang dem Künstler erst 2001 mit dem Album „Lebenszeichen“. Gerade 50 Jahre alt geworden feierte der frischgebackene Ehemann sein Comeback. Ulrike hatte er 15 Jahre zuvor in der Sturm-und-Drang-Phase in seinem Lokal „Die Insel“ am Wiener Karlsplatz kennengelernt und ihr seither sein Vertrauen geschenkt.
„Meine Frau hat die notwendige Oberaufsicht und schaut, dass nicht irgendein absurder Blödsinn passiert. Aber sie ist nicht meine Managerin.“ Darauf hat Cornelius aus Schutz vor der Branche immer verzichtet. „Man muss sich nur all die großen Musiker anzusehen. Die ,Beatles‘ hatten irrsinnig schlechte Verträge und Cher hatte Steuerschulden, von denen sie lange nichts wusste.“ Der wichtigste Grundsatz, dem er bis heute treu blieb, lautet daher, dass nur nach seinen Regeln gespielt wird. Seine Alben, mittlerweile sind es fast 30, veröffentlicht er unter eigenem Label, was ihm erlaubt, unabhängig und kritisch zu sein. Sorge bereitet ihm allerdings die „Künstliche Intelligenz“. „Jeder kann innerhalb von Minuten Lieder produzieren, die glatt und perfekt wirken. Die Frage ist, ob das Publikum so etwas wie eine Seele in Liedern vermissen wird. Aber was soll die jüngere Generation vermissen, wenn sie es nicht anders kennt?“
Entspannt bleibt Peter Cornelius dagegen, wenn es um seinen Geburtstag geht. „Mein Gott, der 75er, das ist so eine Zahl. Früher habe ich mir das als Methusalem-artigen Zustand vorgestellt, aber ich fühle mich heute besser als mit 50 Jahren. Mir wurde immer gesagt, meine Musik ist zeitlos. Ich glaube, das gilt mittlerweile auch für mich.“ „Zeitlos“ lautet auch der Titel seiner Tournee. Auftakt ist am 25. März in Oberwaltersdorf (NÖ). reiter
Es war nicht der einzige Hit. „Der Kaffee ist fertig“, „Streicheleinheiten“, „Segel im Wind“, „Sensibel“,
„Irgendwann im nächsten Leb‘n“, „Süchtig“ oder das legendäre „Reif für die Insel“ prägten eine ganze Generation. Denn der Sänger und Komponist, der partout nicht Liedermacher und schon gar nicht „Austropopper“ genannt werden will, hat das seltene Talent, ein Lebensgefühl in Musik zu gießen.
„Lieder macht man nicht, man schreibt oder
komponiert sie“, sagt er. „Hugh“, die Häuptlings-Figur, so seine Selbstdefinition, hat gesprochen.
Wobei die Musik erst später kam. Weil der am
29. Jänner 1951 im Sternzeichen des Wassermannes in Wien-Meidling geborene Peter auf Wunsch der Eltern zunächst eine Banklehre absolvierte. Doch sein Aszendent Löwe – und die damit verbundene Durchsetzungskraft – machte sich bald bemerkbar.
„Wassermann ist ein Luftzeichen und will sich aus allem heraushalten“, sagt Cornelius. „Muss er aber ins soziale Geflecht eintreten, gibt der Löwe den Ton an.“ Und der entschied: „Tausche Banknote gegen Notenblatt!“
Hineingeboren in die Zeit der „Beatles“, der „Kinks“ und der „Stones“ war Cornelius seit seinem Erstkontakt mit einer Gitarre als Kind quasi mit ihr zusammengeschweißt, spielte schon bald in eigenen Bands und nutzte 1973 die „Show-Chance“. Alte Fernseh-Aufnahmen der ORF-Talentsuche von damals zeigen, wie der Jung-Musiker mit den eigentlich wilden Locken glattgeföhnt und von einer Big Band statt eigener Gitarre begleitet auf der Bühne steht.
Trotz des von den Medien auferlegten Korsetts belegte Cornelius mit dem selbstgetexteten und -komponierten Lied „Die Wolk‘n“ aber auf Anhieb Platz eins. „Damals“, sagt Cornelius, „ging es um Menschen, die ihre Lieder selber schrieben. Heute sind Juroren die ,Stars‘ der Casting-Shows.“ Ausgerechnet zu dieser Zeit tauchte der Begriff „Austropop“ immer öfter als ständiger Begleiter heimischer Dialekt-Sänger auf. Cornelius, selbstbewusst durch seinen Sieg, wusste jedoch schon bald: „Das ist ein Etikett, mit dem ich nichts zu tun haben will.“ Er wollte den deutschen Markt erobern. „Es war für mich das Allerwichtigste, dort erfolgreich zu sein, sonst wäre mir alles sinnlos erschienen.“
Tatsächlich gelang es dem Wiener, sich Ende der 1970er Jahre mit seinen ersten Alben ins Zentrum der deutschen Musikindustrie zu spielen. Mittendrin der um sechs Jahre jüngere Produzent Michael Cretu, dem Cornelius bis heute verbunden ist. Mit ihm – der selbst rund 32 Millionen Tonträger verkaufte – gelangen 1980 Lieder wie „Du entschuldige i kenn di“ und „Reif für die Insel“.
München (D) wurde zum Lebensmittelpunkt, Cretu zum Nachbarn und Partner.
In den Folgejahren schaffte das Duo, was nur wenigen Musikern gelang, und zwar zwei Alben und zwei
Singles gleichzeitig in der deutschen Hitparade zu platzieren.
Der Erfolg bestimmte den Rhythmus für ein
ganzes Jahrzehnt. „Ich hatte hochdotierte Verträge,
von denen Künstler heute nur träumen können. Da musste ich liefern. Aber ich war nie jemand, der zwischendurch in der Kantine einer Fernseh-Anstalt Lieder schreiben oder eine Melodie in ein Diktiergerät summen konnte. War ich in andere Tätigkeiten verstrickt, legte das meine Kreativität komplett still.“
Doch der Druck, immer wieder ein neues Album abliefern zu müssen, blieb. „Ich konnte den Riesenerfolg nicht genießen, weil mir die Zeit dazu fehlte. Ein Slalomfahrer, der sich auf dem Kurs befindet, kann auch nicht das Tor bejubeln, das er gerade gut genommen hat.“
Anfang der 1990er-Jahre kam dann der Bruch. Cornelius litt unter Depressionen und Burn-out und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. „Geplant war ein Jahr, sieben sind es geworden.“ Heilung brachten ihm am Ende die Befreiung von jeglichen Verpflichtungen und den Entschluss, in den Tag hineinzuleben. „Das kann ich wirklich gut. Dahingehend bin ich ein Luxusgeschöpf.“
Trost fand Cornelius in dieser Zeit in der Musik. Als Michael Cretu den Ausnahme-Gitarristen bat, für das später international erfolgreiche Album „Enigma“ ein paar Soli einzuspielen, brachte ihm das eine „Grammy“-Nominierung ein. Der Weg zurück zu eigenen Liedern gelang dem Künstler erst 2001 mit dem Album „Lebenszeichen“. Gerade 50 Jahre alt geworden feierte der frischgebackene Ehemann sein Comeback. Ulrike hatte er 15 Jahre zuvor in der Sturm-und-Drang-Phase in seinem Lokal „Die Insel“ am Wiener Karlsplatz kennengelernt und ihr seither sein Vertrauen geschenkt.
„Meine Frau hat die notwendige Oberaufsicht und schaut, dass nicht irgendein absurder Blödsinn passiert. Aber sie ist nicht meine Managerin.“ Darauf hat Cornelius aus Schutz vor der Branche immer verzichtet. „Man muss sich nur all die großen Musiker anzusehen. Die ,Beatles‘ hatten irrsinnig schlechte Verträge und Cher hatte Steuerschulden, von denen sie lange nichts wusste.“ Der wichtigste Grundsatz, dem er bis heute treu blieb, lautet daher, dass nur nach seinen Regeln gespielt wird. Seine Alben, mittlerweile sind es fast 30, veröffentlicht er unter eigenem Label, was ihm erlaubt, unabhängig und kritisch zu sein. Sorge bereitet ihm allerdings die „Künstliche Intelligenz“. „Jeder kann innerhalb von Minuten Lieder produzieren, die glatt und perfekt wirken. Die Frage ist, ob das Publikum so etwas wie eine Seele in Liedern vermissen wird. Aber was soll die jüngere Generation vermissen, wenn sie es nicht anders kennt?“
Entspannt bleibt Peter Cornelius dagegen, wenn es um seinen Geburtstag geht. „Mein Gott, der 75er, das ist so eine Zahl. Früher habe ich mir das als Methusalem-artigen Zustand vorgestellt, aber ich fühle mich heute besser als mit 50 Jahren. Mir wurde immer gesagt, meine Musik ist zeitlos. Ich glaube, das gilt mittlerweile auch für mich.“ „Zeitlos“ lautet auch der Titel seiner Tournee. Auftakt ist am 25. März in Oberwaltersdorf (NÖ). reiter








