Flauschiger Helfer auf leisen Pfoten
Wer tiergestützte Therapie hört, denkt selten an Katzen. Sie gelten als unabhängig und unnahbar. Im Kinderhospiz Lichtblickhof sind die Stubentiger als Therapiekatzen im Einsatz.
Seit fast 25 Jahren begleitet das Team vom „Lichtblickhof“ an zwei Standorten in Wien und Niederösterreich Kinder mit lebensverkürzenden Erkrankungen, Behinderungen oder traumatischen Erfahrungen und deren Familien.
Zum Therapeuten-Team gehören auch einige Vierbeiner. Therapiebegleit-Pferde, Therapiebegleit-Schafe und -Hunde helfen den jungen Patienten, ihre wenn auch verkürzte, doch umso wertvollere Lebenszeit voll auszuschöpfen.
Ursprünglich waren Katzen nicht als Therapiebegleit-Tiere im Kinderhospiz geplant, doch die schnurrenden Begleiter „Fuchur“ und „Jonathan“ zeigen, welches Potential in den Samtpfoten steckt.
Über die Erfahrungen in der katzengestützten Therapie schreiben die Biologin und Psychotherapeutin Roswitha Zink, ihre „Lichtblickhof“-Kollegin Renate Deimel (Bild oben), sie ist Sonder- und Heilpädagogin sowie Psychotherapeutin, und ihre Wissenschaftskollegin Karin Hediger, Professorin für Psychologie an der Universität Luzern (Schweiz), Psychotherapeutin und Traumatherapeutin, im Buch „Dr. Katze“.
Frau Deimel, was qualifiziert Katzen
als Therapeuten für Menschen?
Katzen können komplex fühlen und denken. Sie bauen Bindungen zu ihren menschlichen Begleitern auf, die ihr Verhalten und ihre Reaktionen beeinflussen. Sie sind in der Lage, eine Reihe von Emotionen auszudrücken, und sie stehen in Wechselbeziehungen mit Menschen und anderen Katzen. Diese Fähigkeiten machen sie zu spannenden und wertvollen Therapiebegleitern.
Lassen sich Katzen „ausbilden“?
Sie lernen schnell und gerne, können Regeln lernen und sich komplexe Tricks, ja sogar ein Sprachsystem der unterstützten Kommunikation auf einem Sprachboard merken. Das sind programmierbare Tasten, die kurze Hörnachrichten wie „Futter“ oder „Spielen“ abspielen, wenn die Katze draufdrückt. Sie können Namen zu Gesichtern von vertrauten Katzen und Menschen zuordnen, ihren Namen von anderen Wörtern unterscheiden, selbst wenn er von ihnen unbekannten Menschen genannt wird. Sie erkennen menschliche Stimmen und stimmliche Signale, was auf ein fortgeschrittenes soziales Lern- und Kommunikationsniveau schließen lässt.
Können Katzen direkt auf die
Bedürfnisse eines Menschen eingehen?
Ja, Studien zeigen, sie können emotionale Veränderungen bei Menschen sensibel wahrnehmen und mit angemessenem Verhalten darauf reagieren. Die Blickkommunikation zwischen Mensch und Katze gilt als wichtiger Faktor für das Entstehen einer emotionalen Beziehung und einer Bindung. Tatsächlich haben Katzen genauso oft Blickkontakt zu ihren Bezugspersonen wie Hunde. Auch versuchen sie, menschliche Gesten zu verstehen.
Wo lassen sich Therapiekatzen überall einsetzen?
Es gibt Katzen in Altersheimen, Hospizen, Strafvollzugsanstalten oder psychiatrischen Kliniken. Eine andere Form ist, wenn Katzen den Therapeuten in die Praxis begleiten und dort Patienten treffen. Optimalerweise ist der Praxisraum Teil des normalen Wohnumfeldes der Katzen, etwa im Haus des Therapeuten. Weniger häufig sind Besuchskatzen. Eher neu sind Assistenzkatzen, die wie Assistenzhunde ausgebildet sind. Sie leben beispielsweise mit psychisch belasteten Menschen zusammen und sollen diese unterstützen.
Wie setzen Katzen ihre sozialen Fähigkeiten ein?
Katzen gehen proaktiv in der Therapie auf die Patienten ein. Ein Beispiel, sterben Kinder, ist das Leid der Eltern unendlich. Diese starken Emotionen berühren unsere Kater sichtbar. Normalerweise interessiert sich „Fuchur“ in der Therapie nur für die Kinder, außer er bemerkt, die Eltern brauchen seine Aufmerksamkeit mehr. „Fuchur“ erkennt in der letzten Phase der Begleitung von schwer kranken Kindern wie magisch den Moment, an dem er sich fast ausschließlich um die Eltern bemüht. In keiner anderen Therapiesituation mit Eltern tut er dies.
Wie helfen die Katzen Ihren jungen Patienten?
Ihre ruhige, feinfühlige und eigenständige Art macht sie für viele Patienten besonders zugänglich, vor allem für jene, denen enge oder fordernde Bindungen schwerfallen. Die Anwesenheit einer Katze kann beruhigend wirken, Sicherheit vermitteln oder zum behutsamen Beziehungsaufbau beitragen. Die Arbeit mit den Katzen hilft, die Körperwahrnehmung der Patienten zu verbessern. Mit „Fuchur“ traut sich unser Patient Tim auf dem Spielplatz mehr zu. Auch beim Überwinden von Ängsten hat ihm „Fuchur“ geholfen.
Schnurren Ihre Katzen in den Therapiestunden?
In unserer Erfahrung mit katzengestützter Therapie ist Schnurren meist eine der ersten Kontaktaufnahmen der Katzen zu den Patienten und eines der Signale, die den Kindern unmissverständlich positive Gefühle entlocken. Einer unserer kleinen Patienten spricht noch nicht, aber es freut ihn sichtlich, wenn Kater „Jonathan“ ihn anschnurrt und er entspannt sich daraufhin deutlich.
Das Streicheln von Katzen soll beruhigend wirken …
Es wurde nachgewiesen, dass Streicheln, vor allem der eigenen Katze, zu einer tieferen Herzrate und einem niedrigeren Blutdruck führt. Eine andere Studie zeigte, dass Streicheln eher körperlich aktiviert, während das Spielen mit der Katze entspannt. In einer Studie über Stationskatzen in der Psychiatrie zeigte sich, Patienten, die auf einer Station mit einer Freigänger-Katze wohnten, waren deutlich zufriedener mit dem Behandlungsergebnis, den Pflegenden und Therapeuten. Zudem tragen Katzen dazu bei, soziale Fähigkeiten, Kommunikation und Selbstregulierung der Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung zu verbessern sowie Angst, Stress und soziale Isolation zu verringern.
Wann raten Sie von einer Therapie mit Katzen ab?
Ein zentraler Aspekt ist, dass sich die Patienten wohlfühlen. Nicht jeder möchte und sollte mit einer Katze arbeiten. Es gibt immer Patienten, die eine unbekannte Katzenhaar-Allergie haben, beim Kontakt mit tränenden Augen, Atemproblemen oder Hautreaktionen reagieren. Das ist ein Abbruchkriterium. Patienten können Angst vor Katzen allgemein haben oder in bestimmten Situationen, wenn sich die Katze unerwartet verhält.
Was schützt „Fuchur“ und „Jonathan“ vor Überlastung?
Ein wichtiger Aspekt ist, die Katzen müssen sich wohlfühlen, jederzeit die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen. Patienten könnten nach der Katze greifen, Gegenstände werfen oder nach ihr treten. Dies sind klare Abbruchsignale. Natürlich kommt es vor, dass die Katzen Erholung brauchen, eine Auszeit. Die Verantwortung liegt stets beim Therapeuten, die Katze zu schützen.
Zum Therapeuten-Team gehören auch einige Vierbeiner. Therapiebegleit-Pferde, Therapiebegleit-Schafe und -Hunde helfen den jungen Patienten, ihre wenn auch verkürzte, doch umso wertvollere Lebenszeit voll auszuschöpfen.
Ursprünglich waren Katzen nicht als Therapiebegleit-Tiere im Kinderhospiz geplant, doch die schnurrenden Begleiter „Fuchur“ und „Jonathan“ zeigen, welches Potential in den Samtpfoten steckt.
Über die Erfahrungen in der katzengestützten Therapie schreiben die Biologin und Psychotherapeutin Roswitha Zink, ihre „Lichtblickhof“-Kollegin Renate Deimel (Bild oben), sie ist Sonder- und Heilpädagogin sowie Psychotherapeutin, und ihre Wissenschaftskollegin Karin Hediger, Professorin für Psychologie an der Universität Luzern (Schweiz), Psychotherapeutin und Traumatherapeutin, im Buch „Dr. Katze“.
Frau Deimel, was qualifiziert Katzen
als Therapeuten für Menschen?
Katzen können komplex fühlen und denken. Sie bauen Bindungen zu ihren menschlichen Begleitern auf, die ihr Verhalten und ihre Reaktionen beeinflussen. Sie sind in der Lage, eine Reihe von Emotionen auszudrücken, und sie stehen in Wechselbeziehungen mit Menschen und anderen Katzen. Diese Fähigkeiten machen sie zu spannenden und wertvollen Therapiebegleitern.
Lassen sich Katzen „ausbilden“?
Sie lernen schnell und gerne, können Regeln lernen und sich komplexe Tricks, ja sogar ein Sprachsystem der unterstützten Kommunikation auf einem Sprachboard merken. Das sind programmierbare Tasten, die kurze Hörnachrichten wie „Futter“ oder „Spielen“ abspielen, wenn die Katze draufdrückt. Sie können Namen zu Gesichtern von vertrauten Katzen und Menschen zuordnen, ihren Namen von anderen Wörtern unterscheiden, selbst wenn er von ihnen unbekannten Menschen genannt wird. Sie erkennen menschliche Stimmen und stimmliche Signale, was auf ein fortgeschrittenes soziales Lern- und Kommunikationsniveau schließen lässt.
Können Katzen direkt auf die
Bedürfnisse eines Menschen eingehen?
Ja, Studien zeigen, sie können emotionale Veränderungen bei Menschen sensibel wahrnehmen und mit angemessenem Verhalten darauf reagieren. Die Blickkommunikation zwischen Mensch und Katze gilt als wichtiger Faktor für das Entstehen einer emotionalen Beziehung und einer Bindung. Tatsächlich haben Katzen genauso oft Blickkontakt zu ihren Bezugspersonen wie Hunde. Auch versuchen sie, menschliche Gesten zu verstehen.
Wo lassen sich Therapiekatzen überall einsetzen?
Es gibt Katzen in Altersheimen, Hospizen, Strafvollzugsanstalten oder psychiatrischen Kliniken. Eine andere Form ist, wenn Katzen den Therapeuten in die Praxis begleiten und dort Patienten treffen. Optimalerweise ist der Praxisraum Teil des normalen Wohnumfeldes der Katzen, etwa im Haus des Therapeuten. Weniger häufig sind Besuchskatzen. Eher neu sind Assistenzkatzen, die wie Assistenzhunde ausgebildet sind. Sie leben beispielsweise mit psychisch belasteten Menschen zusammen und sollen diese unterstützen.
Wie setzen Katzen ihre sozialen Fähigkeiten ein?
Katzen gehen proaktiv in der Therapie auf die Patienten ein. Ein Beispiel, sterben Kinder, ist das Leid der Eltern unendlich. Diese starken Emotionen berühren unsere Kater sichtbar. Normalerweise interessiert sich „Fuchur“ in der Therapie nur für die Kinder, außer er bemerkt, die Eltern brauchen seine Aufmerksamkeit mehr. „Fuchur“ erkennt in der letzten Phase der Begleitung von schwer kranken Kindern wie magisch den Moment, an dem er sich fast ausschließlich um die Eltern bemüht. In keiner anderen Therapiesituation mit Eltern tut er dies.
Wie helfen die Katzen Ihren jungen Patienten?
Ihre ruhige, feinfühlige und eigenständige Art macht sie für viele Patienten besonders zugänglich, vor allem für jene, denen enge oder fordernde Bindungen schwerfallen. Die Anwesenheit einer Katze kann beruhigend wirken, Sicherheit vermitteln oder zum behutsamen Beziehungsaufbau beitragen. Die Arbeit mit den Katzen hilft, die Körperwahrnehmung der Patienten zu verbessern. Mit „Fuchur“ traut sich unser Patient Tim auf dem Spielplatz mehr zu. Auch beim Überwinden von Ängsten hat ihm „Fuchur“ geholfen.
Schnurren Ihre Katzen in den Therapiestunden?
In unserer Erfahrung mit katzengestützter Therapie ist Schnurren meist eine der ersten Kontaktaufnahmen der Katzen zu den Patienten und eines der Signale, die den Kindern unmissverständlich positive Gefühle entlocken. Einer unserer kleinen Patienten spricht noch nicht, aber es freut ihn sichtlich, wenn Kater „Jonathan“ ihn anschnurrt und er entspannt sich daraufhin deutlich.
Das Streicheln von Katzen soll beruhigend wirken …
Es wurde nachgewiesen, dass Streicheln, vor allem der eigenen Katze, zu einer tieferen Herzrate und einem niedrigeren Blutdruck führt. Eine andere Studie zeigte, dass Streicheln eher körperlich aktiviert, während das Spielen mit der Katze entspannt. In einer Studie über Stationskatzen in der Psychiatrie zeigte sich, Patienten, die auf einer Station mit einer Freigänger-Katze wohnten, waren deutlich zufriedener mit dem Behandlungsergebnis, den Pflegenden und Therapeuten. Zudem tragen Katzen dazu bei, soziale Fähigkeiten, Kommunikation und Selbstregulierung der Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung zu verbessern sowie Angst, Stress und soziale Isolation zu verringern.
Wann raten Sie von einer Therapie mit Katzen ab?
Ein zentraler Aspekt ist, dass sich die Patienten wohlfühlen. Nicht jeder möchte und sollte mit einer Katze arbeiten. Es gibt immer Patienten, die eine unbekannte Katzenhaar-Allergie haben, beim Kontakt mit tränenden Augen, Atemproblemen oder Hautreaktionen reagieren. Das ist ein Abbruchkriterium. Patienten können Angst vor Katzen allgemein haben oder in bestimmten Situationen, wenn sich die Katze unerwartet verhält.
Was schützt „Fuchur“ und „Jonathan“ vor Überlastung?
Ein wichtiger Aspekt ist, die Katzen müssen sich wohlfühlen, jederzeit die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen. Patienten könnten nach der Katze greifen, Gegenstände werfen oder nach ihr treten. Dies sind klare Abbruchsignale. Natürlich kommt es vor, dass die Katzen Erholung brauchen, eine Auszeit. Die Verantwortung liegt stets beim Therapeuten, die Katze zu schützen.








