Stefanie Reinsperger:
Wo die Liebe hinfällt
Zwei Menschen, zwei Welten. Sie ist mit sich zufrieden, auch wenn sie ein paar Kilo zu viel hat. Für ihn ist das undenkbar. Er ist ein sportlicher Fitness-Fanatiker. Wie die beiden dennoch zueinander finden, zeigt diese „Herzkino“-Folge.
Jenny (Stefanie Reinsperger, 37), Mitarbeiterin in einem Versandhandel für Pflanzen, ist mit sich, ihrer Figur und ein wenig Übergewicht völlig im Reinen. Sie genießt das Leben und tanzt leidenschaftlich gern. Als sie nach einem Tanzunfall in die Reha muss, trifft sie dort auf den bekannten Fitness-Werber Timo (Golo Euler, 43), der durch übermäßige sportliche Betätigung heftige Kniebeschwerden hat.

Als sich die beiden kennenlernen, prallen Selbstakzeptanz und Körperkult aufeinander. Während er ständig danach strebt, seinen Körper zu optimieren, lebt sie zufrieden mit ein paar Kilo mehr. Genau diese Gelassenheit macht Jenny für Timo so anziehend. Er fühlt sich zunehmend zu der selbstbewussten Frau hingezogen. Die zarte Annäherung findet allerdings ein schnelles Ende, als Timos Managerin ihn für eine Werbe-aktion aus der Klinik holt.

Auch Jenny kehrt in den Alltag zurück, wo eine besondere Aufgabe auf sie wartet. Ihre Freundin Riccarda bittet sie, in der Schule ihrer Tochter über „Body Positivity“ zu sprechen, eine Bewegung gegen ungesunde Schönheitsideale. „BoPo“ befürwortet die Schönheit aller Körperformen und -Typen. Dazu kann Jenny mit den Schülern leidvolle Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben teilen. Nichts würde in ihre Welt und das aufkeimende Vertrauensverhältnis mit den Schulklassen jetzt weniger passen als eine Beziehung mit einem sportsüchtigen Fitness-Fanatiker. Trotzdem kann Timo Jenny nicht vergessen und tut alles, um sie wiederzusehen. Sein entwaffnender Charme überwindet letztlich auch Jennys letzte Barrieren. Doch ihr gemeinsames Glück wird noch auf eine harte Probe gestellt …

„In unserem Film begegnen wir einer Frau, die sich liebt und ihren Körper angenommen hat. Ich finde das eine bewundernswerte Leistung – das muss man heute leider immer noch so sagen“, meint Stefanie Reinsperger. „Uns Frauen ist ja von der Gesellschaft extrem antrainiert worden, dass mit uns allen etwas nicht stimmt. Die ganze Industrie ist darauf ausgelegt, dass Frauen ständig versuchen, ihr Aussehen zu verbessern. Bei Jenny haben wir es in der Geschichte mit einer Figur zu tun, die sich gut findet, so wie sie ist. Trotz Ängsten und Unsicherheiten.“

Das im Grunde ernste und nach wie vor aktuelle Thema bewirkte, dass die Ex-Buhlschaft der Salzburger Festspiele und Ex-„Tatort“-Kommissarin den Weg vom Burgtheater-Ensemble ins „Herzkino“ nahm. „Für mich ist unser Film eine Liebesgeschichte mit politischem Mehrwert“, betont Reinsperger. „Es geht in erster Linie darum, dass sich zwei Menschen begegnen und einander wirklich sehen wollen mit all ihren Ecken und Kanten, Ängsten, Abgründen und Fehlern – und all ihrer Schönheit. Es geht aber auch darum, mit diversen Vorurteilen aufzuräumen. Ich denke, dass es jeder Mensch verdient, sich selbst zu lieben und geliebt zu werden.“