„Ich leide an Angstzust änden“
Actionfilme wie „Deadpool“ liegen Ryan Reynolds. In „IF – Imaginäre Freunde“ zeigt er seine weiche Seite. Privat schwebt der vierfache Vater in zweiter Ehe auf Wolke sieben. Wäre da nicht seine psychische Erkrankung.
Auf einmal waren sie da. Der lila-farbene Plüsch-Riese „Blue“, die balletttanzende Schmetterlingsdame „Blossom“ und das Einhorn „Eini“. Die kleine Bea, gespielt von
Cailey Fleming, 17, hat eine besondere Gabe. Sie kann imaginäre Freunde anderer Menschen sehen.

Auch ihr Nachbar Cal (Ryan Reynolds, 47) besitzt diese Gabe. Gemeinsam stürzen sie sich in ein wildes Abenteuer. Sie wollen Kinder wieder mit ihren vergessenen imaginären Freunden verkuppeln. Die Fantasy-Komödie „IF – Imaginäre Freunde“ ist in den Kinohitlisten ganz oben.

Angst vor dem strengen Vater

Auch der Hauptdarsteller Ryan Reynolds hatte als Kind einen imaginären Freund. „Ich hatte einen kleinen Kerl namens ,Gumbi‘.
Er sah aus wie ein Vampir. Mein Bruder hatte einen, der ,Poki‘ hieß und wie ein Bär war. Sie waren unsere Freunde“, erzählt der am 23. Oktober 1976 in Vancouver (Kanada) geborene Ryan Rodney Reynolds schmunzelnd. Er war der jüngste von vier Brüdern und als solcher oft das Angriffsziel. „Durch meinen imaginären Freund kapselte ich mich ab und lebte in einer eigenen Welt.“

Sein Elternhaus beschreibt er als streng. „Ich hatte keine schreckliche Kindheit, aber es war angespannt.“ Sein Vater war ein ehemaliger Polizist, der schnell ausrasten konnte. „Ich habe ihn immer als eine von Haut überzogene Landmine bezeichnet. Warum ich heute so gut im Beruf bin, verdanke ich teils diesem Umstand. Ich halte immer nach Gefahren Ausschau.“ Wenn der Vater bei guter Laune war, ging er mit seinem Sohn ins Kino. „Er mochte Buster Keaton und Bill Cosby. Auch ich mochte sie. Ich wollte wie sie werden.“ Ryan Reynolds‘ Schauspiel-Talent war in jungen Jahren aber noch nicht ersichtlich.

„In der Schule besuchte ich eine Schauspielklasse, fiel aber durch.“ Trotzdem durfte er als Jugendlicher in der Teenager-Seifenoper „Hillside“ mitspielen. Seine Rolle spielte er zwei Jahre lang. Die erhofften Filmangebote blieben danach aber aus. „Nach der Matura wurde ich erst einmal Staplerfahrer in einem Supermarkt.“

Mit Blake Lively funkte es auf einer Zugfahrt

Ein Freund überredete ihn aber, in Hollywood (USA) sein Glück zu probieren. Zunächst hielt er sich in der Traumfabrik mit unbedeutenden Fernsehtätigkeiten über Wasser. Bis er für die Fernsehserie „Ein Trio zum Anbeißen“ entdeckt wurde.

Seinen Durchbruch feierte er unter anderem mit der Studenten-Filmkomödie „Party Animals – Wilder geht‘s nicht“ (2002). Die Kinokassen klingelten auch mit „Green Lantern“ (2011) und der „Deadpool“-Filmreihe (ab 2016). Auf einem Fest seiner Schauspielkollegin Drew Barrymore hatte er sich mit 26 Jahren in die kanadische Sängerin Alanis Morissette, 50, verliebt. Rund fünf Jahre lang waren die beiden ein Paar. Trotz Verlobung gab es nie einen Hochzeitstermin. Im Jahr 2007 ließ er sie sitzen.

Danach angelte sich die Schauspielerin Scarlett Johansson, 39, den Schönling. Im Jahr 2008 gaben sich die beiden das Jawort. Das Glück währte aber nur zwei Jahre. Scarlett Johansson wollte die Scheidung. Schuld gab sie „seiner Unsicherheit und seiner Eifersucht“.

Trost fand Reynolds bei Blake Lively, 36, bekannt aus der Serie „Gossip Girl“. Die beiden lernten sich bei den Dreharbeiten von „Green Lantern“ kennen, der an der Kinokasse floppte. Danach hielten sie Kontakt und trafen sich öfter. Auf einer gemeinsamen Zugfahrt nach Boston (USA) ist es dann geschehen. „Ich habe sie angefleht, mit mir zu schlafen“, gesteht er verlegen. Aus dem schnellen Abenteuer wurde bald eine Beziehung. „Es war wie im Märchen.“

Das Schauspieler-Paar heiratete 2012 und hat vier gemeinsame Kinder, die Töchter James, 9, Inez, 7, und Betty, 4. Im Februar bekamen die Kleinen ein Geschwisterchen, dessen Geschlecht und Namen bislang unbestätigt ist.

Nervenzusammenbruch nach Dreharbeiten

Von Kindern scheinen die beiden nicht genug bekommen zu können. „Wir lieben es, Kinder zu haben. Wir wären Idioten, wenn wir es nicht lieben würden“, meint Ryan Reynolds schmunzelnd. Die schönste Zeit des Tages ist, wenn er die Kinder in die Schule und wieder heimbringt.

Das Geheimnis der Ehe der beiden Schauspieler ist, das Privatleben vor die Arbeit zu stellen. „Als wir zusammengekommen sind, stellten wir die Regel auf, niemals gleichzeitig zu arbeiten. So geben wird unserem Privatleben immer den Vorrang“, verrät Blake Lively.

Das Leben der beiden wäre perfekt, wäre da nicht die psychische Erkrankung von Ryan Reynolds. „Ich leide schon mein ganzes Leben lang an Angstzuständen. Ich fühle mich, als hätte ich eine zweigeteilte Persönlichkeit“, gesteht er. Er führt dies auf seine strenge Kindheit zurück.

Nach den Dreharbeiten zu „Deadpool“ hatte er „einen kleinen Nervenzusammenbruch“. Auch vor Presseterminen und Auftritten in Fernsehshows übermannt ihn die Angst. „Doch sobald sich der Vorhang öffnet, übernimmt dieser kleine Kerl die Kontrolle. Er sagt dann, ‚Du machst das schon.‘ Mein Herzschlag sinkt und meine Atmung beruhigt sich. Ich bin dann ein anderer Mensch.“
In der Erziehung will er es besser machen als sein Vater.
„Ich versuche, den Kindern Grenzen zu setzen, mit ihnen zu kommunizieren und sie Anteilnahme zu lehren“, sagt der 47jährige Schauspieler. rb