Ein „Sonnenplatzerl“ zum Altwerden
Die Landwirtin und Diplomkrankenpflegerin Christa Schwinner erfüllte sich mit ihrem „Senioren-Bauernhof“ in Maria Roggendorf (NÖ) einen Lebenstraum. Hier können ältere Menschen seniorengerecht und in geselliger, familiärer Atmosphäre ihren Lebensabend verbringen.
Ein kleines Dorf, umgeben von Weizenfeldern, die sich sanft im lauen Sommerlüfterl wiegen. Von fern ist das Knattern eines Traktors zu hören und die Schwalben ziehen ihre Kreise am blauen Himmelszelt. „Wunderschön ist es hier, ich kann mir nichts Besseres wünschen“, meint Anna Hassa und genießt dabei den herrlichen Blick in den Garten. Ein Zufall hat die geborene Wienerin hierher – ins idyllische Weinviertel (NÖ) – gebracht. Und in gewisser Weise auch ein schlimmer Schicksalsschlag.

„Im Jahr 2020 ist meine Wohnung komplett ausgebrannt“, erinnert sie sich. Das war damals schmerzlich für sie, habe sie doch alles verloren. „Barfuß und im Nachthemd konnte ich gerade noch mein Leben retten, alles andere wurde vernichtet.“ Die 89jährige kam dann bei Tochter und Schwiegersohn in der Nähe von Hollabrunn (NÖ) unter, wo sie die vergangenen drei Jahre gelebt hat.

Selbstständig leben können, aber nicht alleine dabei sein

„Obwohl es mir dort gut gegangen ist, habe ich mich entschieden auszuziehen. Die beiden haben ja noch ein Leben und sollen nicht dauernd denken müssen, da ist die alte Mama daheim.“ Und so kam es, dass sie auf die alternative Senioreneinrichtung aufmerksam wurde und zu ihrer Tochter sagte: „Melde mich an. Und jetzt bin ich glücklich hier und hoffe, dass ich an diesem Platz ,ausleben‘ darf.“

Jener Platz, das ist das „Sonnenplatzerl“ in Maria Roggendorf (NÖ) Nummer 39, eine im Dezember 2023 eröffnete betreute Seniorenwohngemeinschaft, die auch ein Tageszentrum für ältere Menschen beherbergt. Gelegen im Zentrum des 120-Einwohner-Ortes, gleich neben einer Wallfahrtskirche aus dem elften Jahrhundert.

Und das „Sonnenplatzerl“ trägt seinen Namen zu Recht. „Unsere Bewohner werden in der Früh von der Sonne geweckt. Das wärmt die Seele“, weiß Christa Schwinner, 46, die Gründerin der Senioren-WG. Sie ist nicht nur Diplomkrankenpflegerin, sondern hat vor mehr als sieben Jahren auch ihre Ausbildung zur Landwirtschaftsmeisterin gemacht. Im Zuge ihrer Projektarbeit hat Schwinner von „Green Care“, einem Kompetenznetzwerk für die Entwicklung von innovativen Maßnahmen auf bäuerlichen Familienbetrieben erfahren.

Alternative Wohnformen im Alter werden immer beliebter

Begeistert von dem ganzheitlichen Konzept, das die positive Wirkung der Natur, von Tieren und Pflanzen nutzt, um ältere Menschen zu fördern, fehlte nur noch der Platz für die Umsetzung. „Als unsere Nachbarin im Jahr 2020 verstarb, konnten wir das Grundstück erwerben.“ Im Juli 2022 war Baubeginn und im vergangenen Herbst wurde das Haus mit Platz für insgesamt neun Bewohner fertiggestellt.

Die können hier nun selbstständig inmitten der Natur und demnächst auch mit den Bauernhof-Tieren der Familie leben. „Dann wird es im alten Stadel hinten Hendln geben und auch Schafe.“

Viele Menschen sind im Alter in ihrer Mobilität eingeschränkt und benötigen Hilfe bei Alltagserledigungen, weiß Schwinner. Oft bleibe nur der Weg ins Alten- oder Pflegeheim. Auf individuelle Bedürfnisse werde dort aber kaum Rücksicht genommen. Deshalb suchen immer mehr Ältere nach Alternativen, etwa dem „Altwerden in der Gemeinschaft“, so wie sie das „Sonnenplatzerl“ bietet. Das Motto dort lautet, „so viel Selbstständigkeit wiemöglich, so viel Betreuung wie nötig“. Unterstützt werden die Bewohner durch ein vierköpfiges Team etwa beim Anziehen der Stützstrümpfe oder beim Spritzen von Insulin. Sogar Friseur- und Fußpflegetermine sind im Haus möglich.

Die Niederösterreicherin Vera Mannsberger ist vor einem halben Jahr als erste in das sonnengelbe Haus eingezogen. „Mir geht es gut hier“, erzählt die 84jährige Witwe, die gerade mit ein paar Besuchern des Tageszentrums in der hellen, modernen Küche Rummy spielt.

Auf dem großen Esstisch werden gemeinsam die Mahlzeiten eingenommen, die jeden Tag frisch gekocht werden. Auch Gemüse aus dem Garten kommt auf den Tisch. Wer will, kann bei der Zubereitung helfen.

„Es ist alles ein Können, aber kein Müssen. Frau Vera etwa arbeitet gerne in der Küche mit. Sie ist die gute Seele hier, räumt auch oft den Geschirrspüler aus.“ Die Pensionistin hat früher einen Garten gehabt und ist glücklich, in den Hochbeeten „garteln“ zu können.

Einer, der lieber die Aussicht auf ebendiesen genießt, ist Karl Stacher, neben Pater Robert der einzige Mann in der Wohngemeinschaft. Der 77jährige hat viel zu erzählen, etwa von seinen Reisen nach Russland. Wenn er seine Ruhe haben will, zieht er sich auf sein Zimmer zurück.

Die sind hell und freundlich und erinnern mehr an Hotelzimmer.

„Unsere Bewohner richten sich ihre Zimmer individuell ein.“ Jeweils zwei knapp 18 Quadratmeter große Zimmer liegen nebeneinander und haben einen Ausgang in den großen Garten mit einer Terrasse davor. Sogar das eigene Haustier darf mit in die Senioren-WG, „denn das ist für viele oft die einzige ,Bezugsperson‘“, weiß Schwinner.

Mittlerweile ist die Gemeinschaft gut zusammengewachsen. „Unsere jüngste Bewohnerin ist Anfang 60, die beiden ältesten 89. Wir nehmen einfach Rücksicht auf die verschiedenen Charaktere.“

Für Schwinner ist die vor Kurzem mit einer „Green Care“-Zertifizierung ausgezeichnete Senioren-WG „mein Herzensprojekt“.

Auch wenn es Teil des Nebeneinkommens sei, mache sie es in erster Linie, weil es andere Modelle in der Betreuung älterer Menschen braucht.

„Die dauert bei uns nicht nur von 8 bis 16 Uhr. Ich bin für alle Sorgen und Nöte meiner Bewohner verantwortlich, die auch ein Teil meiner Familie geworden sind.“ rz

Kosten und Leistungen

6 Einzelzimmer mit Bad, WC & Terrasse – Miete inklusive Betriebskosten: € 900,– pro Monat.

3 Einzelzimmer mit gemeinsamem Bad, WC und Vorraum – Miete und Betriebskosten: € 800,– im Monat.

Betreuungspauschale für 24 Stunden Notrufbereitschaft,
Reinigung, Wäscheservice, Erledigung von Einkäufen,
Arztbesuche: € 300,–/Monat

Verpflegung: € 20,–/pro Tag

Außerdem bietet das „Green Care Sonnenplatzerl“ auch ein Tageszentrum für Personen mit der Pflegestufe 1 bis 4, von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16.30 Uhr.

Tel.: 0680 142 01 78
www.greencaremariaroggendorf.at