Rein ins kühle Nass
Die Ferien stehen vor der Tür und der Sommer wird uns bestimmt noch den einen oder anderen heißen Tag bescheren, den wir dann lieber im kühlen Nass verbringen wollen. Die Betreiber unserer Freibäder von Vorarlberg bis Wien haben sich einiges einfallen lassen, um größtmöglichen Badespaß zu garantieren. Auch Kuriositäten sind darunter.
Der Klimawandel lässt uns auch heuer schwitzen. „Es erwarten uns überdurchschnittlich hohe Temperaturen. Schon allein statistisch gesehen sind etwa 20 bis 30 Hitzetage in den meisten Ballungszentren zu erwarten.
Wenn wir die drei Sommermonate Juni, Juli und August hernehmen, bringt jeder dritte Tag mehr als 30 Grad“, sagt Gerhard Hohenwarter von der GeoSphere Austria.

Seit Mitte Juni gab es schon einige Hitzetage. Auch dieser Tage erwarten uns im Osten des Landes bis zu 30 Grad. Im Westen des Landes etwa 25 Grad.

Abkühlung bieten neben rund 400 heimischen Badeseen etwa 300 Freibäder. In dieser Saison warten etliche neue Attraktionen auf die Besucher. In Wien wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. So wurde das Kongressbad in Ottakring als 17. Bad in die Energiesparprojekte einbezogen.

Neue Becken, Sportplätze und Kultur in Wiener Bädern

„Für die Beckenerwärmung sorgen drei Luft-Wasser-Wärmepumpen, der Großteil des dafür erforderlichen Stromes kommt aus einer neuen Photovoltaik-
anlage. Die Badewasseraufbereitung wurde erneuert und das Sportbecken erhält eine Abdeckung, um den Wärmeverlust zu mindern. Insgesamt können pro Jahr 98 Prozent Fernwärme und 61 Prozent Wasserverbrauch (33.000 Kubikmeter) eingespart werden. Das entspricht rund 40 Tonnen CO2“, erklärt der Sprecher Martin Kotinsky.

In die „Bäderstrategie 2030“ investiert die Stadt Wien in den nächsten Jahren insgesamt € 115 Millionen. Das Großfeldsiedlungsbad (Floridsdorf) und das Simmeringer Bad bekommen jeweils ein neues Sportbecken (25 mal 12 Meter). Die Eröffnung im Floridsdorfer Bad findet im September statt. Jene im Simmeringer Bad im Jahr 2025.

Im Strandbad Alte Donau wurde bereits der Badesteg erneuert. Das Großfeldsiedlungsbad bekam neue Sportplätze für Fußball, Beachvolley- und Basketball. Im Schafbergbad (Währing) wurde die 102 Meter lange Wasserrutsche erneuert. Das Strandbad Gänsehäufel bekam drei zusätzliche Beachvolleyballplätze, zudem finden hier immer wieder Theateraufführungen und Konzerte statt.

Die Stadt Wien ist für die heurige Badesaison zuversichtlich. Auch das vergangene Jahr war ein gutes Jahr. Es kamen zwei Millionen Besucher.

Heuer sind die Eintrittspreise der Wiener Bäder gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent höher. Begründet wird dies mit den hohen Energiepreisen. Erwachsene zahlen für die Tageskarte nun € 7,60, Senioren € 5,70. Die Sechs-Monats-Karte kostet € 159,60, für Senioren € 119,70.

Badespaß zum Nulltarif gibt es am neuen „Arena Beach“ in der Kaisermühlenbucht. Der Strand liegt am linken Ufer der Neuen Donau stromabwärts der Kaisermühlenbrücke (Donaustadt). Der Naturbadeplatz punktet mit 1.100 Quadratmetern Sandstrand, gemütlichen Terrassen und Schatten spendenden Bäumen. „Während anderswo Gewässerzugänge privatisiert werden, attraktivieren und öffnen wir Badeplätze“, erklärt Wiens Stadtplanungs-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ).

Mit dem schönsten Ausblick auf Wien punktet das Krapfenwaldlbad am Cobenzl Berg (Höhe 382 Meter).

Das Bad ist etwa so groß wie fünf Fußballfelder und bietet Platz für 4.500 Personen. Im vergangenen Jahr feierte das Krapfenwaldlbad sein 100jähriges Jubiläum mit einem großen Fest.

In diesem Jahr wird das 100. Jubiläum des Strandbades Klagenfurt (K) gefeiert. Es gab bereits eine große Feier und ein Freiluftkino. Am 7. September (ab 18 Uhr) tritt der Liedermacher Simon Stadler auf (Beginn: 18 Uhr, Eintritt frei). Neu ist, dass die Tages- und Saisonkarte für die Strandbäder Klagenfurt, Loretto und Maiernigg auch digital auf das Mobiltelefon geladen werden können. Die Eintrittspreise sind um etwa acht Prozent gestiegen.

Stark verbilligte Eintrittspreise am Schwarzlsee

Im Strandbad Klagenfurt wurden zuletzt Häuschen-Reparaturen und Begradigungen der Pflasterungen durchgeführt. Auch im Thermalstrandbad in Baden (NÖ) gab es Arbeiten. „Es wurden einige Kabanen saniert und Gehwege neu asphaltiert. Zudem wurden drei in die Jahre gekommene beziehungsweise defekte Umwälzpumpen durch neue, effiziente und stromsparende Modelle ersetzt“, erklärt der Sprecher Sascha Steffl. Auch heuer gibt es wieder Sportveranstaltungen wie die „Beachvolleyball Worldtour“ und Wasserballturniere. Die Eintrittspreise seien 2023 um bis zu 15 Prozent angehoben worden, heuer blieben die Preise gleich. Im Durchschnitt kommen jährlich 185.000 Badegäste, 2023 waren es sogar 220.000.

Mit einer stark verbilligten Saisonkarte lockt der Schwarzlsee in Premstätten (Stmk.) Besucher an. Statt € 119,– werden nur € 89,– fällig. Und gut 870 Busfahrten pro Woche, etwa von Graz, Feldkirchen und Premstätten, sorgen für eine klimafreundliche Anreise. Der See bietet mehr als 30 Freizeitangebote, darunter eine Segelschule und eine Tauchschule.

Am 3. August gibt es eine Party mit Musik aus den 80er und 90er Jahren (Beginn 20 Uhr, bis 21 Uhr freier Eintritt).

Rettungsring für die Tiroler Bäder

Das Wasser bis zum Hals steht dagegen den Tiroler Bäderbetrieben. Sie brauchen finanzielle Hilfe. Von bis zu 20 Millionen Euro für die 24 Bäder ist die Rede. Grund sind die
hohen Betriebskosten und benötigte Investitionen in die Infrastruktur. „Mit einem Drei-Säulen-Modell, das die finanzielle Last gleichmäßig auf das Land, die Tourismusverbände und die Gemeinden verteilt, könnte der Kostendruck gelindert werden“, erklärt der Sprecher Michael Tschackert. Zuletzt wurde das Bad in Hall in Tirol saniert, es öffnet am Freitag, 28. Juni.

Gratis ins Freibad kommen heuer Fleißige in der Gemeinde Gaschurn (V). Wer Maikäfer sammelte und damit einen Fünf-Liter-Kübel füllte, erhielt eine Freikarte fürs Bad. So bekämpfte die Gemeinde die Maikäferplage. Der Ortschef Daniel Sandrell freut sich, dass seine Gemeindeschäfchen fleißig gesammelt haben und 25 Personen in den Genuss eines kostenfreien Badespaßes kamen.

Traurige Schlagzeilen machen dagegen jedes Jahr die Toten beim Baden. Laut Statistik Austria sind in den Jahren 2013 bis 2022 jährlich zwischen 22 und 47 Menschen ertrunken. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) verweist auf eine Studie aus dem Jahr 2022, wonach jeder Zehnte zwischen fünf und 19 Jahren nicht schwimmen kann und rund sieben Prozent der Gesamtbevölkerung unfähig sind, sich über Wasser zu halten. „Verantwortlich dafür ist unter anderem der Entfall des Schwimmunterrichtes in der Corona-Zeit.“

Martin Eberl von der oberösterreichischen Wasserrettung kritisiert, „dass Kinder heute später schwimmen lernen und nicht mehr so gut“. Das liege laut Eberl auch daran, dass etliche Bäder zusperren. Er bestätigt, dass die Pandemie eine Rolle spielte. „Die Schwimmkurse, die ausgefallen sind, sind nicht mehr aufzuholen.“ rb