Feiern wie die Kelten
In Schwarzenbach (NÖ) findet am Wochenende das einzige Keltenfestival unseres Landes statt. Das dreitägige Fest wird an jenem Ort abgehalten, wo einst das kriegerische Volk lebte. Die Besucher erleben keltische Rituale und mehr.
Zehn Männer mit keltischer Kriegsbemalung stehen einander gegenüber. Die einen gehören zum Keltenstamm der Noriker, die anderen zum Volk der Boier. Beide Gruppen wetteifern um den Sieg beim „Zehnkampf“. Sie werfen Baumstämme, Speere und sogar ein Krauthappel.

Das runde, grüne Gemüse kommt bei der Disziplin „Keltenball“ zum Einsatz. „Dieses Spielt ähnelt dem Basketball. Anstatt eines Balles werfen die Männer aber ein Krauthappel in einen Korb“, erklärt Carina Baranek vom Keltendorf Schwarzenbach. Das Turnier, ein Gaudium für die Besucher, findet in Schwarzenbach im Bezirk Wiener Neustadt-Land (NÖ) statt. Vom 21. bis 23. Juni ist das Dorf Schauplatz des einzigen Keltenfestivals unseres Landes.

Wo einst die Kelten lebten

Im zweiten Jahrhundert vor Christus siedelten in Schwarzenbach die Kelten. Sie gründeten eine der größten stadtartigen Ansiedlungen des Ostalpenraumes. Ihr Dorf schützten die Kelten mit einer bis zu zehn Meter hohen Wehrmauer. „Die Wallanlage ist noch zu sehen. Das Keltenfest halten wir inmitten der Mauern ab. Genau dort, wo einst die Kelten lebten“, erzählt die Niederösterreicherin.

Für die Besucher wird ein umfangreiches Programm geboten. Sie können keltische Werkzeuge wie eine Tüllenaxt oder einen Löffelbohrer ausprobieren. „Mit Feilen und Sägen dürfen sie Geweihe bearbeiten oder Dächer mit Schindeln decken. Das Schmieden und Töpfern dürfen ebenfalls erprobt werden“, sagt Baranek. Wer sich in eine keltische Dorf-Schönheit verwandeln will, lässt sich Zöpfe und Blumenkränze ins Haar flechten. Zum Trinken gibt es Honigbier und als Stärkung wird Fleisch über Lagerfeuer gegart.

Zudem dürfen sich die Gäste beim Bogenschießen sowie beim Axt- und Messerwurf üben. Wer das kriegerische Treiben lieber beobachtet, hat dazu am Nachmittag eine gute Gelegenheit. Am Samstag und Sonntag wird jeweils ab 14 Uhr gezeigt, wie die Kelten kämpften. Mit Schwertern,
Lanzen und Schilden gehen Darsteller im Schaukampf aufeinander los, sowohl zu Fuß als auch hoch zu Ross.

Ohne Pferd, dafür aber genauso groß, sind die beiden Riesen-Kelten auf dem Festgelände. „Die Musiker Manuel Komosny und Friedrich Schnalzer von der burgenländischen Gruppe ,Eidaxl Combo‘ schlüpfen in Kostüme der
Giganten (li.). Sie beherrschen die Kunst des Stelzengehens und werden Instrumente spielen.“

Musik gehört zum Keltenfest dazu. Die „Na Mahones“ unterhalten mit schottischer und irischer Musik. Sie werden die Bühne mit Gitarren, Banjos, Flöten und einer irischen Rahmentrommel namens Bodhrán betreten. Die burgenländische Musikgruppe „Caledonian Pipes & Drums“ setzt auf Dudelsäcke.

Mitten hinein in diesen heiteren Trubel mischt sich der wichtigste Kelte, der Druide. Er ist an seinem weißen Gewand und seinem Stab zu erkennen. Seit Beginn der Keltenfeste, die bereits zum 27. Mal stattfinden, mimt Robert Böhm, 85, den Heiler.

„Besucher treffen ihn in seinem Tempel an. Zudem mischt er sich während des Festes mit einem Gefolge und seinem Nachwuchsdruiden unter die Gäste“, verrät Baranek. Böhm ist einer von 700 Freiwilligen, die dieses Fest organisieren. „Ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre das alles nicht möglich“, lobt Baranek ihre Mannschaft. Der Druide darf auch nicht fehlen, wenn am Samstag ein riesiger Scheiterhaufen angezündet wird. Sobald die Dunkelheit hereinbricht, wird ein Sonnwendfeuer entzunden, das bis in die Morgenstunden brennt. Das Holz, das auch die Flammen nährt, war die Grundlage der keltischen Kultur. Aus diesem Rohstoff haben sie ihre Häuser, die Wallanlage und ihre Werkzeuge gebaut. Innerhalb der schützenden Mauern standen einst 200 Häuser.

Im „Archäologischen Freilichtmuseum“ wurden einige neu aufgebaut. Darunter ein Adeligenhaus, ein Stallgebäude, ein Wohnhaus und ein Brotbackofen. „Die Archäologen
verwendeten nachgebautes Werkzeug der Kelten, um die Gebäude so authentisch wie möglich zu bauen. Davon bekamen einige Blasen an den Händen“, erzählt Baranek. Zudem sind Originalfunde wie Werkzeuge, Münzen und Schmuck der Kelten ausgestellt. Im Freilichtmuseum, das in das Keltenfestival eingebunden ist, spielt eine Gruppe das Leben der Kelten nach. Die Kelten hatten in Schwarzenbach eine mächtige Siedlung aufgebaut. Neben Holz verarbeiteten sie das Eisen aus der benachbarten Oberpullendorfer Bucht. Die Eisenerzvorkommen wurden intensiv abgebaut und der Wald abgeholzt. „Die Landschaft wurde zerstört. Die Wissenschaftler bezeichnen sie als ,boische Wüste‘.

Das Ende des Waldes war das Ende der keltischen Stadt um zirka 50 vor Christus. Vermutlich sind die Kelten weitergezogen.“ widlak