Neue Hilfe bei schweren Hitzewallungen
Acht von zehn Frauen leiden in den Wechseljahren unter plötzlichen Schweißausbrüchen, und das oft für Jahre. Bisher konnten in schweren Fällen nur Ersatz-Hormone helfen. Das ist jetzt anders.
Es passiert unvermutet, ohne Vorwarnung, ohne vorausgegangene körperliche Anstrengung, nicht selten mitten im Schlaf. Die Hitze steigt auf, breitet sich im Körper aus und drückt den Schweiß in Schüben oder sogar in „Strömen“ aus den Poren. Frauen, die in den Wechseljahren unter Hitzewallungen leiden, kennen diese Beschwerden nur zu gut. Ein Drittel leidet fünf Jahre und länger.
„Hitzewallungen sind leider oft wortwörtlich zu nehmen und ein äußerst unangenehmes Symptom der Wechseljahre. Sie können in schweren Fällen zu starken Schweißausbrüchen führen, die in der Nacht den Wechsel der Wäsche notwendig machen. Das führt in der Folge zu Schlafstörungen, manche Frauen frösteln und frieren nach einer nächtlichen Hitzewallung. Auch tagsüber sind heftige Hitzewellen unangenehm, vor allem bei Berufstätigkeit. Einige Frauen sind durch starkes Schwitzen am Kopf und im Gesicht besonders belastet“, beschreibt der Frauenarzt und Hormonspezialist Prof. Peter Frigo (docfrigo.at.at) das Problem.

Hinter dem Phänomen der plötzlich überschießenden Hitze im und am Körper steckt die Umstellung des Hormonhaushaltes, wenn der Körper der Frau von den fruchtbaren in die unfruchtbaren Jahre wechselt. „Vor der Menopause besteht ein Gleichgewicht zwischen Östrogenen, einem der weiblichen Sexualhormone, und einem vom Gehirn gebildeten Eiweiß mit der Kurzbezeichnung NKB. Dieses Gleichgewicht reguliert das Temperatur-Kontrollzentrum im Gehirn. In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel und NKB gewinnt Oberhand. Damit wird das Gleichgewicht gestört, und es kommt zu ‚vasomotorischen Symptomen‘. Im Volksmund werden sie Hitzewallungen genannt.“

Ersatzhormone sind oft keine Option

Ist der Leidensdruck groß, suchen Frauen ärztliche Hilfe. „Bislang haben sich Hitzewallungen nur wirksam mit einer Hormonersatz-Therapie behandeln lassen, aber nicht jede Frau möchte Hormone nehmen. Krebspatientinnen, Frauen mit bestimmten Autoimmunkrankheiten, mit hohem

Blutdruck oder zu hohem Alter dürfen sie nicht nehmen. Manche Frauen bekommen Hitzewallungen erst mit 70 Jahren. Eine Hormonersatz-Therapie würde ihr Brustkrebsrisiko erhöhen. Schließlich gibt es Frauen, die kurz nach dem 30. Lebensjahr in die Wechseljahre kommen. Ihnen sollten ebenfalls keine Hormone gegeben werden“, erklärt Prof. Frigo.

Reguliert das Wärmezentrum im Gehirn

Eine erste medikamentöse Antwort auf den Wunsch nach nicht hormoneller Unterstützung bei Hitzewallungen brachte nun das Pharmaunternehmen Astellas auf den Markt. Ende des Vorjahres erhielt es von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA die Zulassung, ihr Produkt „Veoza“ in Europa anzubieten. Das Medikament wurden in Dutzenden wissenschaftlichen Studien über zwei Jahre an einem Kollektiv von klimakterischen Frauen überprüft.

„Damit haben wir einen völlig neuen, nicht hormonellen Wirkmechanismus, der auf die Regulierung des Wärmezentrums im Gehirn wirkt. Das ist eine therapeutische Alternative zu den Hormonen. Bei einer Dosierung von 45 mg, das entspricht einer Tablette am Tag, waren die Beschwerden am deutlichsten gemildert. Für den Einstieg kann, in Absprache mit dem Frauenarzt, die geringere Dosis von 30 mg genommen werden. Sollte es notwendig sein, kann erhöht werden“, erklärt der Frauenarzt.

Wenn es unerwünschte Wirkungen gibt, entscheiden die Vor- und Nachteile

Wie bei jedem Medikament können unerwünschte Wirkungen auftreten. Der Hersteller gibt an, dass Durchfall, Bauchweh und Schlaflosigkeit die häufigsten Nebenwirkungen seien. „Es ist immer mit dem Arzt abzuklären, ob die ursächlichen Beschwerden, in dem Fall die Hitzewallungen, oder die Nebenwirkungen belastender sind. Da es sein kann, dass mit dem Arzneimittel die Leberwerte ansteigen, sollten Frauen, die das Präparat einnehmen, ein Mal im Jahr die Leberwerte untersuchen lassen“, beantwortet Prof. Frigo Fragen zu Nebenwirkungen.

Grundsätzlich ist der Hormonspezialist zufrieden, dass es eine Alternative zur Hormontherapie gibt. „Die Frauen müssen aber wissen, das Präparat lindert nur Hitzewallungen und Schweißausbrüche.

Andere Wechseljahrsbeschwerden, wie ein möglicher Knochenschwund oder psychische Schwankungen, werden mit dem neuen Präparat nicht positiv beeinflusst. Hier muss bei jeder Patientin individuell geachtet werden, dass weitere Beschwerden mit einer eigenen Therapie zusätzlich behandelt werden. Gut ist, dass dieses neue Medikament mit pflanzlichen Mitteln, etwa mit Salbei oder Soja, kombiniert werden kann.

Das Angebot wächst …

Die Verschreibung des Medikaments erfolgt durch den Frauenarzt, mit Rezept wird es in der Apotheke bestellt. Derzeit lassen sich die heimischen Apotheken Veoza noch über Deutschland liefern.

Ein Wermutstropfen kann der Preis von rund € 260,– pro Monat sein. Es bleibt zu hoffen, dass mit dem direkten Vertrieb von Veoza in unserem Land, ähnlich wie in Deutschland, das Medikament von der Krankenkasse übernommen wird oder eine Preissenkung durch den Wettbewerb eintritt. Das Pharmaunternehmen Bayer hat angekündigt, ebenfalls ein nicht hormonelles Mittel gegen wechseljahrbedingte Hitzewallungen auf den Markt zu bringen.