Ferry Öllinger: „Meine Speiseröhre muss gedehnt werden“
Er hat ein eineinhalb Jahre dauerndes gesundheitliches Tief hinter sich. Mit Demut und Gelassenheit hat Ferry Öllinger (64, „SOKO Kitzbühel“) einen Rückschlag nach dem anderen verkraftet.

Nun steht er in der Robert-Stolz-Operette „Venus in Seide“ auf der Bühne der Oper Graz.
Die WOCHE-Reporterin Martina Wieser hat mit ihm gesprochen.
Herr Öllinger, Sie stehen in Graz auf der Opernbühne. Vor wenigen Monaten wäre das noch undenkbar gewesen, nicht wahr?

Noch im September hätte ich nicht geglaubt, dass ich im März auf einer Bühne stehen werde. Ich konnte monatelang kaum sprechen, sondern nur flüstern, weil mir die Stimme abhanden gekommen war. Erst im Oktober war meine Stimme wieder so wie immer. Ja, ich habe wilde eineinhalb Jahre hinter mir. Was im August 2022 relativ harmlos begonnen hat, wurde immer heftiger.

Was ist denn genau passiert?

Bei meiner regelmäßigen Gesunden-Untersuchung erhielt ich die Diagnose „Speiseröhren-Krebs im Anfangsstadium“. Zunächst wurde mir gesagt, ich habe Glück, der Krebs sei noch ganz klein und ließe sich mit einer Schleimhautablösung beheben. Wobei es dann nicht ganz so harmlos war. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde mir die Speiseröhre entfernt, also eine klassische Speiseröhren-Operation inklusive Magenhochzug. Wäre alles glattgegangen, wäre ich danach noch etwa zehn Tage im Spital geblieben. Allerdings kamen Komplikationen mit dem Herzen dazu. Ich erlitt einen Herzinfarkt und musste auf die Intensivstation. Dann bekam ich einen Abszess, der vom Brustraum in den Rücken gewandert ist und sich in einem Brustwirbel festgesetzt hat. Der Abszess drückte auf das Rückenmark, und zwar so schlimm, dass ich kaum noch gehen konnte. Ich musste erneut operiert werden, um eine Spondylitis (Lähmung an der Wirbelsäule) zu verhindern.

Das heißt, Ihr Leben war schlagartig eingebremst …

Ich war noch nie zuvor so lange außer Gefecht gesetzt. Als ich die Diagnose mit der Speiseröhre bekam, war ich mitten in Theaterproben am Rabenhof in Wien. Drei Wochen vor der Premiere wurde ich operiert. Da ahnte ich noch nicht, dass ich das gesamte Jahr 2023 ausfallen würde, weil mich eine gesundheitliche Hiobsbotschaft nach der nächsten erreichte. In diesen eineinhalb Jahren war ich insgesamt 20 Wochen lang im Spital.

Eingangs meinten Sie, Sie konnten monatelang nur flüstern. Die Stimme gehört zu Ihren beruflichen Werkzeugen. Hatten Sie Angst, Ihren Beruf nicht mehr ausüben zu können?

Ja, ich habe mich öfters gefragt, ob ich jemals wieder auf einer Bühne oder vor einer Filmkamera stehen werde. Zumal ein weiterer Rückschlag folgte. Im Juli bin ich aufgrund meiner, der Wirbelsäulen-Operation geschuldeten Geh-Schwäche, gestürzt und habe mir die Schulterkugel zertrümmert, was ein künstliches Schultergelenk zur Folge hatte. Da war ich tatsächlich am Tiefpunkt, das muss ich gestehen. Alles hätte sich endlich in eine gute Richtung entwickelt, da wurde ich noch einmal um drei Monate zurückgeworfen.

Wie geht es Ihnen heute?

Das Gröbste habe ich hinter mir, ich kann wieder arbeiten und bin seit Oktober und nach drei Reha-Aufenthalten halbwegs bei Kräften. Ein Mal pro Woche muss ich ins Spital zur Dilatation, weil sich die Narbe, die die Speiseröhre mit dem Magen verbindet, immer wieder verengt und deshalb gedehnt werden muss. Wenn sich die Narbe zu sehr zusammenzieht, treten Schluck- und Würgeprobleme auf, da kann ich nichts mehr essen. Ich hoffe, dass sich auch das bald stabilisiert und diese wöchentlichen Behandlungen vorbei sind.

Mussten Sie Ihre Ernährung umstellen?

Ja, ziemlich. Fleisch, das ich immer gerne gegessen habe und nach wie vor gerne essen würde, kann ich kaum noch essen, weil das vom Schlucken her nicht funktioniert. Ich bin quasi ein Fast-Vegetarier. Das ist allerdings nicht schlimm, weil ich schon immer den Schwerpunkt „Fleischlos“ hatte. Jetzt esse ich halt gar kein Fleisch mehr und esse statt drei normalen Portionen am Tag sechs kleinere Portionen über den Tag verteilt.

Sie sind optisch kaum wiederzukennen. Wie viel haben Sie abgenommen?

Ich hatte 120 Kilo, jetzt bringe ich 70 Kilo auf die Waage. Ich war ohnehin zu schwer, insofern war das eine gute Gelegenheit. Alles hat seine Vor- und Nachteile, endlich habe ich das Gewicht, das ich immer schon wollte (lacht).

Wer ist Ihnen in Ihrer gesundheitlichen Krise zur Seite gestanden?

Meine Familie, denn wir haben einen starken Zusammenhalt. Ich komme aus einer großen Familie, habe sechs Geschwister und wir treffen uns nach wie vor jeden Sonntag bei der Mutter. Ich selbst bin seit mehr als 30 Jahren verheiratet und habe zwei erwachsene Söhne, die wir regelmäßig sehen.

Von 2001 bis 2021 waren Sie der Postenkommandant Kroisleitner, besser bekannt als „Kroisi“, in der Serie „SOKO Kitzbühel“. Zählen Ihre früheren Kollegen heute zu Ihrem Freundeskreis?

Dass ich 20 Jahre lang in einer Serie fix dabei sein konnte, ist ungewöhnlich in unserem Beruf. Abgesehen davon, dass es insgesamt eine schöne, stabile Zeit war, sind daraus viele Freundschaften entstanden und geblieben. Mit Hans Sigl, dem ersten Kommissar, bin ich noch immer gut befreundet, ebenso mit Kristina Sprenger, Julia Cencig und mit dem Heinz Marecek, was mich sehr freut.

Sie sind jetzt an der Grazer Oper in der Robert-Stolz-Operette „Venus in Seide“ als Baron Vilmos Oroszy zu sehen. Welche beruflichen Pläne haben Sie noch?

Ich bin zwar ab Mai in Pension, aber ich habe schon einige Projekte für das nächste Jahr. Es ist nicht mein Plan, alle Viere von mir zu strecken. Ich möchte weiterarbeiten, solange man mich lässt – sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera. Ich schaue darauf, dass ich gesund bleibe und vernünftig weiterleben kann.

Was meinen Sie mit „vernünftig leben“?

Zufrieden, halbwegs glücklich und ohne große Komplikationen zu leben, das wünsche ich mir. Ich hatte nie große Ansprüche und große Pläne. Auch habe ich mir nichts für die Pension aufgehoben, was ich unbedingt noch machen müsste oder machen sollte.