Der Knoblauch des Waldes
Aufmerksame Spaziergänger haben ihn sicher schon entdeckt, vor allem aber gerochen – den Bärlauch. Das schmackhafte Lauchgewächs zählt zu den ersten Frühlingsboten in unserem Land. Und ist heuer wegen des warmen Wetters besonders früh dran.
Kaum ein Frühlingsbote wird so herbeigesehnt wie der Bärlauch. Kein Wunder, denn das 20 bis 40 Zentimeter hohe Lauchgewächs ist nicht nur in der Küche, sondern auch für unsere Gesundheit besonders wertvoll.

Das wussten vor mehr als 5.000 Jahren schon die alten Germanen, die dem Bärlauch – im Volksmund Wald-
knoblauch genannt – die enormen Kräfte eines Braunbären zuschrieben. Zu Recht, denn die im schmackhaften Heilkraut enthaltenen Schwefelverbindungen können entzündungshemmend wirken und eine entgiftende Wirkung auf unseren Körper ausüben.

„Reich an Vitamin C, tut Bärlauch generell Herz, Kreislauf, Magen, Darm, Blutdruck und Cholesterin-Spiegel gut“, weiß die Ernährungsberaterin Mag. Michaela Knieli von der Wiener Umweltberatung.

Es kann also kein Zufall sein, dass genau zum Beginn der österlichen Fastenzeit das wildwachsende Frühlingsgemüse bereit zur Ernte ist. So mancher sonnenhungrige Spaziergänger mag sich jedoch fragen, woher der Bärlauch so plötzlich kommt – und wohin er den Rest des Jahres verschwindet. Die Antwort steckt im Boden. Denn als sogenannter „Geophyt“ speichert der Bärlauch all seine Kräfte in einer Zwiebel, um das kurze Zeitfenster im Frühjahr, noch bevor die Laubbäume austreiben und ein dichtes Kronendach bilden, zu nutzen.

Im Mittelalter mit dem Teufel im Bunde

Mitte April schiebt er seine Blätter empor. Danach bildet der Bärlauch eine kugelige Anordnung sternförmiger Blüten, sodass sich die grüne Pracht in eine einzige weiße Wolke verwandelt“, schwärmt die Ernährungsberaterin.

Nach dem Ende der Blütezeit taucht der Bärlauch etwa ab Juni wieder unter und verschwindet von der Oberfläche, als wäre er nie da gewesen.

Eine faszinierende Pflanze, die in den mittelalterlichen Klöstern jedoch regelrecht verpönt war. Schließlich galt sie als fruchtbarkeitsfördernd und die Sinnlichkeit steigernd. Auch der würzige Geruch wurde als unrein angesehen und mit dem Teufel in Verbindung gebracht.

Heute erfreut sich das Küchenkraut wieder wachsender Popularität. Sammler schätzen besonders die jungen Blätter des wilden Schnittlauch-Verwandten, da sie danach einen viel zu scharfen Geschmack annehmen. „Wer sich in Wien auf die Suche machen möchte, sollte unbedingt am Wilhelminenberg vorbeischauen, denn die Steinhofgründe im 14. Bezirk haben die idealen Bedingungen, um das herzhafte Frühlingskraut sprießen zu lassen. Auch in den schattigen, feuchten Regionen unter den Bäumen im Wiener Prater lässt sich genug Bärlauch zur frischen Weiterverarbeitung finden“, heißt es von Seiten der Umweltberatung.

In der freien Natur hat das Gewächs allerdings einen bitteren Beigeschmack, da es Maiglöckchen und Herbstzeitlosen zum Verwechseln ähnlich sieht – eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

Augen auf beim Bärlauch-Brocken

„Wer ein Bärlauchblatt umdreht, erkennt eine matte Unterseite. Glänzt das Blatt hingegen auf beiden Seiten, ist es sicher kein Bärlauch“, erklären Experten der Vergiftungsinformationszentrale (Notruf: 01/4064343) ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

Zudem hat der Bärlauch im Gegensatz zu seinen giftigen Doppelgängern weichere, empfindlichere Blätter, „die manchmal nach unten hin umklappen oder sich an den Außenkanten, vor allem an der Spitze, leicht einrollen“.

Wer sich dennoch nicht sicher ist, sollte lieber die Finger von den Pflanzen lassen, oder sich auf dem Gemüsemarkt bedienen, wo Bärlauch mittlerweile bei vielen Händlern zum Standardsortiment gehört.
Hwie
Feine Bärlauch-Rezepte finden Sie im Magazin.