Peter Kraus: „Die Ozon Therapie hält mich fit“
​Peter Kraus war das Idol der 1950er und 1960er Jahre und hat bis heute nichts an Lebensenergie eingebüßt. Um fit zu bleiben, setzt der Musiker auf Ozontherapie und die Musik.

Seinen 85. Geburtstag am 18. März verbringt er ganz nach seiner Fasson: auf der Bühne. Die WOCHE-Reporterin Barbara Reiter hat mit ihm gesprochen.
Herr Kraus, Sie feiern am 18. März Ihren 85. Geburtstag. Wie und vor allem, mit wem?

Interessant ist, dass ich zum 85er ein Konzert mache und überlegen muss, was ich spiele. Ansonsten ist der 85er genau wie der 84er und hoffentlich auch der 86er. Ein Konzert am Geburtstag zu geben, ist das Beste, was ich machen kann an so einem halbtraurigen Tag (lacht). Es kommen etwa 2.000 Menschen und ich lasse mich ein bisschen feiern. Meine Frau und mein Sohn sind in München (D) dabei. Mit meinen Musikern spiele ich seit vielen Jahren zusammen und bin mit ihnen befreundet. Das ist schöner, als irgendwo essen und trinken zu gehen. Das finde ich langweilig.

Haben Sie materielle Wünsche?

Das Geschenke-Thema haben meine Frau und ich erledigt. Wir fragen uns immer, was das soll, und haben uns auch zu Weihnachten nichts geschenkt. Wenn wir etwas brauchen, beschenken wir uns unterm Jahr, aber Pflichtschenken hab‘ ich nicht gern. Zuletzt haben wir uns einen schönen Urlaub geschenkt und waren eine Woche in Dubai.

Das Wichtigste im Alter ist, gesund und fit zu sein, wie Sie es sind. Ist das ein Geschenk Ihrer Eltern?

Ich glaube nicht, dass es bei mir an den Genen liegt. Meine Mutter ist früh gestorben, weil sie krank war, und mein Vater ist 80 Jahre alt geworden. Er war bis zu seinem Tod ein quirliger Mensch und hat mir noch kurz vor seinem Tod im Spital erzählt, dass er der Schwester auf den Hintern geklopft hat. Das darf ich heute ja gar nicht mehr sagen. Aber Papa war lustig, trotzdem ist er gestorben. Bei mir ist es vermutlich meine Lebensweise. Ich war für einen Rock ‘n‘ Roller ziemlich diszipliniert, obwohl ich mein ausschweifendes Leben mit 15 Jahren begonnen habe, als die Karriere losging. Aber dann habe ich damit aufgehört, zumindest fast, als ich meine Frau gefunden habe. Wir führen eine glückliche Ehe, das macht viel aus. Außerdem habe ich das große Glück, dass mir der Beruf erlaubt zu leben, wie ich leben möchte. Ich bin als Künstler doch frei und nicht gezwungen, irgendwo zu sein. Das bringt meiner Meinung nach auf die Jahrzehnte viel.

Stimmt es, dass Sie auch auf eine Ozontherapie setzen, um jung zu bleiben?

Ich komme gerade von meinem Arzt in St. Pölten, der diese Ozonhochdosis-Therapie quasi erfunden hat. Das ist meiner Meinung nach weltweit eine Revolution, die schon lange hätte stattfinden müssen. Aber die Pharmaindustrie hat etwas dagegen.

Wie funktioniert Ihr Jungbrunnen?

Es wird Blut abgenommen und mit Ozon angereichert. Dann kommt es wieder zurück in den Körper. Ich glaube, ich habe dem Arzt zum Großteil meine Fitness zu verdanken. Der andere Teil ist dann die Disziplin. Die Therapie macht im ersten Moment allerdings ein bisschen müde.

Haben Sie je über einen Alternativberuf zum Musiker nachgedacht?

Ich habe mir immer vorgestellt, dass Romanschriftsteller ein schöner Beruf sei. Du kannst überall schreiben. Ähnlich ist es im Künstlerberuf auch, du musst halt das Reisen mögen. Wenn ich in Köln oder Stuttgart (beide D) auftrete, fahre ich mit dem Auto hin. Nachdem ich nach wie vor gerne fahre, ist das kein Problem für mich.

In nächster Zeit werden Sie viel Auto fahren müssen, da Sie zum 85er auf Tournee gehen, dabei haben Sie sich im Vorjahr vom Tourneeleben verabschiedet. Noch eine
Abschiedstour?


Das ist doch ein Klacks. Ein anderer geht auf eine Party, ich treffe mich mit Freunden und gebe Konzerte. Für mich ist es auch eine Art Party, auf der ich noch dazu Geld verdiene. Man muss halt Freude daran haben, dass einen das Publikum seit 50, 60 Jahren begleitet. Die habe ich und bin stolz darauf.

Sie sind einer der wenigen Künstler, die alle technischen Veränderungen mitgemacht haben – von der Vinyl-Schallplatte bis zu den Downloads aus dem Internet. Welche Zeit war für Sie am schönsten?

Ich bin natürlich ein Mensch, der der alten Langspielplatte nachtrauert wie alle echten Musiker. Es werden immer wieder Versuche unternommen, die LP wiederzubeleben, weil sie besser klingt. Aber das wird nicht stattfinden, weil es den Menschen zu kompliziert ist. Derzeit gibt es nur noch YouTube, was nichts ist gegen die schönen großen Cover von früher. Wir bemühen uns zumindest, den CD-Verkauf aufrecht zu erhalten, aber auch das wird es bald nicht mehr geben. Ich fand auch den Kassettenrekorder lustig oder die Single-Schallplatte. In meinem Auto war früher ein Plattenspieler für meine Singles eingebaut. Wenn ich in der Sonne stand und vergessen habe, sie herauszunehmen, konnte ich sie wegschmeißen (lacht). Jetzt hören wir Musik auf Spotify. Das ist ein bisserl kalt, das Ganze.

Am 7. April (ab 15 und 19 Uhr) führen Sie mit Ihrem Manager Herbert Fechter im Theater Akzent in Wien ein Geburtstagsgespräch und lassen die alten Zeiten aufleben. Stimmt es, dass Sie mit Romy Schneider getanzt haben?

Romy habe ich am Münchener Filmball kennengelernt. Ich war 16 Jahre alt und durfte zum ersten Mal mit meinem Vater auf einen Ball gehen. Wir saßen am Tisch von Magda Schneider, weil sie gut mit meinem Vater bekannt war (Anm.: Kabarettist und Schauspieler Fred Kraus). Ich saß neben Romy, die damals schon ein Star war, und habe den ganzen Abend nur auf das richtige Lied gewartet, um mir ihr zu tanzen …

… hat‘s geklappt?

Ja. Als Rock ‘n‘ Roll gespielt wurde, sind wir aufs Parkett, weil ich das damals schon konnte. Der Big-Band-Leader Hugo Strasser hat Romy und mich kommen sehen, plötzlich die Musik abgebrochen und gesagt: „Meine Damen und Herren, ich sehe eben, dass unsere Sissi das Tanzparkett betritt“ – und hat ihr zu Ehren einen Walzer gespielt. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken, weil ich das nicht konnte. Noch dazu haben die anderen Gäste einen Kreis um uns gebildet. Ich habe mich dann irgendwie herumgedreht und konnte mich so aus der Affäre ziehen. Das waren die schlimmsten Minuten meines Lebens.