Die bunte Welt der Schmetterlinge
Das Schmetterlinghaus in Wien ist eine willkommene Abwechslung an einem grauen Tag im November. In dem üppig begrünten Gebäude flattern verschiedene Falter umher. Besucher erleben die Tiere aus nächster Nähe und können ihnen sogar beim Schlüpfen zusehen.
Ja, wo ist er denn, der Atlasspinner? Der rostrote Schmetterling ruht gerne an Baumstämmen. Ein Teil seiner Flügel ist transparent, sodass er noch besser mit seiner Umgebung verschmelzen kann. Dadurch ist er perfekt getarnt.
Setzt er sich aber in Bewegung, ist er nicht zu übersehen. Mit einer Flügelspannweite von 30 Zentimetern – das entspricht beiden Handflächen eines Erwachsenen – ist er der größte Schmetterling der Welt.
In unseren Breiten ist er im Schmetterlinghaus in Wien zu finden. Dort leben bis zu 40 verschiedene Schmetterlingsarten. „In der kalten Jahreszeit sind es etwas weniger. Wir haben aber immer mindestens 20 verschiedene Arten bei uns im Haus“, erzählt Svenja Weitz. Die 24jährige Studentin führt Besucher durch das üppig begrünte Gebäude.

Zeitig in der Früh dringt bereits Licht durch die riesigen Glasfenster des Jugendstilgebäudes, das sich am Rande des Burggartens befindet. Einst standen an diesem Ort die Gewächshäuser des Kaisers, ehe sie abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt wurden.
An einem grauen Novembertag ist die farbenfrohe Welt der Schmetterlinge eine willkommene Abwechslung. Bei einer Temperatur von 26 Grad Celsius herrscht hier immer Sommer. „Wer die Tiere gerne fotografiert, kommt am besten in der Früh vorbei, denn morgens rasten die meisten Falter noch auf Blättern. Je später die Stunde, desto mehr flattern sie umher.“

Einer, der bereits in der Früh sein Flugkönnen zeigt, ist der Bananenfalter. Er schwirrt durch das Haus und zeigt dabei seine leuchtend blauen Flügel. Auf der Aussichtskanzel genießen die Besucher eine Vogelperspektive und können von oben das bunte Treiben beobachten.
Sobald sich der Bananenfalter an einem Ast niederlässt, klappt er seine Flügel zusammen und zeigt ein ganz anderes Muster. An der Unterseite schimmern seine Flügel in verschiedenen Brauntönen. Auf jeder Seite trägt er einen großen Fleck, der aussieht wie ein Eulenauge. „Viele Schmetterlinge haben Augenflecken auf ihren Flügeln. Sie dienen als Abschreckung gegenüber Feinden“, erklärt die Mitarbeiterin des Schmetterlinghauses. Die Ruheposition nehmen sie auch ein, wenn sie sich an einer der Futterstationen laben. Schmetterlinge mögen Obst, das bereits gärt.

Farben und Gerüche locken Schmetterlinge an
Zwei Monarchfalter lassen sich um zehn Uhr eine Banane schmecken. Nebenan macht es sich eine „Fackel“, der kleinste Schmetterling des Hauses, auf einer orangen Blüte bequem. „Das ist eine Seidenpflanze, auch Asklepia genannt. Die kleinen Blüten produzieren viel Nektar.“
Knallige Farben ziehen die Schmetterlinge an. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn sich ein Falter auf der Schulter eines Besuchers niederlässt. „Das passiert vor allem im Sommer, wenn es hier im Schmetterlinghaus bis zu 38 Grad Celsius hat. Die Tiere werden durch den Schweiß und die Parfums der Besucher angelockt“, verrät Weitz.

Der Bananenfalter ist der am häufigsten anzutreffende Schmetterling. „Das liegt daran, dass er sich hier vermehrt. Das Weibchen legt ihre Eier auf der Blattunterseite der Bananenstaude ab. Dort schlüpfen dann die Raupen, die sich von den Blättern ernähren“, sagt die 24jährige.
Die Eier und Raupen sind auf Augenhöhe mit den Besuchern und leicht zu erkennen. Die ausgefransten Blätter der Banane zeigen, dass die Raupen die Staude zum Fressen gern haben. „Wir müssen die Pflanze jedes Jahr gegen eine neue tauschen.“

Die meisten Schmetterlinge werden aber eingekauft. „Jede Art hat eine eigene Futterpflanze für die Raupen. Ist diese Futterpflanze nicht vorhanden, findet keine Vermehrung statt. Im Schmetterlinghaus gibt es leider nicht genug Platz, um allen Arten ihre eigene Futterpflanze anzubieten.
Deshalb kaufen wir alle zwei Wochen Schmetterlinge im Puppenstadium von Schmetterlingsfarmen aus Südamerika und Südost-Asien ein.“

Sobald die Raupe erwachsen ist, spinnt sie einen Kokon um sich. Diese werden im Schmetterlinghaus in zwei gläsernen Schaukästen ausgestellt. „Die Puppen werden an der verhornten Stelle am Körper vorsichtig mit Kleber an Holzstäbchen fixiert. Dadurch nehmen sie keinen Schaden“, erklärt Weitz, die selbst diese feinfühlige Arbeit übernimmt.
In allen erdenklichen Farben reiht sich eine Puppe an die nächste. Von Weiß bis Gold, über Jadegrün bis zu Violett. Jede Farbe steht für eine bestimmte Schmetterlingsart.
Wenn ein Schmetterling schlüpft, ist er nass und sieht „zerknautscht“ aus. Zum Trocknen klammert er sich an seinem Kokon fest. Nach einer Stunde sind die Flügel getrocknet und es geht ab ins Freie.

Jetzt dreht sich alles um die Fortpflanzung, denn die tropischen Schmetterlinge leben maximal fünf Wochen. Der Atlasspinner wird sogar nur drei Tage alt, weil er weder fressen noch trinken kann.
Ihr Balzverhalten lässt sich wunderbar beobachten. Die Männchen und Weibchen fliegen spielerisch hintereinander her. Zum Gefallen der Besucher, die ab 10 Uhr Einlass finden.