Glücksbringer im Winter
Die fröhlichen, flammenden Blüten der Azalee sind ein ausgezeichnetes Mittel gegen Schwermut an den kürzesten Tagen des Jahres vor Weihnachten. Denn die attraktiven Ziersträucher zeigen gerade jetzt ihre verführerische Farbenpracht.
In ihrer ursprünglichen Heimat in Ostasien ist die Azalee auch als „Ich denke an Zuhause“-Strauch bekannt. In Nepal werden die Pflanzen als Nationalblume ganz besonders geschätzt. Und in Japan soll das Verschenken einer Azalee Glück bringen.
Urformen dieser zur Gattung der Rhododendren gehörenden Pflanze gibt es bereits seit etwa 70 Millionen Jahren. Mittlerweile sind mehr als 2.000 Zuchtsorten bekannt, etwa hundert davon sind auch bei uns im Handel erhältlich.

Nur den wenigsten ist allerdings bekannt, dass das Schönbrunner Palmenhaus in Wien über eine der größten Sammlungen von Azaleen weltweit verfügt.
„Einige Pflanzen in den Glashäusern des Schlossparks sind bis zu 170 Jahre alt und mehr als drei Meter hoch“, berichtet Markus de Hueber, Leiter der Azaleenabteilung bei den österreichischen Bundesgärten.

Eher in die Breite als in die Höhe
Für Besucher zu bestaunen sind die beeindruckenden Blütensträucher im Palmenhaus ab Mitte Dezember, „aber nicht alle gleichzeitig, sondern gestaffelt nach früher, mittlerer oder später Blütezeit“, erklärt der Fachmann. In ihrer Heimat gedeihen die eher in die Breite als in die Höhe wachsenden Büsche vor allem an Ufern von Gebirgsbächen oder an felsigen Berghängen. Die bei uns gängigen Zimmersorten werden jedoch als „indische Azaleen“ bezeichnet – vermutlich, weil sie einst über Ostindien mit dem Schiff nach Europa kamen.

Da Azaleen ursprünglich aus Bergwäldern stammen, bevorzugen sie ein kühles und feuchtes Klima. Zimmerazaleen, die selten größer als einen Meter werden, wurden allerdings entsprechend gezüchtet und vertragen nun auch wärmere und trockenere Bedingungen, wie sie meist in unseren Wohnungen herrschen. „Die Blüten wachsen stets in Dolden und besitzen meist eine Trompetenform. Es gibt sie in Rot, Rosa, Violett, Flieder, Weiß und auch zweifarbig“, erklärt de Hueber.

Die Zimmerpflanzen wachsen dabei sowohl strauchartig als auch mit einem hölzernen Stamm, so dass sie an kleine Bäumchen erinnern. Neben Farben und Formen verdankt die Azalee ihre große Popularität aber vor allem der langen Blühdauer von November bis März.
Je nach Standort erstrahlen die Topfpflanzen sogar vier bis acht Wochen ohne Unterbrechung. „Tag für Tag beobachten zu können, wie sich die geschlossenen Blüten zunehmend öffnen, ist gerade in der tristen Jahreszeit Balsam für die Seele“, weiß der Azaleenexperte.

Langsam an das Zimmer gewöhnen
Wer sich besonders lange an den leuchtenden Blüten erfreuen will, sollte seiner Azalee also einen hellen Standort, der direkte Sonnenstrahlung höchstens in der Früh oder abends zulässt, gönnen. Die Temperatur sollte sich im Idealfall zwischen 18 und 21 Grad Celsius bewegen. Ideal für die aparten Schönheiten ist daher ein helles Treppenhaus oder das Schlafzimmer. Wichtig bei frisch gekauften Azaleen ist außerdem eine langsame Anpassung an das Raumklima. Denn wo sich die Pflanze unwohl fühlt, reagiert sie mit Blatt- und Knospenfall. „Ein Südfenster oder eine Fensterbank über der Heizung ist als Standort ungeeignet.

Hier ist es der Azalee zu warm und zu trocken, und auch Zugluft verträgt sie nicht“, warnt Markus de Hueber. Zu beachten gilt zudem, dass Azaleen kalkempfindlich sind. Es sollte daher nur mit Regenwasser oder abgestandenem Wasser gegossen werden.

Der Wurzelballen darf dabei weder austrocknen noch im Wasser stehen. Idealerweise wird der Topfballen alle vier Tage ein Mal ins Wasser getaucht, bis keine Luftbläschen mehr aufsteigen. Als Substrat eignet sich am besten Rhododendrenerde. Den Sommer verbringen die Zimmerazaleen dann gerne an einem geschützten, leicht schattigen Platz im Freien. „Wer alle diese Ratschläge beherzigt, wird mit einer geradezu verschwenderischen Blütenpracht belohnt, sodass kaum noch Blätter und Ästchen zu erspähen sind“, sagt Markus de Hueber.