„Narziss und Goldmund“: Freunde bis zum Ende
Hermann Hesses „Narziss und Goldmund“ zählt zu den erfolgreichsten Romanen der Literaturgeschichte. Stefan Ruzowitzky verfilmte das Werk als Loblied auf die Freundschaft.
Deutschland im Mittelalter. Ein wütender Vater bringt seinen Sohn Goldmund (Jeremy Miliker, 14) in ein Benediktinerkloster. Der Sprössling stammt aus einem Seitensprung seiner Frau, was der Mann nicht verzeihen kann. Goldmund soll Priester werden. Ein anderer Jüngling, der Novize Narziss (Oskar von Schönfels, 17) beobachtet das Geschehen mit distanziertem Interesse. Dabei bleibt es nicht lange. Bald werden die beiden enge Freunde und stehen jederzeit füreinander ein.

Die Zeit vergeht, und die beiden werden erwachsen. Während Narziss (Sabin Tambrea, 37) sein Heil nach wie vor in der klösterlichen Abgeschie-denheit findet, will Goldmund (Jannis Niewöhner, 30) seine Mutter finden, an die ihm nur eine zunehmend verblassende Erinnerung geblieben ist. Er verlässt das Kloster.

Erst 15 Jahre später sehen die Jugendfreunde einander wieder. Narziss ist inzwischen der Abt des Klosters geworden. Und Goldmund hat ein abenteuerliches Leben hinter sich. Er lernte, sich gegen Verbrecher gewalttätig zur Wehr zu setzen, und auch die Pest-Seuche konnte ihm nichts anhaben. Er hatte Affären mit vielen Frauen, bis der Bildhauer Nikolaus (Uwe Ochsenknecht, 66) dessen künstlerisches Talent entdeckte. Doch Goldmund will nicht sesshaft werden, sondern seine Mutter suchen. Letztlich erfährt er am Sterbebett seines Vaters, dass diese Suche ergebnislos bleiben wird. So kehrt er zurück ins Kloster seiner Jugend, wo Narziss gebannt seinen Erzählungen lauscht und ihn dann mit der Erschaffung eines prachtvollen Altars fürs Kloster beauftragt.

Es wird ein Kunstwerk, doch ein eifersüchtiger Prior zündet es an. Als Goldmund sein Werk retten will, erleidet er dabei tödliche Verletzungen und stirbt in den Armen seines Freundes …

„Ich wollte ein großes Gefühlskino inszenieren“, meint der Wiener Regisseur Stefan Ruzowitzky, 60. „Die Geschichte basiert auf dem in 30 Sprachen übersetzten Roman des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse (1877–1962). Als ich 16 oder 17 Jahre alt war, war das mein Lieblingsbuch. Dass ich das Angebot, es zu verfilmen, ohne Bedenkzeit sofort akzeptierte, ist klar.“

Ruzowitzky, der im Jahr 2008 für „Die Fälscher“ den „Oscar“ für den besten fremdsprachigen Film erhielt, wusste freilich auch: „Es wird teilweise Kritik geben. Man kann so ein Werk nicht eins zu eins übertragen, sondern man bringt das auf die Leinwand, von dem man glaubt, dass dies die wichtigsten Aspekte des Romans sind. Für mich war das in erster Linie die Freundschaft, aber auch der Gegensatz ,Herz oder Hirn?‘.“

Jannis Niewöhner, der durch den Dreiteiler „Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ bekannt wurde, empfand die Figur des Goldmund als Traumrolle: „Ich habe es genossen, so einen starken, lebensfrohen Kerl zu spielen, mit Muskeln und Augenklappe. Ich bin gern ein Held – aber natürlich nur auf der Leinwand.“

Gedreht wurde „Narziss und Goldmund“ in unserem Land, in Tschechien und Südtirol. Der Hauptdrehort des Filmes war die 1145 errichtete Burg Hardegg in Niederösterreich.

„Narziss und Goldmund“
Mittwoch, 16.11., 20.15 Uhr, ORF2 und ZDF