Ulrich Tukur: „Ich schätze Höflichkeit“
Sein Kommissar Murot ist wohl der skurrilste Gesetzeshüter der „Tatort“-Reihe. Für Ulrich Tukur, den Ex-„Jedermann“ der Salzburger Festspiele, ist das Voraussetzung, um auch künftig zu ermitteln.
Herr Tukur, Ihr „Tatort“-Kommissar Murot hat sich in einigen Folgen mit seinem Gehirntumor unterhalten. Sehr skurril, aber dem Publikum gefällt‘s und auch den Kritikern. Trotzdem ist immer wieder zu hören, dass Sie aus der Krimi-Reihe aussteigen wollen. Ist da etwas dran?
Nein. Obwohl ich zugebe, dass ich ab und zu mit dem Gedanken gespielt habe. Etwa wenn eine Geschichte in Routine abzugleiten drohte. Aber Faktum ist, dass ich am 29. Juli meinen 65. Geburtstag feierte. Meine Krimi-Karriere ist somit auch eine biologische Frage. Ein Kommissar, der mit 96 Jahren nach Mördern fahndet, kann nicht mehr wirklich überzeugend sein (lacht).

Sie bleiben uns also erhalten?
Ich denke, so zwei, drei Jährchen werden sich schon noch ausgehen. Immer vor-ausgesetzt, Murots-Fälle bleiben etwas Besonderes und heben sich vom Rest der „Tatort“-Reihe ab.

Sie selbst heben sich ja auch als Privatmann von den meisten Ihrer Mitmenschen ab. Nehmen wir nur einmal als Stichwort „Smartphones“ …
Ja, das stimmt. Ich kriege schon Zustände, wenn ich nur den Ausdruck höre. Ohne diese vermaledeiten Leuchtschachteln könnten die meisten Menschen offenbar gar nicht mehr leben. Manche starren sogar drauf, wenn sie eine vielbefahrene Straße überqueren. Ich selbst habe ein ganz altes Modell, und ich verwende es bloß zum Telefonieren und zeitweise für eine SMS.

Sind Sie altmodisch?
Und wie! Ich zähle aber nicht zu den Verrückten, die ständig verkünden, früher wäre alles besser gewesen. Wie dumm das ist, merkt jeder spätestens, wenn er zum ersten Mal eine komplizierte Krankheit hat. Aber ich gebe zu, dass es Bereiche gibt, wo mir die Vergangenheit sympathischer war als es die Gegenwart ist. Beispielsweise schätze ich Höflichkeit. Das bedeutet immer auch Respekt vor dem anderen. An dem mangelt es in unserer Gegenwart immer öfter.

Haben Sie für sich einen Fluchtpunkt gefunden?
Ja, die wunderbare Welt des Theaters und des Filmes. Da konnte und kann ich ein Laternenanzünder sein, ein König, ein romantischer Liebhaber, ein Bankräuber oder ein Narr. Alle diese Rollen darf ich seit 40 Jahren spielen. Dafür bin ich aufrichtig dankbar.

Sie sind in zweiter Ehe mit der Fotografin Katharina John, 51, verheiratet. Aus erster Ehe stammen die Töchter Marlene, 34, und Lilian, 31. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihnen?
Nicht gut. Die beiden leben in den USA und wir sehen einander schon seit Längerem nicht mehr. Ihre Mutter war meine Jugendliebe, aber ich wollte damals kein Vater sein, sondern Karriere machen. Ich fürchte, dieser Bruch lässt sich nicht kitten, die Kinder vertrauen mir nicht.

„Tatort: Murot und das Gesetz des Karma“
Sonntag, 25.9., 20.15 Uhr, ORF2 und Das Erste