„In meinem Gehirn sind Drähte durchgebrannt“
Von der Arbeit kann ihn nichts so leicht abhalten. Selbst durch eine neuerliche Operation am Nacken oder seine Parkinson-Erkrankung ließ sich das Heavy-Metal-Urgestein Ozzy Osbourne, 73, nicht stoppen und er produzierte mit „Patient Number 9“ (ab Freitag im Handel)ein überaus gelungenes neues Album. Auch im Gespräch mit dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth war von seinen Leiden wenig zu bemerken, immer wieder blitzte der Schalk in Osbourne auf. Nur wenn es um seine Heimat England geht, wird das Raubein wehmütig. Er möchte seine Zelte in Amerika abbrechen und zurück nach England kehren. Denn Amerika sei seinen Angaben zufolge kein guter Platz mehr zum Leben und erst recht nicht zum Sterben.
Hallo Herr Osbourne, wie geht es?
Gut, gut. Ich erhole mich noch von meiner Operation am Nacken. Das war doch ein ziemlich massiver Eingriff. Es dauert, aber es wird so langsam besser. Ich muss Geduld haben.

Die Operation verlief also zufriedenstellend?
Ja, die Operation war eine gute Sache.

Der Titel Ihres neuen Albums heißt „Patient Number 9“. Sind Sie dieser Patient?
Nein, die Geschichte rund um diesen Patienten ist fiktiv, wir haben uns das ausgedacht. Jedenfalls ist er ein Patient in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Wie ist die Geschichte entstanden?
Aus dem Nichts. Sie war einfach da, genauso wie die Zahl Neun.

Faszinieren Sie psychiatrische Anstalten?
Na ja, ich bin einmal als Patient in einer gewesen. Dass es mich fasziniert hat, kann ich nicht sagen. Die Drähte in meinem Gehirn sind damals durchgebrannt, die Psyche brauchte Ruhe und Abkühlung.

Das war doch im Jahr 1982, am Ende Ihrer „Diary Of A Madman“-Solotournee, nicht wahr?
Ja, das stimmt. Ich hatte aber auch schon in den frühen Siebzigern einen psychischen Zusammenbruch.

Erinnert Sie „Patient Number 9“ ein bisschen an den frühen Ozzy Osbourne, an die goldene Zeit Ihrer Band „Black Sabbath“ gar?
Wir haben 2022. Daran kommen wir nicht vorbei. Und ich bin kein großer Freund von Nostalgie. Aber hätte „Patient Number 9“ auch ein geiles „Sabbath“-Album sein können? Ja, absolut. Gegen eine solche Behauptung habe ich so rein gar keine Argumente (lacht).

Zakk Wylde spielt als Gitarrist wieder eine tragende Rolle und ist auf mehreren Stücken zu hören. Wie war Ihre Zusammenarbeit?
Mit Zakk ist es einfach. Wo auch immer ich auf der Welt gerade bin, ich muss nur bei Zakk anrufen, und er ist zur Stelle.

Aber zu wem sagen Sie „Du Arschloch“ am Ende von „Mr. Darkness“, auf dem Zakk Wylde ebenfalls spielt?
Wir albern nur ein bisschen herum. So reden wir halt. Bei uns wird niemand wirklich beleidigt, oder jeder (lacht). Ich schaffe es einfach nicht, die ganze Zeit immer ernsthaft zu sein. Der Blödsinn gehört bei mir dazu. Der Humor ist ein wichtiger Teil meiner ganzen Arbeit, die Selbstironie ebenso.

Sie haben verkündet, Ihr Haus verkaufen, Los Angeles (US-Staat Kalifornien) verlassen und mit Ihrer Frau Sharon wieder zurück in Ihre Heimat England ziehen zu wollen, warum?
Amerika hat sich drastisch verändert. Es sind in keinster Weise mehr Vereinigte Staaten. Nichts ist vereint. Ich will nicht in Amerika sterben. Es ist Zeit für mich, nach Hause zu kommen. Ich habe ein bisschen Sehnsucht nach Europa und ich vermisse natürlich meine Familie, meine Schwestern und Brüder und deren Kinder und Enkel. Wir sind ja ganz schön viele Blutsverwandte (lacht). Außerdem sind die Steuern in Amerika hoch. Hier in Kalifornien ist das richtig übel geworden. Was ich da inzwischen bezahlen muss, ist der Wahnsinn.

Sie haben kürzlich mit Ihrer Frau Sharon den 40. Hochzeitstag gefeiert. Was ist das Geheimnis Ihrer langen Ehe?
Ich habe gelernt, in Deckung zu gehen (lacht).