Therapien, die nichts nützen
Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist auch in der Medizin notwendig. Für vieles wird geworben, wenn es um die Gesundheit geht. Ein Wissenschaftsteam in Niederösterreich prüft medizinische Behauptungen auf ihre wissenschaftliche Seriosität und entzaubert einige.
Neueste Studien belegen“ oder „Wissenschaftlich geprüft“. Diese Behauptungen sind immer wieder bei Bewerbungen von neuen Therapien zu lesen. Was das wirklich bedeutet und ob es tatsächlich seriöse Studien dazu gibt, dieser Aufgabe stellen sich die Wissenschaftler des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation an der Donau-Universität Krems (NÖ).

Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Experten auf der Internet-Plattform medizin-transparent.at. „Dafür durchsuchen wir mehrere Forschungsdatenbanken, um alle Studien zu einem Thema zu finden. Unter den zahlreichen Suchergebnissen sind viele Studien, die nicht relevant sind. Daher filtern wir jene Studien heraus, die unsere Fragestellungen beantworten können. Die Qualität und Aussagekraft der Studien bewerten wir mithilfe von Prüflisten. Schließlich fassen wir alle Ergebnisse der aussagekräftigen Studien zusammen und lassen sie noch ein, zwei Mal überprüfen. Am Ende steht fest, ob eine Gesundheitsbehauptung tatsächlich stimmt oder nicht“, erklärt Mag. Bernd Kerschner von medizin-transparent.at. Unter den Ergebnissen sind immer wieder welche, die ein vernichtendes Urteil erhalten: nutzlos. Hier sind ein paar Beispiele.

„Bioresonanz-Geräte prüfen den Gesundheitszustand“
Fehlende Vitamine oder Mineralstoffe, Unverträglichkeiten oder andere Mangelzustände in Blut oder Organen in nur wenigen Minuten zu erkennen, das versprechen die Hersteller von Bioresonanz-Geräten. Doch was diese Geräte (etwa „Bioscan“ und „Vieva Vital Analyser“) genau messen, weiß keiner so genau. „Bei der Bioresonanz-Untersuchung hält der Kunde zwei Stäbe in den Händen, und schon spuckt der am Kästchen angeschlossene Computer eine Liste mit vielen Zahlen aus. Was genau gemessen wird, ist nicht klar. Es fehlen Maßeinheiten“, kritisiert Kerschner.

Deutsche Wissenschaftler haben Bioresonanz in einem Experiment überprüft, und die Ergebnisse waren haarsträubend. „Einem schwerkranken Krebspatienten bescheinigte der ‚Vieva Vital Analyser‘ eine gute Gesundheit. Bei einem Toten entsprachen zweihundert Messwerte denen eines gesunden Lebenden. Die Forscher ließen auch sechs gesunde Menschen analysieren. Nach jeder Person setzten sie den Geräten zusätzlich einen feuchten Putzlappen und eine rohe Leberkäse-Masse vor. Ob Mensch, Lappen oder Leberkäse, die Ergebnisse unterschieden sich kaum. Die untersuchten Geräte sind komplett ungeeignet, um einen Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen zu diagnostizieren.“ Dennoch gibt es Apotheken, die Analysen mit dem „Bioscan“ oder „Vieva Vital Analyser“ anbieten (bis zu € 60,– pro Sitzung).

„Kniegelenksspiegelung lindert Arthroseschmerzen“
Steife, schmerzende Gelenke im Alter sind ein verbreitetes Problem. Durch zu hohe oder falsche Belastung verringert sich die schützende Knorpelschicht und es kommt zu Reibung und Entzündung im Gelenk, das schmerzt und versteift. Menschen mit einer Arthrose des Kniegelenks wird oft zu einer Arthroskopie, einer Gelenksspiegelung, geraten. „Das Ziel ist, im Kniegelenk lose Knorpelteilchen und Gewebsfasern zu entfernen und die Reibung im Gelenk zu verringern. Doch den Behandelten bringt die Arthroskopie bei Arthrose nichts. Das ist das eindeutige Ergebnis der aussagekräftigsten Studien. Behandelte hatten nach einer Arthroskopie nicht merklich weniger Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen als Menschen, die zum Schein oder gar nicht behandelt wurden. Auch bei der Lebensqualität schien es keinen Unterschied zu geben.“

„Vitamin C beugt bei Erkältung vor und macht Kranke schneller gesund“
Sobald die Nase rinnt oder Husten quält, wird zu Vitamin C in Form von Tee, Brausetabletten, Nahrungsergänzung oder Saft gegriffen. Umsonst, wie auch hier seriöse Untersuchungen zeigen. „Bisherige Studien zu Vitamin C-Präparaten verweisen die Wirksamkeit ins Reich der Mythen. Sie zeigen, dass die tägliche, vorbeugende Einnahme selbst hoher Dosen Erkältungen nicht verhindern kann. Wer vorbeugend über Jahre Vitamin C schluckt, ist zwar im Falle einer Erkältung wahrscheinlich etwas kürzer krank, der Effekt scheint allerdings klein. Statt sieben Krankheitstagen verkürzt Vitamin C die Erkältung auf sechs bis sechseinhalb Krankheitstage.“

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