„Nasen-Operationen haben meine Karriere zerstört“
Mit dem Tanz-Film „Dirty Dancing“ wurde die Amerikanerin Jennifer Grey berühmt. Doch dann geriet ihre Karriere ins Stocken. Erst eine Nasen-Operation brachte neue Rollen, doch sie zerstörte danach auch ihr Leben. Grey musste sich immer wieder unters Messer legen. Ihre Ehe scheiterte. Jetzt arbeitet sie an der Fortsetzung ihres Erfolgsfilmes.
Sie war 29 Jahre alt und hatte den Gipfel ihrer Karriere erreicht. Nachdem sie sich in New York (USA) –zum ersten Mal vergeblich – um eine neue Filmrolle bemüht hatte, wollte Jennifer Grey an die Westküste nach Los Angeles zurückfliegen. Als sie am Flugschalter ihre Karte vorlegte, sagte die Angestellte verblüfft: „Na so was. Sie heißen Jennifer Grey – wie die Schauspielerin.“
„Ich bin die Schauspielerin“, erwiderte Grey. Worauf die Schalterdame lachend meinte: „Das ist ein guter Witz. Aber ich weiß, wie Jennifer Grey aussieht. Ich habe den Film ‚Dirty Dancing‘ ein Dutzend Mal gesehen.“
„Das war mein Schlüsselerlebnis“, meint die Künstlerin heute über diesen Moment. „Ich hatte meine Identität verloren. Die Menschen erkannten mich nicht mehr.“

Mit dem Halbbruder oft wochenlang allein
Dass die Schauspielerin nun anders aussah als in ihrem einige Monate zuvor weltweit gefeierten Tanz-Film „Dirty Dancing“ lag daran, dass sie sich in der Zwischenzeit Nasen-Operationen unterzogen hatte. Schönheitschirurgen hatten einen Höcker auf ihrer Nase entfernt, der ihr ihr charakteristisches Aussehen verlieh.
Was Grey nicht ahnen konnte: Die Operationen machten sie seelisch krank und ruinierten ihre Karriere.
„Meine Nase war während meiner gesamten Kindheit und Jugend ein Diskussionspunkt mit meinen Eltern“, schreibt Jennifer Grey in ihren soeben auf Englisch erschienenen Memoiren „Out Of The Corner“ („Raus aus der Ecke“). „Ich selber hatte kein Problem mit meinem ungewöhnlichen Organ. Aber meine Eltern, beide Schauspieler, hatten ihre Nasen verkleinern lassen und rieten mir ständig, das auch zu tun.“

Dennoch wurde sie mit Höckernase zum Idol der Jugend. „Alle wollten auf einmal Mambo tanzen“, schreibt sie.
Für die Memoiren, an denen die am 26. März 1960 in New York geborene Darstellerin im Jahr 2010 zu arbeiten begann, benutzte sie ihre Tagebucheinträge von ihrem 14. bis 41. Lebensjahr. „Ich suchte nach Höhepunkten und Tiefpunkten in meinem Leben“, erklärt Grey.

Sie sei ein wildes Kind und eine aufsässige Jugendliche gewesen. Sie habe es ihren Eltern, dem „Oscar“-Preisträger Joel Grey („Cabaret“, 1972) und der Schauspielerin Jo Wilder, schwer gemacht, schreibt die heute 62jährige. Die Familie zog öfters zwischen Hollywood und New York hin und her und die Eltern ließen die kleine Tochter und ihren Halbbruder (aus Jos erster Ehe) oft wochenlang allein mit einem Babysitter. Wenn die Aufpasserin schlief, schlich sich Grey in ein Haus, in dem Heranwachsende Marihuana rauchten, Kokain konsumierten, tranken und sich küssten.

Mit 15 Jahren hatte sie zum ersten Mal Sex
Sie war damals erst 14 Jahre alt. Ihren ersten Sex hatte sie mit 15 Jahren, erzählt sie freimütig. Mit einem 25 Jahre alten, eleganten Verkäufer eines Bekleidungsladens. „Von da an bin ich mein ganzes Leben lang immer in einer Art romantischer Besessenheit gewesen. Ich schrieb alles nieder, jede Nacht.“
Die Eltern hatten keine Ahnung vom Lebenswandel ihrer Tochter. Erfreut darüber, dass sie Interesse an Kunst zeigte, bezahlten sie ihr ein Schauspiel-Studium. Mit 16 Jahren versuchte Grey dann, Arbeit in Fernseh-Werbefilmen zu finden – vergeblich.

„Bis dahin hatte ich mir nie Gedanken über mein Aussehen gemacht. Ich fand nichts dabei, nicht das hübscheste Mädchen in unserer Straße zu sein“, meint Grey. Es folgten Jahre, in denen sie als Kellnerin arbeitete, bis ihr ihre tänzerischen Fähigkeiten die Rolle der „Baby“ Housemann verschafften.

„Dabei stimmte die Chemie anfangs zwischen mir und Patrick Swayze überhaupt nicht. Doch je öfter wir miteinander tanzten, desto besser wurde sie.“
„Dirty Dancing“ wurde ein Riesenerfolg. Mit nur sechs Millionen Euro Produktionskosten spielte er 214 Millionen Euro ein. Jennifer Grey kassierte davon nur 50.000 Euro.
Danach veränderte sich ihr Leben. Ein schwerer Autounfall, verursacht von ihrem damaligen Freund, dem Schauspieler Matthew Broderick, bescherte ihr eine Operation am Rückgrad. Im anderen Auto starben zwei Frauen. Neue Rollen blieben aus. Grey verstand die Welt nicht mehr. „Sie nennen mich jetzt Amerikas Liebling“, sagte ich zu meiner Mutter. „Doch wo sind die Angebote?“.

Wenn du dauerhaft Erfolg haben willst, musst du deine Nase reparieren lassen“, bekam sie als Anwort.
Nach dem ersten Eingriff hagelte es Rollenangebote. „Ich liebte mein neues Leben, filmte in aller Welt und verdiente genug Geld, um mir einen Bungalow und einen Mercedes kaufen zu können.“

An der Nasenspitze entwickelte sich ein Knorpel
Doch an ihrer Nasenspitze entwickelte sich zu ihrem Entsetzen eine Delle mit einem Knorpel an der Seite. Deshalb legte sie sich wieder unters Messer. „Und als ich danach in den Spiegel schaute, sah ich eine fremde Person. Meine Nase hatte die falsche Richtung, war viel zu klein.“
Sie suchte andere Chirurgen auf, aber niemand konnte ihr die ursprüngliche Nase zurückgeben. „Als Berühmtheit war ich in die OP gegangen. Als eine Unbekannte kam ich heraus. Freunde erkannten mich nicht wieder und Angebote blieben aus. Ich musste mein Haus und meinen Mercedes verkaufen. Meine Nase hatte mir meine Persönlichkeit und meine Karriere genommen.“

Zum Glück traf sie im Jahr 2000 einen alten Freund wieder: den Filmproduzenten Clark Gregg, 60. Er machte ihr Mut für einen Neuanfang, half ihr, Erinnerungen und Gedanken für ihre Memoiren zu ordnen. Ein Jahr später heirateten sie. Ihre Tochter Stella Gregg, 20, ist ebenfalls Schauspielerein.
Im Juli vor zwei Jahren ging die Ehe aber in die Brüche: „Wir haben uns mit großer Rücksichtnahme getrennt“, schreibt sie. „Nun bin ich allein mit meinen Erinnerungen – und der Hoffnung auf Erfolg mit meinem neuen Film.“ Der Fortsetzung von „Dirty Dancing“ im Jahr 2024.