Wasserstraße in den Wolken
Der Blick in den Abgrund löst ein mulmiges Gefühl aus. Doch deswegen kommen Besucher zum Pontcysyllte-Aquädukt. Das Bauwerk ist sowohl die höchste als auch die längste Trogbrücke Großbritanniens und lässt sich mit einem Boot und zu Fuß überqueren. Urlauber können sich ein Boot mieten oder genießen die Fahrt in einem Ausflugsboot.
Wer vom Pontcysyllte-Aquädukt herunterschaut, braucht gute Nerven. So unaussprechlich der Name des Bauwerkes auch ist, so atemberaubend ist die Überfahrt. Das Aquädukt befindet sich in der walisischen Stadt Trevor und ist die höchste und längste Trogbrücke Großbritanniens.
Das 40 Meter hohe und 307 Meter lange Bauwerk spannt sich über den Fluss Dee und verbindet die Orte Trevor und Froncysyllte miteinander. Um von einer auf die andere Seite zu gelangen, können Besucher mit einem Boot über die Wasserbrücke schippern.

„Höhenangst sollten sie aber nicht haben“, sagt Carl Cowlishaw von der Bootsvermietung „Angelo Welsh“ in Trevor. Die Fahrrinne auf der Brücke ist nur ein paar Zentimeter breiter als das Boot. Angrenzend verläuft ein schmaler Fußweg, der durch ein Geländer gesichert ist. Die Bootsfahrer genießen keine derartige Absicherung.
„Sie schauen von ihrem schwimmenden Gefährt direkt in den Abgrund. Es fühlt sich an, als würden sie am Rand einer Klippe stehen“, erzählt der Waliser, der Besuchern auch verrät, wie der Name des Aquädukts richtig ausgesprochen wird. „Pont-ker-sach-the“ heißt der Zungenbrecher, der von den Bewohnern aber auch als „Wasserstraße in den Wolken“ bezeichnet wird.

Die Schiffbrücke wurde von Thomas Telford und William Jessop nach zehnjähriger Bauzeit im Jahr 1805 fertiggestellt. Sie thront auf 19 gemauerten Pfeilern. Der Trog der Brücke, in dem die Schiffe über das Tal setzen, ist aus Gusseisen. „Damit der Trog wasserdicht bleibt, wurden die Verbindungen mit Flanellstoff, der in kochende Zuckerlösung getränkt wurde, abgedichtet. Diese Kon­struktion hält bis heute“, sagt Cowlishaw.

Das Wasser, das den Kanal speist, stammt von den „Horse Shoe Falls“, einem Wasserfall in Form eines Hufeisens. Die Brücke ist gerade breit genug, dass ein Schiff im Einbahnsystem übersetzen kann. „Kommt ein zweites aus der Gegenrichtung, muss es warten. Es gilt, wer zuerst da ist, darf als Erster die Brücke überqueren.“
Das Pontcysyllte-Aquädukt ist Teil des Llangollen-Kanals, einem von vielen Wasserwegen in Großbritannien. Die Kanäle wurden während der Industriellen Revolution geschaffen. Mit der Erfindung der Dampfmaschine entstanden moderne Fabriken. Diese ermöglichten Fließbandarbeit und führten dazu, dass Güter schneller und billiger erzeugt wurden.

„Die Waren wurden mithilfe von Booten auf den Kanälen von einer Stadt zur nächsten transportiert. Auch der Kohlebergbau in den walisischen Bergen profitierte vom Kanal. Die Schiffe hatten ursprünglich keinen Motor und wurden von Pferden gezogen, weshalb neben den Wasserwegen ein schmaler Fußweg verläuft“, erklärt der Waliser.
Die Bootsvermietung „Angelo Welsh“ bietet täglich, außer dienstags, Fahrten über das Aquädukt an. Erwachsene zahlen 12 Euro, Kinder 7. „Wer lieber selber ans Steuer möchte, kann sich ein Boot mieten und damit entweder für einen Tag oder gleich mehrere Tage den Llangollen-Kanal erkunden.“

Die Wasserstraßen sind schmal, daher sind es die Boote auch. Sie werden als „Narrowboat“ bezeichnet und sind maximal 2,20 Meter breit, dafür aber aber bis zu 20 Meter lang. Die Boote verfügen über Schlafzimmer, Badezimmer und eine Küche.
„Das Fahren der Boote ist einfach. Das Steuern funktioniert mit einem Ruder. Die Boote fahren nicht schnell, sodass an ein Überholen nicht zu denken ist.“ Es gibt nur eine Sache, auf die die Kapitäne aufpassen müssen. „Obwohl auf den britischen Straßen Linksverkehr herrscht, fahren Boote auf den Gewässern rechts“, gibt der Bootsvermieter zu bedenken.

Wer dem Kanal in westlicher Richtung folgt, gelangt über das Pontcysyllte-Aquädukt zum beschaulichen Ort Llangollen. In östlicher Richtung geht es über das 260 Meter lange Chirk-Aquädukt und einige Tunnel zum Dorf Chirk.“
Unterwegs gibt es auch einige Schleusen zu überwinden. „Die Schleusentore werden händisch geöffnet. Das Wasser wird mithilfe eines Schlüssels, den jeder Bootskapitän erhält, ein- und ausgelassen. Wer eine Badewanne einfüllen kann, kommt auch mit den Schleusen zurecht“, schmunzelt der Waliser.

Laternen säumen den Weg über die Brücke
Das Aquädukt in Briare, Frankreich, ist nach der Kanalbrücke in Magdeburg (D) das zweitgrößte schiffbare Aquädukt der Welt. Es spannt sich über den Fluss Loire und wurde 1896 eröffnet. Die Brücke ist 662 Meter lang und gesäumt von Straßenlaternen. Die Stadt Briare liegt südlich von Paris und ist bekannt für Emaille.

Mit dem Boot über die Landstraße
Das Veluwemeer-Aquädukt in den Niederlanden ist zwar nicht lang, dafür eine architektonische Schönheit. Es verbindet das Festland von Harderwijk mit Flevoland, der größten künstlichen Insel der Welt. Die Wasserbrücke ist 24 Meter lang, 19 Meter breit und spannt sich über eine stark befahrene Landstraße.