So ein Theater – Teil 5
„Göttin in Weiß“. Die Wachaufestspiele (NÖ) laden ein zur musikalischen Komödie „Göttin in Weiß“. Reinhard Nowak muss sich darin als Arzt zur Zeit der Donaumonarchie einer Gewissensfrage stellen. Die wunderschönen Melodien stammen von (Musical-)Autor Peter Hofbauer.
Wir schreiben das Jahr 1900. Auf einem Kongress in Weißenkirchen in der Wachau (NÖ) sollen die größten Ärzte ihrer Zeit darüber entscheiden, ob Frauen in der Donaumonarchie künftig Medizin studieren dürfen. Die Abstimmung hängt am seidenen Faden. Denn ein Arzt ist noch unentschlossen.
„Der Arzt weiß weder, dass seine Tochter einen Plan ausgeheckt hat, um ihn dafür zu gewinnen, noch, dass der Leibarzt des Ministerpräsidenten nicht einmal Bestechung und Erpressung scheut, um ihn dagegen aufzubringen“, erzählt Reinhard Nowak über die Handlung von „Göttin in Weiß“. Die musikalische Komödie wird bei den Wachaufestspielen (NÖ) aufgeführt.

Nowak, bekannt aus Serien wie „Kaisermühlen Blues“ und „Die Lottosieger“, ist darin als „Bösewicht“ zu sehen. „Ich spiele den Leibarzt des Ministerpräsidenten, der mit allen Mitteln und abstrusen Argumenten versucht, dass die Abstimmung zur Zulassung für Frauen zum Medizinstudium zu seinen Gunsten ausfällt.“
„Göttin in Weiß“ stammt aus der Feder von Florentina Hofbauer, 30. Sie ist die Tochter des Fernsehproduzenten und Autors Peter Hofbauer, 73, der die Musik beigesteuert hat. Gespielt wird im traumhaften Ambiente des Teisenhoferhofes in Weißenkirchen in der Wachau (NÖ).

„Nicht gut um Gleichberechtigung bestellt“
Jedoch hat das Stück auch einen ernsten Hintergrund, zumal es das Thema Gleichberechtigung anspielt. „Um sie ist es heute auch noch nicht perfekt bestellt. Frauen verdienen in den gleichen Berufen wie Männer immer noch weniger und werden schneller gekündigt. Zum Glück ist es heute besser als um das Jahr 1900.“
Schlimmer sei heute die Hitze, die dem menschengemachten Klimawandel geschuldet sei, ist Nowak überzeugt. „Ich muss im Hochsommer ein historisches Kostüm tragen, das ist nicht ganz einfach. Es gibt Nachmittagsvorstellungen, gerade da ist die Hitze ein Problem, aber es gibt Schlimmeres“, erzählt Nowak.

Entschädigt wird er von der wunderschönen Wachau und dem romantischen Teisenhoferhof in Weißenkirchen. Das Gemäuer soll teils auf das 13. Jahrhundert zurückgehen. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der Hof umfangreich im spätgotischen Stil erweitert. Der Name stammt vom einstigen Besitzer Hainrich Teisenhofer ab. Bis ins 18. Jahrhundert war das Gebäude auch als „Schützenhof“ bekannt, vermutlich, weil dort Armbrustschießen durchgeführt wurden.

„Die Wachau ist sowieso schön. Ich hoffe, dass ich da nicht zu sehr dem Alkohol verfalle. Es gibt dort ja einen guten Wein.“ Zudem begeistert Nowak das Sommertheater. „Es hat immer ein besonderes Flair. Wir hoffen, dass viele Menschen kommen werden und sich nicht von Corona abschrecken lassen. Das Stück wird ja auch im Freien aufgeführt.“

Kabarett-Programm „Endlich“ über Corona-Zeit
Premiere wäre eigentlich schon im Jahr 2020 gewesen. Doch die Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung. „Dann haben wir es auf 2021 verschoben, aber da war es bezüglich Corona auch noch nicht so sicher. Auch jetzt strömen die Menschen noch nicht so richtig ins Theater. Viele klagen über eine geringe Auslastung. Ich musste wegen der Pandemie auch viele Kabarett-Auftritte verschieben. Viele Gäste haben ihre Karten zurückgegeben, weil sie Panik vor dem Virus hatten. Zudem wollten sie teilweise nicht die Maske aufsetzen.“
Nowak selbst hatte das Virus bereits. „Es war ein relativ heftiger Verlauf mit starken Halsschmerzen. Ich konnte kaum schlucken. Fünf Tage lang war es wirklich schlimm, danach wurde es besser. Atemprobleme und Langzeitprobleme (‚Long Covid‘) blieben mir zum Glück erspart.“

Dass es nicht schlimmer war, führt er auf die Impfung zurück. „Ich kann diese Wissenschaftsskepsis in unserem Land nicht verstehen. Menschen glauben, sie seien gescheiter als Wissenschaftler. Wir haben der Medizin so viele Errungenschaften und positive Entwicklungen zu verdanken wie Operationen, Medikamente wie auch Impfungen. Da vertraue ich halt darauf, dass der Verlauf mit Impfung milder ist als ohne Impfung. Das ist ja eine Tatsache.“

Freilich fürchtet sich auch Nowak vor einem erneuten „Herunterfahren“. „Wenn die Zahlen steigen, habe ich schlimmste Befürchtungen. Denn die Theater werden immer zuerst zugesperrt. Es ist mühsam, da uns das Virus schon so lange begleitet.“
Derzeit steht er auch noch mit seinem Kabarett „Endlich“ auf der Bühne. „Darin reflektiere ich über die Corona-Zeit und wie es mir ergangen ist. Und es quälen mich brennende Fragen, beispielweise, warum Brad Pitt noch immer nicht ‚blad‘ ist, und wann es endlich eine Antifett-Impfung gibt. Oder wieso das Leben endlich ist, wo doch so viele unendlich dumm sind?“

Daneben hat Reinhard Nowak weitere Projekte in petto. „Beim Privatsender Puls 4 ist einiges im Gespräch. Und ich probe am Gloria Theater in Wien ‚Graf Bobby im Spukschloss‘. Ich spiele das Gespenst“, erzählt der 58jährige schmunzelnd.

„Göttin in Weiß“ bei den Wachaufestspielen
Besetzung: Reinhard Nowak, 58, spielt Doktor Eduard Albert, den Leibarzt des Ministerpräsidenten. Stephan Paryla-Raky, 73, ist als Dr. Alexander Rollett zu sehen, Anna-Sophie Krenn, 35, als seine Tochter Oktavia. Ulli Fessl-Junek, 80, spielt die Gasthofbesitzerin Therese Windischgruber, Katrin Fuchs ihre Enkelin Susanne, Leila Strahl, 25, die Schweizer Augenärztin Dr. Rosa Kerschbaumer. Intendanz und Regie: Marcus Strahl, 54.

Bis 27. August, Vorstellungen ab 20 Uhr, teils auch ab 16 Uhr. Karten erhältlich bei der „Theaterfest NÖ Ticket-Line“ und bei allen „ÖTicket“-Verkaufsstellen. Karten sind auch von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 12.30 Uhr und 13 bis 17 Uhr telefonisch unter 02715/2268 bestellbar.
Nähere Infos im Internet auf www.wachau-festspiele.com